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(08.12.2018) Ungarns Top-Star Katinka Hosszu und der US-Amerikanische Newcomer Michael Andrew gehen in der kommenden Woche bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in China als Favoriten an den Start. Sollten sie dort - und das ist durchaus wahrscheinlich - tatsächlich auf die Medaillenränge schwimmen, dürfte es auf dem Podest zu ein paar unangenehmen Begegnungen kommen, wenn sie ihre Plaketten von den FINA-Funktionären umgehängt bekommen. Denn genau jene wurden gerade von Hosszu und Andrew verklagt.

Die beiden Spitzenschwimmer führen eine Sammelklage in den USA an, der sich auch der mehrfache Staffelweltmeister Tom Shields und andere Athleten angeschlossen haben. Der Grund: Die Schwimmer klagen gegen das internationale Wettkampfmonopol der FINA.

Vor wenigen Wochen hatte der Weltverband die Veranstalter des Energy for Swim Meetings in Italien dazu gezwungen, den für den 20. und 21. Dezember angesetzten Wettkampf abzusagen. Die FINA führt als Grund eine zu späte Anmeldung als internationales Meeting an. Entscheidend dürfte jedoch sein, dass die Veranstalter des Energy for Swim Meetings mit der "International Swimming League" eine neue Serie an Profi-Wettkämpfe etablieren wollen, die die FINA als Konkurrenz zu eigenen Veranstaltungen wie der Weltcup-Serie sieht.

Mehr als 50 internationale Top-Athleten hatten für das Meeting in Italien, bei dem Millionenbeträge als Prämien und Antrittsgelder ausgeschüttet werden sollten, ihr Kommen angekündigt. Unter ihnen waren unter anderem auch Katinka Hosszu und Michael Andrew.

Wegen des Vorgehens der FINA verklagen die Athleten den Verband nun wegen möglicher Verstößen gegen das Kartellrecht. Ein Schritt, der durchaus zu erwarten war. Erst vor weniger als einem Jahr hatte es die Europäischen Kommission der Internationalen Eislauf-Union (ISU) untersagt, zwei Athleten zu sperren, weil diese an einem nicht von der ISU organisierten und mit hohen Preisgeldern dotierten Event teilnehmen wollten. Diese einseitige Machtausübung des als Monopolist agierenden Verbandes Verstoße gegen das Wettbewerbsrecht.

Ähnlich sieht es nun bei Fall Schwimmer-vs-Schwimmverband aus mit dem Unterschied, dass die Klage in den USA eingereicht wurde. Dort ist es für andere, auch internationale Schwimmer einfacher, sich der Sammelklage anzuschließen. Die Urteile der US-Gerichte können weitreichende Folgen haben. Großkonzerne wie Standard Oil, ein riesiges Öl-Unternehmen das einst John D. Rockefeller gehörte und aufgrund des Kartellrechts zerschlagen wurde oder auch das Telekommunikationsunternehmen AT&T bekamen dies so zum Beispiel bereits zu spüren.

Offiziell erklärte der FINA-Exekutiv-Direktor Cornel Marculescu erst vor wenigen Tagen noch, man befände sich in Gesprächen mit der ISL. Große Fortschritte scheint es dabei allerdings nicht gegeben zu haben. Unter anderem fordert die FINA von der ISL wohl eine "Gebühr" von 50 Millionen US-Dollar um die geplante Wettkampfserie durchzuführen.

Die FINA selbst sieht sich dabei zwar selbst als die Organisation, die stets die Interessen der Athleten im Sinn habe. Doch vor allem im Spitzenbereich sind die Sportler da deutlich anderer Meinung. In den zurückliegenden Tagen kritisierten nicht nur Hosszu oder Andrew sondern auch weitere Top-Stars wie Adam Peaty und Cate Campbell den Weltverband aufs Schärfste.

Es dürften also ein paar spannende Begegnungen werden bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in der kommenden Woche. Vielleicht nutzen die Stars wie Hosszu und Co. nun die Gelegenheit bei der Kurzbahn-WM nicht nur für einen Plausch wie Marculescu und Co. auf dem Siegerpodest, sondern auch für ein weiteres Zeichen in Richtung der FINA-Bosse.

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