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(03.11.2016) Bereits bei der Schwimm-DM im Mai sorgte Bundestrainer Henning Lambertz mit einem Vergleich deutscher Schwimmerinnen mit "dünnen Models" für Schlagzeilen. Nun legen der DSV-Chefcoach und sein Team einen Plan auf den Tisch, wie der aus seiner Sicht deutliche Rückstand zur Weltspitze im athletischen Bereich aufgeholt werden kann. Das neue "Kraftkonzept" des DSV soll Deutschlands Spitzenschwimmern wieder Muckis machen. (Die Schwerpunkte könnt ihr euch HIER durchlesen.)

"Wir müssen von dem Gedanken wegkommen, dass Schwimmer dünn sein müssen und wenig Masse haben dürfen", beschwört Lambertz im Gespräch mit swimsportnews einen Paradigmenwechsel. Vielerorts herrsche noch immer die Meinung, viele Muskeln seien hinderlich für das Schwimmen und beim Landtraining solle man auf Kraftausdauerübungen setzen. "Wir haben das ja auch alle gemacht und gut gemeint", so Lambertz. Doch diese Ansichten seien mittlerweile überholt.

Auf das Training der Kraftausdauer an Land soll zukünftig laut Plan des Bundestrainers komplett verzichtet werden. "Dafür machen wir jeden Tag vier, fünf Stunden Wassertraining. Das können wir an Land niemals so gut nachbilden", so Lambertz. Die Belastungsgrenze der Athleten, was Zeit und Trainingsumfang angeht, sei weitgehend erreicht. Deswegen müsse die Zeit außerhalb des Wassers effizienter genutzt werde. Hier wie schon bei den Beckeneinheiten erneut an der Kraftausdauer zu arbeiten, ist laut Lambertz nicht zielführend.

Stattdessen setzt das neue DSV-Kraftkonzept daher auf Maximalkraft und Muskelmasse. Durch mehr "Luft nach oben" bei der Maximalkraft soll auch bei jedem einzelnen Zyklus der Schwimmbewegung mehr Kraft ins Wasser gebracht werden können und zudem eine höhere Frequenz ermöglicht werden. Nicht nur für Sprinter sondern auch für Mittel- und zum Teil auch Langstreckenspezialisten sei dies ein adäquates Mittel, so Lambertz.

Dies zeige auch der Blick auf die internationale Spitze. In Rio habe er sich dazu mit mehreren seiner Kollegen ausgetauscht und der Trend zu intensiverem Maximalkrafttraining sei deutlich erkennbar. Außerdem sollen durch einen gut ausgebildeten Muskelapparat Dysbalancen und Verletzungsrisiken minimiert werden.

Das Konzept ist dabei mehr als nur ein Vorschlag. Lambertz erwartet von seinen Athleten und deren Trainern, dass diese hier voll mitziehen. "Nur Schwimmerinnen und Schwimmer, die auf lange Sicht das DSV-Kraftkonzept umsetzen, werden vom Deutschen Schwimm-Verband in jeglicher Weise unterstützt", so Lambertz.

Dies umfasse Verbandmaßnahmen wie Trainingslager oder Wettkampfreisen zu Weltcups und z.B. der Mare Nostrum Tour. In Absprache mit der Deutschen Sporthilfe könne hier aber im Einzelfall auch die finanzielle Sportförderung auf den Prüfstand gestellt werden. "Wenn jemand dieses Konzept nicht mit umsetzen will, können wir ihn nicht dazu zwingen. Aber auf der anderen Seite hat er sich dann gegen den Weg des Deutschen Schwimm-Verbandes entschieden und kann auch nicht erwarten, dass wir ihm die gesamte Bandbreite an Fördermöglichkeiten zur Verfügung stellen."

Zweimal pro Jahr soll es einen Krafttest für die Nationalschwimmer geben. Der erste wird für etwa 40 Sportler am 21. und 22. Januar in Heidelberg stattfinden. Fünf Kategorien sollen hier überprüft werden: Bankdrücken, Kniebeugen, Klimmzüge sowie mit Blick auf die technische Ausführung das Umsetzen und Reißen an der Langhantel.

Die Defizite seien hier in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden. "Unsere letzten Top-Leute, die konnten das", attestiert Lambertz. "Britta Steffen schafft bestimmt auch heute noch 20 Klimmzüge." 

In den kommenden Jahren soll das Kraftkonzept dafür sorgen, dass die DSV-Asse bis Tokio 2020 auch athletisch wieder den Anschluss zur Weltspitze herstellen. Wie alle Maßnahmen des Bundestrainers wird es sich aber letzlich an einem messen lassen müssen: Den internationalen Erfolgen der deutschen Spitzenschwimmer im Wasser.

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