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(22.03.2019) Olympia im eigenen Land - das ist ein Traum, der nur für wenige Athleten jemals in Erfüllung geht. Japans Sportfans setzen ihre Hoffnungen für die Olympischen "Heimspiele" im kommenden Jahr unter anderem auf die Schwimmer. Doch nachdem mit Rikako Ikee eine der Medaillenkandidatinnen für Tokio mit einer Leukämie-Diagnose schockte, bangt man nun auch um einen weiteren Anwärter auf Glanz im Land der aufgehenden Sonne: Kosuke Hagino.

Im Gegensatz zu Ikee hat er nicht mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, sondern stemmt sich gegen ein tiefes Motivationsloch. In der vergangenen Woche ließ der Olympiasieger dies in einer Nachricht an seine Fans durchklingen.

"Seit der 2017er Saison bin ich nicht mehr in der Lage, die Ergebnisse zu erzielen, die ich mir vorgenommen hatte. Da sich die Lücke zwischen meinen Zielen und der Realität immer weiter öffnet, fällt es mir immer schwerer, motiviert zu bleiben", schrieb der erst 24-jährige Spitzenschwimmer.

Seit seinem Olympiasieg über die 400m Lagen in Rio, wo er zudem Silber über die 200m Lagen holte, hat Hagino es nicht mehr geschafft, eine persönliche Bestleistung aufzustellen. Zugegeben, mit seinen Zeiten von 4:06,05 Minuten und 1:55,07 Minuten über die Lagenstrecken oder auch Leistungen wie 3:43,90 über die 400m Freistil, 52,78 Sekunden über die 100m Rücken oder 1:54,77 Minuten über die 200m Rücken ist es gar nicht so einfach immer wieder noch einen draufzusetzen.

Doch die Durststrecke macht dem ehrgeizigen Multitalent, das 2017 immerhin mit WM-Silber über die 200m Lagen erneut glänzen konnte, zusehends zu schaffen. Aus diesem Grund wird er auch an den japanischen Meisterschaften in diesem Jahr nicht teilnehmen. "In seinem derzeitigen Zustand wäre das sehr schwer", erklärt Nationalcoach Norimasa Hirai einheimischen Medien. "Er ist nicht gut drauf. Er muss sich ausruhen und wenn er wieder zurückkommt, muss er anfangen nur für sich selbst zu schwimmen." 

Hagino, der zuletzt auch ein Trainingscamp in der spanischen Sierra Nevada ausließ, ist sich bewusst, dass seine derzeitige Lage und der mögliche Verzicht auf die Schwimm-WM 2019 einen schwerer Schlag für die Olympiahoffnungen der heimischen Fans darstellen. "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Schwimmfans und habe Verständnis, dass es für meine Entscheidung viel Kritik geben wird", so der dreifache WM-Medaillengewinner. An der Situation ändert dies aber nichts. "Ich fühle mich mental einfach nicht in der Lage, mit voller Kraft antreten zu können." 

Es bleibt abzuwarten, ob das Motivationsloch vielleicht gerade noch zum rechten Zeitpunkt kommt, damit Hagino mit frischem Geist in die Vorbereitung auf Tokio gehen kann. Nach seinen bisherigen fulminanten Auftritten auf der Olympischen Bühne, auf der er 2012 als erst 18-Jähriger keinem geringeren als Michael Phelps die Bronzemedaille über die 400m Lagen wegschnappte, wäre sein Fehlen nicht nur für Japans Schwimmfans sondern die weltweiten Beobachter mit Sicherheit ein Verlust.