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Die swimsportnews-Berichterstattung zur Schwimm-WM 2019 wird präsentiert von Smit Sport  

(14.07.2019) Der Traum von Olympia - er mag durch sportpolitische Skandale und die schwindende gesellschaftliche Anerkennung für den Leistungssport gelitten haben. Doch im Kopf der Athleten hat er seinen Glanz nicht verloren. Deutlich wurde dies einmal mehr am Sonntag, bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Südkorea.

Denn für die beiden Deutschen Finnia Wunram und Leonie Beck steht nach Ende des packenden 10km-Rennens vor den Ufern der Hafenstadt Yeosu fest: Der Traum wird wahr. Sie sind dabei. Im kommenden Jahr dürfen beide bei den Olympischen Spielen in Tokio im Freiwasser angreifen. Mit Platz acht für Wunram und neun für Beck sicherten sie sich ihre Tickets für Tokio. Nur die besten zehn Schwimmerinnen des WM-Laufs konnten sich für Olympia qualifizieren.

"Ich bin einfach froh, dass ich es geschafft habe", erklärte Finnia Wunram, die sich nach dem Rennen mit Coach Bernd Berkhahn in den Armen lag, laut SID. "Das ganze harte Training hat sich endlich ausgezahlt. Dafür liebe ich den Sport, dass man so belohnt wird."

Für Wunram, die zwar erst 23 Jahre alt aber alles andere als eine Newcomerin unter den Freiwasserschwimmerinnen ist, dürfte es trotz mehrerer WM- und Weltcup-Medaillen auf dem Konto einer der größten Erfolge ihrer Karriere sein. Einer der wohl wichtigsten Schritte auf dem Weg, der sie nun zu Olympia führt: Mit 17 Jahren verließ sie Freunde und Familie in ihrer Heimat Elmshorn und folgte Trainer Berkhahn nach Magdeburg.

Von dort aus stieß Wunram Stück für Stück in die Weltspitze der Freiwasserschwimmerinnen vor. Bei der Heim-EM 2014 in Berlin landete sie unter den Top Ten. Ein Jahr später überraschte sie mit Bronze über die 5km bei den Weltmeisterschaften und bei der WM 2017 sorgte sie mit Platz sieben im olympischen Event für das beste Ergebniss der deutschen Open Water Schwimmer.

So unterschiedlich kann dabei die Wahrnehmung sein: Vor zwei Jahren zeigte sich Wunram nach dem WM-Rennen zunächst enttäuscht über eine mögliche verpasste Medaille. Obwohl diesmal das Ergebnis auf dem Papier einen Rang "schlechter" und die Podestplätze sogar noch näher waren, gab es in Südkorea hingegen nur Freudentränen. Der Traum von Olympia macht den Unterschied. 

Und wahrscheinlich auch der Verlauf des packenden Rennens von Yeosu. Nachdem fast zwei Stunden lang gekrault wurde, lief alles auf wenige Sekunden hinaus. Mehr als ein Dutzend Schwimmerinnen prügelten dem Zieltor entgegen. Dass Wunram dabei die Hand irgendwo unter den Top Ten an der Matte hatte, konnte man gerade noch so mit dem bloßen Auge ausmachen - mit einer halbe Sekunde Vorsprung rettete sie das Olympia-Ticket ins Ziel. Doch bei ihrer deutschen Teamkollegin Leonie Beck war banges Warten angesagt. Das Photofinish musste entscheiden.

Erst mehr als eine Viertelstunde nach der Zielankunft stand fest: Sie hat es geschafft. Mit nur 0,2 Sekunden Abstand zum undankbaren elften Platz, der das sichere Aus für den Olympiatraum bedeutet hätte, hatte Beck angeschlagen. Während Wunram sich meist in der Spitzengruppe aufhielt, musste Beck während des Rennens immer um den Platz zehn herum mit Positionskämpfen klar kommen. Dadurch verpasste sie mehrfach die Verpflegungsstation und konnte nur einmal im Rennen nachtanken. Am Ende reichte die Power gerade so, um den Arm rechtzeitig in Richtung Anschlag zu bekommen. "Man hat das ganze Rennen dafür gekämpft. Wenn es dann nicht gereicht hätte, wäre es echt scheiße", meinte sie nach dem Rennen: "Das Kämpfen hat sich diesmal richtig gelohnt. Die ganzen Jahre, die ich dafür gearbeitet habe, haben sich rentiert."

Ähnlich wie Wunram ist Beck mit ihren 22 Jahren zwar jung, aber alles andere als unerfahren. Bereits mit 15 feierte sie ihren ersten Deutschen Meistertitel und bei der Schwimm-WM 2015 stieß sie als Teenagerin unter die Top Ten der Welt auf den 800 und 1500m Freistil im Becken vor. Seitdem gab es ein reges Hin und Her zwischen Open Water und Pool. Dass sie es auch im Freiwasser international drauf hat, bewies Beck im zurückliegenden Jahr, als sie in Schottland Vize-Europameisterin über die 5km-Strecke wurde.

Aus dem von ihrem Heimtrainer und zugleich Bundestrainer Stefan Lurz bemängelten "Getingel" zwischen Becken und Freiwasser zog sie ihre Konsequenzen. Obwohl sie in diesem Jahr bei der WM auch über die 400 und 800m Freistil im Pool hätte starten können, legte Beck den Fokus voll auf die Wettbewerbe im freien Gewässer. Mit dem Olympiaticket wurde auch sie dafür nun belohnt.

Im Gegensatz zu Wunram durfte Beck übrigens schon olympische Luft schnuppern. In Rio schwamm sie 2016 über die 1500m Freistil auf den 25. Rang. Diese Platzierung wird ihr in Tokio bereits sicher sein, denn über die 10km-Distanz werden nur 25 Athletinnen an den Start gehen. Umso wichtiger war es, sich heute bereits in den exklusiven Kreis der Olympia-Marathon-Schwimmerinnen vorzukämpfen.

Der Traum von Olympia in Tokio wird also Realität für Wunram und Beck. Seine Fortsetzung findet er in etwas mehr als einem Jahr, am 5. August 2020. Wie der Traum endet, bestimmen die beiden deutschen Schwimmerinnen nun mit ihrer Arbeit in den kommenden, mit Sicherheit intensiven zwölf Monaten.

Mehr zum Rennen vom Sonntag hier: Doppeltes Ticket nach Tokio: Wunram & Beck packen Olympia-Quali

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