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(18.07.2021) "Du bist für Olympia nominiert!" Wenn Spitzenschwimmer diese Worte hören, geht oft ein Traum in Erfüllung. Die harte Arbeit der vergangenen Jahre hat sich gelohnt! Man darf sich bei den Spielen im Zeichen der fünf Ringe beweisen. Auch sechs polnische Nationalschwimmer hatten diesen Traum, aus dem es jetzt ein jähes Erwachen gab.

Mateusz Chowaniec, Jan Kozakiewicz, Jakub Kraska, Paulina Peda, Aleksandra Polańska und Alicja Tchórz waren allesamt bereits in Japan. Eingekleidet, fokussiert und vorbereitet auf ihre Einsätze bei den Olympischen Spielen. Doch als der Schwimm-Weltverband FINA am Mittwoch die vorläufige Meldelisten für Tokio veröffentlichte, war die Verwunderung groß. Eigentlich hatte das polnische Team 23 Schwimmer nominiert. Doch nur 17 von ihnen fanden sich in den Startlisten wieder. Die Namen der oben genannten Sechs fehlten.

Ein Schock für die betroffenen Sportler, die zunächst noch darauf hofften, dass es sich um einen Fehler seitens des Weltverband handelte. Der polnische Verband und das Olympiakomitee Polens versuchten bei FINA und IOC zu intervenieren. In Polens Medien bestimmte der Skandal schnell die Schlagzeilen rund um Olympia. Doch wie sich im Laufe der Woche herausstellte, war es kein Fehler der FINA. Die Verantwortlichen des polnischen Verbandes scheinen schlicht die Regularien dazu, welche Schwimmer bei Olympischen Spielen starten dürfen, nicht allzu genau gelesen zu haben und hatten Athleten nominiert, die eigentlich gar nicht startberechtigt waren.

Sicher qualifiziert sind für die Spiele nur Athleten, die A-Normen der FINA erfüllt haben. Freie Plätze im Feld werden durch Athleten mit B-Normen besetzt, allerdings auf Einladung der FINA bzw. des Internationalen Olympischen Komitees. Zudem können für Staffeln Schwimmer gemeldet werden, die zwar keine Einzelstarts bekommen, aber für die Teamwettbewerbe eingesetzt werden. Zehn solcher "relay only" Athleten hätte Polen, das fünf Staffeln für Tokio qualifiziert hat, mitnehmen können. Nominiert wurden wohl aber 14 Staffelkandidaten und zudem Schwimmer mit B-Normen, die vom Weltverband aber nicht als Teilnehmer bestätigt wurden. Man war beim Verband wohl davon ausgegangen, dass man auch mit B-Normen sicher dabei sein darf. Das ist aber nur bei Weltmeisterschaften, nicht aber bei Olympischen Spielen aufgrund der dort begrenzten Zahl der maximalen Teilnehmenden der Fall.

Die Konsequenz: Polen muss sein Team für Tokio verkleinern. Chowaniec, Kozakiewicz, Kraska, Peda, Polańska und Tchórz müssen den dicken Fehler ihres Verbandes ausbaden und sind bereits auf der Rückreise aus Japan. Kaum vorstellbar, was in den Sportlern gerade vorgehen muss. Die Enttäuschung sitzt tief.

In einem gemeinsamen Statement wandten sich am Samstag nahezu alle Schwimmer der polnischen Olympiamannschaft an die Öffentlichkeit. "Als Schwimmer, die dazu berufen wurden unser Land bei Olympia zu vertreten, haben wir darauf vertraut, dass wir uns auf die Sorgfalt des Verbandes verlassen können und dass gemäß der Regeln gehandelt wird", erklären die Athleten. "Einige von uns wurden des Traums von Olympia beraubt. Die, die in Tokio bleiben dürfen, bleiben mit schlechter Stimmung und angeschlagenen Nerven." Die Forderung ist daher klar: Die Verantwortlichen um den Verbandspräsidenten Paweł Słomiński sollten umgehend zurücktreten, schreiben die Sportler. Die Stimmung im Team dürfte das nur mäßig bessern, aber vielleicht übernehmen ja dann Leute das Ruder, die zumindest die Regeln lesen und verstehen können.

Die Links zu den Olympischen Spielen 2021:

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