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(27.07.2021) Olympiafinale! Sarah Köhler kennt das Gefühl, beim wichtigsten Event des Schwimmsports im Endlauf zu stehen. Vor fünf Jahren durfte sie das bereits in Rio erleben. Damals blieb sie im Finale über die 800m Freistil auf der großen Bühne hinter den eigenen Erwartungen zurück. Nach einer starken Zeit im Bereich ihrer Bestleistung im Vorlauf konnte sie sich tags daurauf nicht steigern. Eine Erfahrung, aus der sie gelernt hat.

Seit Rio hat sich viel getan. Köhler ist deutlich schneller geworden, als Athletin gereift und etabliert in der Weltspitze. Diesmal soll es anders laufen als in Rio und die erste Gelegenheit bietet sich über die 1500m Freistil. Die Strecke, auf der die in Magdeburg trainierende Frankfurterin Vize-Weltmeisterin ist und den Kurzbahn-Weltrekord hält, gehört zum ersten Mal zum Olympischen Programm. Eine Chance, die Sarah Köhler nutzen will.

Dass in den Vorläufen am Montag vier Athletinnen schneller waren als Köhlers Deutscher Rekord (15:48,83), lässt sie unbeeindruckt. "Wir haben schon ganz oft gesehen, dass einige in den Finals langsamer schwimmen als im Vorlauf", meint die 27-Jährige, die sich davon selbst nicht ausnehmen möchte. "Ich habe in der Vergangenheit auch schon Bestzeiten in Vorläufen abgeliefert", erklärt sie bei den Kollegen vom ZDF.

Diesmal musste Köhler im Vorlauf noch nicht ans Limit gehen, um den Einzug ins Finale klar zu machen. In 15:52,67 Minuten kam sie als Sechste weiter und bestätigte auf die Sekunde ihre Vorleistung aus dem April (15:52,20). Damals kam sie frisch aus dem Trainingslager und hatte den Wettkampf in der heimischen Magdeburger Halle nicht groß vorbereitet. Trotzdem schwamm sie bei ihrem Rennen im April ebenso wie auch gestern in Tokio bis auf weniger als vier Sekunden an ihren Deutschen Rekord heran.

"Das ist gut gelaufen für Sarah, sie hat noch Luft nach oben", attestiert auch ihr Trainer Bernd Berkhahn nach dem Vorlauf. "Der Aufwand war bei ihr okay, andere haben viel mehr in diesen Vorlauf investiert."

Viel Einsatz hatte so zum Beispiel die Chinesin Wang Jianhjiahe gezeigt, die versuchte so lange wie möglich Kontakt zu Superstar Katie Ledecky zu halten und in 15:41,49 Minuten einen Asienrekord aufstellte. Auch Ledeckys Teamkollegin Erica Sullivan (15:46,67) und die Weltmeisterin Simona Quadarella (15:47,34) waren am Montag schnell unterwegs. Die Italienerin hat bereits bewiesen, dass sie schneller schwimmen kann als ihre Vorlaufleistung. Bei Wang und Sullivan hingegen waren es deutliche Bestzeiten. 

Katie Ledecky war an der Spitze des Feldes in 15:35,35 Minuten mal wieder eine Klasse für sich und sah durchaus danach aus, dass sie eine Schippe drauflegen kann. Bei ihr wird es interessant, wie sie das Finale über die 200m Freistil wegsteckt, das gut eine Stunde vor dem 1500m-Endlauf ansteht. Ein Doppel, das Ledecky bereits in der Vergangenheit absolviert hat, das aber trotzdem zu einer Herausforderung werden könnte.

Um 4:54 Uhr in der kommenden Nacht (MEZ) geht das Rennen über die 1500m ins Wasser.  "Die Karten werden neu gemischt fürs Finale", weiß Sarah Köhler. Wir dürfen gespannt sein, ob sie noch ein Ass im Ärmel hat.

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