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(09.04.2022 | Bild: Archiv) Für Deutschlands Spitzenschwimmer geht es um die Tickets für Welt- und Europameisterschaften und über eine Strecke ist der Kampf um die Plätze im Nationalteam besonders spannend: Die 800m Freistil der Herren. Gleich vier deutsche Athleten von Weltklasseformat dürfen hoffen - einer von ihnen, Sven Schwarz, legte heute bei den Swim Open in Berlin eindrucksvoll vor.

Der Hannoveraner war bereits vor zwei Wochen in Magdeburg unter der Normzeit für die Weltmeisterschaft geblieben. Damals schlug er zeitgleich mit dem in Magdeburg trainierenden Oliver Klemet (SG Frankfurt) an. Das Problem: Bei der Weltmeisterschaft in Budapest darf der DSV nur zwei Schwimmer an den Start schicken. Florian Wellbrock ist durch seine Platzierung im olympischen Finale hier bereits gesetzt. Also musste nachgelegt werden und das gelang Schwarz:

In 7:46,65 Minuten steigerte er seine Zeit aus Magdeburg heute um mehr als zwei Sekunden und setzte sich damit ganz nebenbei auch an die alleinige Spitze der Weltrangliste, die er zuvor gemeinsam mit Konkurrent Klemet inne hatte. Damit ist dieser nun unter Zugzwang. Das Magdeburger Team ist derzeit in Stockholm am Start. Dort stehen die 800m Freistil erst am kommenden Dienstag auf dem Programm. Dann möchte auch Lukas Märtens sich über diese Strecke in Position bringen. Der Olympiafinalist stellte heute bereits über die halbe Distanz eine neue Weltjahresbestzeit auf (mehr dazu hier: 3:41! Lukas Märtens zündet Weltklasse-Kracher über 400 Freistil!). Der Kampf um den verbleibenden Platz hinter Wellbrock bleibt also spannend.

Ähnlich sieht es über die 800m Freistil der Damen aus, diesmal mit Blick auf die Europameisterschaften. In aussichtsreicher Position hinter der bereits sicher gesetzten Sarah Wellbrock befindet sich hier Isabel Gose (8:23,88), die auch die WM-Norm bereits geknackt hat. Nahezu im Gleichschlag schwammen heute nun Leonie Beck (8:29,96) und Lea Boy (8:33,50) in Berlin unter die geforderte EM-Normzeit (8:39,85). Die beiden Würzburgerinnen reihen sich damit auf den Plätzen drei und vier ein. Es bleibt abzuwarten, wie die Mannschaften für die Europa- und Weltmeisterschaften letztlich besetzt werden. Ein offizielle Nominierung durch den DSV wird in der kommenden Woche erwartet.

Eine weitere Empfehlung für die kontinentalen Titelkämpfe gab es am Samstag in Berlin: Über die 200m Schmetterling konnte der Olympia-Teilnehmer und Deutsche Rekordhalter David Thomasberger in 1:57,13 Minuten unter der EM-Norm (1:57,35) bleiben und sich wohl einen Platz im Team für Rom sichern. Das ist durchaus bemerkenswert, denn der Leipziger musste in den vergangenen Monaten eine Verletzungspause nach der anderen hinnehmen. Pech hingegen hatte über die gleiche Strecke heute erneut Kathrin Demler (2:11,13). Nachdem sie bereits in den vergangenen Wochen schon zweimal nur knapp an der EM-Norm über die 200m Schmetterling vorbeigeschrammt war, fehlten ihr heute lediglich acht Hundertstelsekunden zur Qualifikation für die EM.

Bereits vor Beginn des Meetings war der Lokalmatador Ole Braunschweig über die 100m Rücken sicher für die EM gesetzt, sein Blick richtete sich nun auf die WM-Norm, die knapp über seiner Bestzeit liegt. Nachdem Braunschweig gestern eine neue Weltjahresbestzeit über die 50m Rücken aufstellte, blieb er im heutigen Finallauf über die doppelte Distanz aber in 54,35 Sekunden über der WM-Qualifikationszeit von 53,70 Sekunden. Trotzdem kann er mit einem Ticket für die Weltmeisterschaft liebäugeln. Er dürfte im Rennen um den Platz als Startschwimmer in der WM-Lagenstaffel die Nase derzeit vorn haben, doch sein heute knapp geschlagener Konkurrent Marek Ulrich ist am Montag noch ein weiteres Mal bei den Swim Open in Stockholm gemeldet. Im JEM-Finale über dieselbe Strecke stellte Vincent Passek (Berliner TSC) in 56,12 Sekunden einen neuen Deutschen Jahrgangsrekord für die Altersklasse 16 auf. Er unterbot damit die alte Bestmarke von Michael Schäffner aus dem Jahr 2016 (56,28).

Über die 100m-Strecken konnten die Aktiven im heutigen Final-Abschnitt zudem keiner weiteren Staffel zur Qualifikation für die internationalen Höhepunkte verhelfen. Rafael Miroslaw kam zwar nicht ganz an seinen im Vorlauf aufgestellten Deutschen Rekord (47,92) über die 100m Freistil heran (mehr dazu hier: 47,9! Rafael Miroslaw schwimmt mit DEUTSCHEM REKORD die WM-Norm). In 48,16 Sekunden blieb er aber erneut unter der noch zu Tagesbeginn geltenden nationalen Bestmarke. Dahinter verbesserte Josha Salchow seine Zeit, mit der er an zweiter Stelle des aktuellen Staffel-Rankings steht, in 48,76 Sekunden um wenige Zehntel. Bei den Damen reihten sich Nele Schulze (55,50) und die JEM-Teilnehmerin Lisa-Marie Finger (55,87) in das Ranking mit ein.

Nach aktuellem Stand sind nun alle deutschen Staffeln für die Europameisterschaften in Rom qualifiziert. Die vom DSV vorgegebenen Normen für die Weltmeisterschaften in Budapest konnten hingegen bisher nur die Herren der Lagenstaffel und des 4x200m-Teams erfüllen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich an dieser Bilanz noch etwas ändert.

Die Gewinner der A-Finals an Tag 2 der Berlin Swim Open:

  • 200m Schmetterling (w): Kathrin Demler (SG Essen) – 2:11,13min
  • 200m Schmetterling (m): David Thomasberger (SSG Leipzig) – 1:57,13min
  • 100m Rücken (w): Johanna Roas (SG Neukölln Berlin) – 1:01,63min
  • 100m Rücken (m): Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin) – 0:54,35min
  • 200m Lagen (w): Zoe Vogelmann (SV Nikar Heidelberg) – 2:13,86min
  • 200m Lagen (m): David Verraszto (Team Hungary) – 2:02,32min
  • 50m Brust (w): Malaika Schneider (SGS Hamburg) – 0:32,34min
  • 50m Brust (m): Melvin Imoudu (Potsdamer SV) – 0:27,39min
  • 100m Freistil (w): Nele Schulze (SG Neukölln Berlin) – 0:55,50min
  • 100m Freistil (m): Rafael Miroslaw (SG HT16) – 0:48,16min
  • 800m Freistil (w): Leonie Antonia Beck (SV Würzburg 05) – 8:29,96min
  • 800m Freistil (m): Sven Schwarz (W98 Hannover) – 7:46,65min

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