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Die swimsportnews-Berichterstattung zur Schwimm-WM 2019 wird präsentiert von Smit Sport 

(21.07.2019) Es war eine Reaktion, die sich über die vergangenen Tage und Monate angedeutet hatte. Nachdem sich Chinas umstrittener Superstar Sun Yang bei den Weltmeisterschaften im südkoreanischen Gwangju zum vierten Mal in Folge den Titel über die 400m Freistil sicherte, brachte der unterlegene Australier Mack Horton bei der anschließenden Siegerehrung klar seine Meinung zum Ausdruck.

Anstatt sich wie bei der Medaillenvergabe üblich auf Podium zu stellen, blieb er dahinter stehen und gab auch lediglich dem Drittplatzierten Gabriele Detti die Hand. Es war ein klares Statement zum erneut fraghaften Verhalten des Sun Yangs beim Thema Doping.

Der 27-Jährige war in diesem Jahr erneut in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt wurde, dass er Dopingfahndern zufolge bei ihm entnommene Blutproben nach einem unangekündigtem Test von seinem Sicherheitsteam mit einem Hammer zerstören ließ und die FINA ihn dafür freisprach. Mack Horton hatte den Umgang des Weltverbandes mit dem bereits wegen Dopings vorbelasteten Chinesen schon in der Vergangenheit mehrfach kritisiert und zeigte sich auch nach seiner Niederlage sichtlich frustriert. "Seine Taten sprechen für sich. Ich denke, dazu muss ich nichts mehr sagen", erklärte Horton nach dem Finale.

Statt Worten verlieh er seiner Meinung mit Taten Nachdruck. Während sich Sun Yang von den bei der WM in Südkorea zahlreich erschienenen chinesischen Fans ausgiebig feiern ließ und auf dem Podest seinerseits der Reaktion Hortons mit Jubelarien entgegnete, blieb dieser stumm und starrte den 1500m-Weltrekordhalter lediglich kühl an.

Im Rennen hatte Sun Yang zuvor über die 400m Freistil in 3:42,44 Minuten als Erster angeschlagen. Olympiasieger Horton folgte in 3:43,17 Minuten haarscharf vorm Italiener Gabriele Detti (3:43,23). Die sportlichen Ergebnisse traten allerdings durch die Geschehnisse danach in den Hintergrund.

Es war nicht das erste Mal, dass Horton die große Bühne nutzte, um seinen Unmut zur Dopingproblematik zum Ausdruck zu bringen. Bereits bei den Olympischen Spielen 2016 bezeichnete er Sun Yang als Dopingbetrüger, da dieser zwei Jahre zuvor eine mehrmonatige Dopingsperre absaß, von der die Öffentlichkeit erst nach deren Ende überhaupt etwas erfuhr.

Die aktuelle Dopingaffäre des Chinesen wird sich noch mindestens bis September hinziehen. Erst dann wird ein Einspruch der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vor dem Sportgerichtshof CAS verhandelt. Im Vorfeld der WM hatte es vielerorts für Unverständnis gesorgt, dass kein Eilverfahren beantragt wurde, um die Sache noch vor den Weltmeisterschaften zu klären. So waren die nun erzeugten Reaktionen und Schlagzeilen nahezu vorprogrammiert.

Der deutsche Teamchef Bernd Berkahn zeigte heute im Anschluss an die Finals Verständnis für Horton. "Ich fand sein Verhalten aus meiner Sicht OK. Ich kann nachvollziehen, dass er so reagiert", meinte der Magdeburger. "Man muss jetzt erstmal abwarten, was im September passiert. Vielleicht rückt ja noch der Danas nach aufs Podium", so Berkhahn mit Blick auf den Viertplatzierten Litauer Danas Rapsys und eine mögliche nachträgliche Sperre gegen Sun Yang.

Es dürften noch ein paar heiße Tage im ohnehin schwülwarmen Gwangju werden. Sun Yang startet morgen noch über die 200m und tags darauf über die 800m Freistil. Hier trifft er auch auf den deutschen Mitfavoriten Florian Wellbrock, der zu der ganzen Angelegenheit heute bewusst keinen Kommentar abgeben wollte. Auch Mack Horton wird über die 800m Freistil erneut mit dabei sein. Nachdem sich die Gemüter schon am ersten Tag derart erhitzt haben, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation am Beckenrand im weiteren WM-Verlauf noch entwickelt.

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WM-Bilder: Alibek Käsler / swimsportnews