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(02.08.2009) Britta Steffen hat nach den 100 auch über die 50 Meter Freistil gewonnen und sich ihre vierte Medaille bei dieser WM geholt. Eine hervorragende Silbermedaille holten die deutsche Männer über 4×100 Lagen. Mit dem zweiten Rang im Medaillenspiegel (siehe unten) sorgten die DSV-Schwimmer für die beste WM-Platzierung einer gesamtdeutschen Mannschaft. Insgesamt neun Mal Edelmetall bedeuten für die deutschen Schwimmer zudem die größte Medaillenausbeute seit der WM 2001 und die Rückkehr in die Weltspitze.

Sie hat es wieder getan! Britta Steffen holt wie schon in Peking auch über die 50 Meter Freistil Gold und wird zur dominierenden Frau im Freistilsprint. “Ich bin selber so überrascht”, meinte die 25-Jährige nach ihrem Rennen in 23,73 Sekunden. Im Gegensatz zu ihrem Olympiarennen, das Steffen mit nur einer Hundertstel gewann, zog sie in Rom auf den zweiten 25 Metern am Feld vorbei und war mehr als eine Zehntel schneller als die Zweite, Therese Alshammer aus Schweden. Bronze ging zeitgleich an die Australierin Cate Campell und Marleen Veldhuis aus den Niederlanden.
Das zweite Highlight des Abends war zweifelsohne die 4×100 Meter Lagen der Männer. Die vier Deutschen erkämpten sich in Europarekord von 3:28,58 mit einem Wimpernschlag von sechs Hundertstel Vorsprung Silber noch vor Australien. Schon Helge Meeuw schwamm auf der Rückenstrecke in 52,27 Europarekord und behielt Anschluss an die US-Amerikaner. Auch Hendrik Feldwehr blieb dran an den Favoriten, die erst auf der Schmetterlingsstrecke mit Michael Phelps zum Sieg davonziehen konnten. Doch Benjamin Starke behielt zumindestens Anschluss an die Australier, die Paul Biedermann auf der Freistilstrecke dann in einer fliegenden Zeit von unter 47 Sekunden hinter sich brachte: Die erste WM-Medaille der Lagenstaffel seit 2001. “Das ist so großartig, auch für die anderen Jungs. Jetzt bin ich völlig platt, aber glücklich”, sagte Biedermann.
Im Finale über 50 Rücken hatte Helge Meeuw zu Beginn des Abschnitts bereits in 24,63 Sekunden den sechsten Rang belegt. Liam Tancock aus Großbritannien holte sich hier den Titel vor Junya Koga aus Japan und dem Titelverteidiger Gerhard Zandberg aus Südafrika.

Eine Flut von Weltrekorden mit ungewisser Zukunft

Insgesamt 43 Weltrekorde wurden bei diesen Weltmeisterschaften aufgestellt. Der einzige Langbahn-Weltrekord, der die WM in Rom überlebt hat und noch aus der Vor-Hightech-Zeit stammt, ist der Fabelweltrekord von

Grant

Hackett über die 1500 Meter Freistil. Nach wie vor ist unklar, wie die FINA mit den Hightech-Weltrekorden verfahren will.
Einen davon holte sich Julia Efimova heute mit Gold über die 50 Meter Brust und sorgte damit nach fünf zweiten Plätzen für das erste Gold für die russischen Schwimmer in Rom. Hinter ihr landeten Rebecca Soni aus den USA und der Australierin Sarah Katsoulis.
Über die 400 Meter Lagen gab es auch ohne Weltrekordhalter Michael Phelps einen amerikanischen Doppelsieg. Ryan Lochte rettete auf den letzten Metern Gold vor seinem Landsmann Tyler Clary und Laszlo Cseh aus Ungarn.
Der Tunesier Ousamma Mellouli siegte über die 1500 Meter Freitstil und verwies Ryan Cochran aus Kanada, der das Rennen lange Zeit offen hielt, auf Platz Zwei. Bronze ging an den Yan Sung aus China.
Die 400 Meter Lagen der Frauen entschied die Ungarin Katinka Hosszu vor Kirsty Coventry aus Simbabwe für sich. Olympiasiegerin Stephanie Rice musste sich mit Bronze zufrieden geben.

Deutschlands Schwimmer sind wieder aufgetaucht

Nach dem Desaster von Melbourne 2007, als die DSV-Schwimmer ohne Sieg und auf Rang 12 des Medaillenspiegels heim fuhren, und den Olympischen Spielen, bei denen nur Britta Steffen glänzen konnte, sind die deutschen Schwimmer wieder ein Begriff im internationalen Schwimmsport. ”Wir sind in die Weltspitze zurückgekehrt. Nun wollen wir uns unter den Top fünf etablieren”, so DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow. Am Ende stehen die deutschen Beckenschwimmer auf dem zweiten Rang des Medaillenspiegels, die beste Platzierung einer gesamtdeutschen Mannschaft bei einer WM überhaupt. Vier Mal Gold bedeuten nur eine weniger als bei der “goldenen” WM 2003, als allein die spätere Weltschwimmerin Hannah Stockbauer für drei Siege sorgte. Mit ingesamt neun Mal Edelmetall ist es zudem die größte Medaillenausbeute seit der Weltmeisterschaft in Fukuoka 2001, als die deutschen Schwimmer 15 Medaillen holten.  Endlich konnten die bei den Deutschen Meisterschaften gebrachten starken Leistungen auch beim Saisonhöhepunkt gezeigt und zum Großteil auch gesteigert werden und das nicht nur bei einigen wenigen Spitzen sondern in der gesamten Teambreite. Diese Entwicklung muss weitergehen. Die Junioren-Europameisterschaft hat gezeigt, dass zahlreiche vielversprechende Talente bald den Sprung in die Spitze schaffen dürften. Doch man muss sie dabei unterstützen.
Nach wie vor sind die USA die beste Schwimmnation. Doch nachdem 2007 noch die Hälfte der 40 Strecken von den Amerikanern gewonnen wurden waren es nun “nur noch” zehn. Die Schwimmwelt ist größer geworden, viel Nationen haben aufgeholt. Insgesamt stehen in Rom 17 verschiedene Länder in den Siegerlisten, während es vor zwei Jahren nur elf Stück waren.

Der Medaillenspiegel nach 40 Entscheidungen im Becken in Rom:

    Gold Silber Bronze Ges.
1 USA 10 7 6 23
2 Deutschland 4 4 1 9
3 Australien 3 4 9 16
4 China 4 2 4 10
5 Italien 3 0 1 4
6 Großbritannien 2 3 2 7
7 Ungarn 2 1 3 6
8 Brasilien 2 1 0 3
  Serbien 2 1 0 3
10 Russland 1 5 1 7
11 Japan 1 2 1 4
12 Tunesien 1 2 0 3
13 Simbabwe 1 1 0 2
  Schweden 1 1 0 2
  Dänemark 1 1 0 2
16 Südafrika 1 0 2 3
17 Niederlande 1 0 1 2
18 Frankreich 0 3 2 5
19 Kanada 0 1 2 3
20 Österreich 0 1 0 1
  Polen 0 1 0 1
22 Spanien 0 0 3 3
23 Rumänien 0 0 1 1
  Litauen 0 0 1 1
  Norwegen 0 0 1