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Die Schwimmwelt dreht sich unaufhaltsam immer weiter. Neue Entwicklungen kommen und gehen und es ist gar nicht so einfach abzuschätzen, welche Trends sich durchsetzen werden. Einige habe sich aber in den vergangenen Jahren im Spitzensport bewährt und auch in der Breite sollten sich Trainer damit beschäftigen. Hier drei Beispiele für Trends im Schwimm-Training: 

Training mit Übergeschwindigkeit

Ob mit Gummiseilen, Bremsschirmen oder Widerstandshosen: Um im Wasser einen höheren Krafteinsatz zu fordern, werden im Training von Spitzenschwimmern oft allerlei Tools eingesetzt, die sie in ihrer Vorwärtsbewegung abbremsen sollen. Das Ziel besteht darin, höhere Reize für die muskuläre Ausbildung zu setzen. Während das Schwimmen mit Widerständen schon seit Jahrzehnten dazu gehört, werden die Zugseile, die die Athleten eigentlich bremsen sollen, seit ein paar Jahren zusehends auch vermehrt dazu genutzt, die Sportler zu beschleunigen. Höhere Geschwindigkeit bedeutet auch mehr Wasserwiderstand und um diese Bremswirkung zu überwinden, wird wiederum ein höherer Krafteinsatz benötigt. Durch das Training in „Übergeschwindigkeit“ sollen die Athleten geschult werden, mit den veränderten Widerstandsbedingungen umzugehen, ein Gefühl für diese zu bekommen und sie zu überwinden bzw. zu vermeiden. Widerstand und Übergeschwindigkeit können auch kombiniert werden, indem der Athlet vom Zugseil zur Wand hin beschleunigt wird, dann eine Wende macht und nun gegen den Widerstand desselben Zugseils aus der Wand herausschwimmt.

Schneller Körper durch einen wachen Geist

Michael Phelps arbeitete mit Visualisierungstechniken, die US-Schwimmerin Kathleen Baker ließ sich durch einen täglichen Reminder in ihrem Handy zum Weltrekord pushen und Ruta Meilutyte meint, dass die mentale Stärke im Spitzensport manchmal wichtiger sei, als die körperlichen Komponenten. Der Kopf spielt für die sonst sehr über ihre Körper definierten Schwimmer eine wichtige Rolle und das Mentaltraining gewinnt zusehends an mehr Bedeutung. Auch Spitzentrainer sehen das so. „Ich glaube, wir haben die volle Kraft des Gehirns noch nicht ausgeschöpft“, meint so zum Beispiel Bruce Gemmell, der Katie Ledecky zu Olympiasiegen und Weltrekorden führte, gegenüber National Geographic. „Das ist das nächste große Gebiet für die kommenden 30 Jahre: Wie trainieren wir unseren Kopf wie unseren Körper? Das ist es, wo die nächsten Durchbrüche herkommen werden.“

Race Pace Training

Trainiere den Körper für das, was er im Wettkampf abliefern soll. Das ist ein Satz, den wir von etlichen Coaches gehört haben und in der Praxis sieht das so aus, dass bei den Profis nur noch recht wenig im niedrigen Grundlagenbereich geschwommen wird, sondern stattdessen sehr viele hohe Intensitäten und Wettkampftempo auf dem Programm stehen. Die einen nennen es HIT (High-Intensity Training), die anderen setzen auf USRPT (Ultra Short Race Pace Trainining), meist wollen die Trainer das Ganze aber nicht in irgendeine Schublade stecken. Oft wird mit gebrochenen Serien gearbeitet, bei denen die Zielstrecken in Teildistanzen gestückelt und in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen absolviert werden (z.B. 200m = 4x50m Renngeschwindigkeit mit 10s Pause). Starke Reize für starke Zeiten. Dieser Trend, der sich spätestens in den frühen 2000ern im Leistungssport breit machte, hat sich mittlerweile im Spitzenbereich in weiten Teilen durchgesetzt.

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