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(15.03.2018) Brustschwimmen - Die einen lieben es, für die anderen gibt es kaum eine größere Bestrafung. Keine andere Schwimmart spaltet derart das Schwimmervolk, doch auch unter den Brustsspezialisten selbst gibt es zwei Lager: Die Sprinter, die sich über die 50 und vielleicht noch 100m tummeln, und die 200m-Experten, die lieber elegant durchs Wasser gleiten, als wie Nähmaschinen mit auf- und abwippendem Oberkörper über die Bahn zu pflügen. Damit am Ende aber nicht nur schön geschwommen wird, sondern über die 200m Brust auch schnelle Zeiten auf der Tafel stehen, ist ein Schlüsselfaktor entscheidend: Die optimale Frequenz zum richtigen Zeitpunkt!

Besonders eindrucksvoll zeigte das der amtierende Weltmeister Anton Chupkov aus Russland bei seinem Europarekordrennen im Finale der Schwimm-Weltmeisterschaften 2017. Nicht nur seine Zeit von 2:06,96 Minuten sorgte für Staunen, sondern auch die Art und Weise, wie er das Rennen geschwommen ist.

Der markanteste Unterschied zu seinen Konkurrenten: Chupkov schwamm mit deutlich geringerer Frequenz auf den ersten 150m. Sie lag bei etwa 30 Zyklen pro Minute. Nur 34,5 Züge benötigte er so auf den ersten drei Bahnen, während die Japaner Yasuhiro Koseki und Ippei Watanabe, die am Ende Silber und Bronze holten, die gleiche Distanz mit 44 bzw. 43 Zügen schwammen. Chupkov benötigte also rund ein Viertel weniger Arm- und Beinschläge für die gleiche Strecke.

"Er wendet für Brems- und Beschleunigungsvorgänge (...) ca. 25 Prozent weniger Energie als die Japaner auf. Kurz gesagt, er legt drei Viertel des Weges mit einem wesentlich geringeren Energieaufwand als die Konkurrenten zurück", so die Analyse der Sportwissenschaftler vom Leipziger Institut für Angewandte Trainingswissenschaften, die uns die Daten für diesen Artikel zur Verfügung gestellt haben.

Die gesparte Energie kam dem Russen dann auf der letzten Bahn zu Gute. Zwar hatte er bei der 150m-Wende einen Rückstand von etwa einer halben Sekunde. Nach dem Auftauchen schwamm er aber mit deutlich höherer Frequenz als auf den ersten Bahnen und während der letzten 25m zog er noch einmal deutlich an. Am Ende hatte Chupkov eine 52er Frequenz - höher als die Konkurrenten während des gesamten Rennverlaufs. 

Dadurch gelang es Chupkov auf der letzten Bahn seine Geschwindigkeit im Vergleich zur zweiten bzw. dritten Bahn signifikant zu steigern. Seinen Verfolgern Koseki und Watanabe nahm er damit acht Zehntel bzw. eine ganze Sekunde ab und durfte sich so am Ende über WM-Gold freuen. Hier könnt ihr die Renndaten noch einmal im Überblick nachvollziehen:

  Bahn 1 Bahn 2 Bahn 3 Bahn 4
  10-20m 35-45m 55-65m 85-95m 110-120m 135-145m 155-165m 185-195m
Chupkov (2:06,96)                
Frequenz 
(Zyklen / min)
31 27 30 30 36 30 43 52
Anzahl Zyklen 10,5 12 13 21
Zeit in s 29,65 32,66 32,66 31,99
                 
Koseki (2:07,29)                
Frequenz 
(Zyklen / min)
41 36 35 33 34 34 36 46
Anzahl Züge 14 15 15 19
Zeit in s 28,59 32,60 33,32 32,78
         
Watanabe (2:07,47)        
Frequenz 
(Zyklen / min)
37 34 32 32 35 37 43 49
Anzahl Züge 13 14 16 22
Zeit in s 28,96 32,59 32,91 33,01

.

Jetzt kann man schnell sagen: Chupkov ist ein Einzelfall, das kann man nicht verallgemeinern. Doch es gibt noch viele weitere Beispiele aus der Weltspitze, die die Wichtigkeit des Frequenzverhaltens verdeutlichen. Bei der EM 2014 in Berlin verringerte Marco Koch im Endlauf auf den ersten drei Bahnen die Frequenz im Vergleich zum vorangegangenen Halbfinale etwas und absolvierte pro Bahn ein bis zwei Armzüge weniger. Auf der letzten Bahn aber steigerte er wiederum die Frequenz deutlich und war so 7,7  Zehntel schneller. Das Ergebnis: Deutscher Rekord und der EM-Titel.

  Bahn 1 Bahn 2 Bahn 3 Bahn 4
  10-20m 35-45m 55-65m 85-95m 110-120m 135-145m 155-165m 185-195m
Halbfinale (2:08,83)                
Frequenz
(Zyklen / min)
40 36 41 37 39 37 39 41
Anzahl Zyklen 15 17 17 18
Zeit in s 29,26 32,59 33,17 33,81
                 
Finale (2:07,47)                
Frequenz 
(Zyklen / min)
42 33 35 34 37 35 42 46
Anzahl Züge 14 15 16 21 
Zeit in s 29,30 32,59 32,54 33,04

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Entscheidend ist natürlich nun die Frage: Wie kann man mit so wenigen Zügen überhaupt schnell und doch Kraft schonend schwimmen? Dies erklären wir euch auf der nächsten Seite: Effizient Brust schwimmen