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(01.08.2021) Mit der Bronzemedaille über die 1500m Freistil hat Florian Wellbrock bei den Olympischen Spielen in Tokio den glänzenden Schlusspunkt für die deutschen Beckenschwimmer gesetzt. Der Magdeburger, der das Finale lange Zeit angeführt hatte, trauerte der verpassten Chance auf Gold nicht lange nach und freute sich direkt nach dem Rennen über das Edelmetall.

„Nicht ohne Grund hat das so lange gedauert, bis mal wieder ein deutscher Schwimmer eine Olympiamedaille geholt hat", erklärte der Doppel-Weltmeister, der bei den Herren als erster Deutscher seit 21 Jahren über eine Einzelstrecke auf dem Olympiapodest stehen durfte, bei den ZDF-Kollegen. "Mit Bronze bei Olympia darf man nicht unzufrieden sein."

Nach der Siegerehrung meinte Wellbrock etwas später mit der Medaille um seinen Hals: "Es fühlt sich unglaublich gut an! So eine Siegerehrung bei Olympia ist noch mal etwas anderes als bei einer Weltmeisterschaft," freute sich der 23-Jährige, für den es nach der EM 2018 und der WM 2019 der dritte Höhepunkt in Folge war, bei dem er über die 1500m das Podium betrat. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, keine Frage."

Wie schon über die 800m Freistil ging Gold auch diesmal an den US-Amerikaner Bobby Finke, der auf den letzten 50m mit einem bärenstarken Finish an Wellbrock und dem zweitplatzierten Ukrainer Mykhailo Romanchuk vorbeizog. "Man fühlt sich dann zum Schluss ein bisschen machtlos, wenn man sieht, dass er noch mal richtig explodiert", meinte Wellbrock laut SID.

Mehr zum Rennen und dessen Verlauf gibt es hier: Dramatisches Finale: Florian Wellbrock holt sich BRONZE in Tokio

Der Plan von Wellbrock und seinem Coach Bernd Berkhahn sah ursprünglich so aus, dass der deutsche Ausdauerspezialist während des Rennens genug Abstand zwischen sich und Finke bringen sollte, damit dieser zum Ende nicht mehr herankommt. Tatsächlich bestimmte Wellbrock das Tempo, schüttelte unter anderem den Italiener Gregorio Paltrinieri ab und ging als Erster bei der letzten Wende rum, doch Finke war nah genug dran.

Sowohl Wellbrock als auch Romanchuck kamen letztlich nicht an ihre persönlichen Bestzeiten heran. Verwunderlich sei das aber laut Wellbrock angesichts der ungewöhnlichen Ansetzung der Finals am Vormittag nicht. „Das hat sich tatsächlich abgezeichnet. Man hat bei den Frauen gestern auch gesehen, dass außer den Top-Zwei-Schwimmerinnen, Titmus und Ledecky, der Rest auch extrem langsam geworden ist. Also langsam in Anführungsstrichen, und das war bei uns heute nicht anders.“ 

Für das deutsche Team war es nach dem Erfolg von Sarah Köhler, die ebenfalls Dritte über die 1500m wurde, die zweite Medaille in Tokio. Während Köhler mittlerweile mit ihrem Programm durch ist, muss sich Wellbrock mit dem Feiern seiner Bronzeplakette noch gedulden. „Wir können uns im Team gleich mit Sicherheit über die zwei Medaillen freuen, die wir hier geholt haben. Aber jetzt muss ich regenerieren für die 10 Kilometer, das wird anstrengend genug“, meinte er vorausschauend.

Am Donnerstag geht er als amtierender Weltmeister ins olympische Open Water Rennen und greift erneut nach einer Medaille. Angesichts der rauen Bedingungen im extrem warmen und wohl auch verunreinigten Wasser der Bucht von Tokio dürfte es ein unberechenbares Rennen werden. Egal was hier letztlich für Wellbrock herauskommt: Er wird in jedem Fall mit Edelmetall im Gepäck nach Hause fliegen. 

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BILD: picture alliance/dpa | Oliver Weiken