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(11.02.2018) Mit Halbfinalplatzierungen bei den Olympischen Spielen 2016 und den Weltmeisterschaften 2017 hat sich die Rückenspezialistin Lisa Graf in den zurückliegenden Jahren in die erweiterte Weltspitze geschwommen. Für 2018 stehen nun die Europameisterschaften in Schottland als Saisonhöhepunkt auf dem Plan und hierfür peilt die Berlinerin den großen Wurf an:

"Bei der EM schaue ich wirklich auf die Medaillen", erklärt uns die 25-Jährige am Rande einer swim academy ihres Sponsors arena in ihrer Heimatstadt Leipzig. "Das muss jetzt mal kommen und wird langsam Zeit. Das wäre der nächste wichtige Schritt."

Bei der Heim-EM 2014 in Berlin hatte sie sich mit einem undankbaren vierten Platz zufrieden geben müssen, doch die seitdem gezeigte Leistungskurve passt zu dieser Ansage. 2015 knackte Graf bei der WM über ihre Paradestrecke 200m Rücken erstmals die 2:10er-Marke. In Rio gab es bei Olympia die erste 2:08er-Zeit. Und im vergangenen Jahr sorgte sie in 2:07,63 Minuten bei der Schwimm-DM für ihren ersten Deutschen Rekord. 

Durchaus verständlich also, wenn sich der Blick nun auch auf den ersten internationalen Medaillenglanz richtet. Doch bevor die Sportsoldatin im August bei den Europameisterschaften angreifen kann, steht die Qualifikation für Glasgow auf dem Programm. Die Normzeiten sind zwar wie im vergangenen Jahr äußerst hart, doch im Vergleich zur Vergangenheit können die DSV-Asse in diesem Jahr selbst entscheiden, bei welchem Wettkampf sie die Normen knacken wollen.

Lisa Graf hat sich dafür den Swim Cup in Eindhoven vom 13. bis 15, April herausgepickt und sollte dies nicht klappen, dann gibt es eine Woche später bei den German Open vor der eigenen Haustür in Berlin die erneute Chance, die EM-Norm von 2:08,84 Minuten zu attackieren.

Neben der Qualifikation über die Einzelstrecken hat Graf auch die Möglichkeit, als Teil der deutschen Lagenstaffel mit nach Glasgow zu fliegen. Erst kurz vor dem Jahreswechsel hatte Chef-Bundestrainer Henning Lambertz die Normzeiten für die Team-Wettbewerbe deutlich gelockert. Die Kandidatinnen für die Lagenstaffel nutzten direkt den ersten Anlauf beim Euro Meet in Luxemburg, um die Staffel für die EM zu qualifizieren. (Mehr dazu hier --> Im ersten Versuch: DSV-Lagendamen knacken EM-Norm)

Auch Lisa Graf trug mit einer guten Leistung über die 100m Rücken dazu bei. Nun gilt es bis zum Ende des Qualifikationszeitraums (29.04.) die Position als schnellste DSV-Athletin über diese Strecke zu verteidigen. "Das ist absolut mein Ziel", meint sie und kündigt zudem an: "Ich möchte dieses Jahr auch erstmals unter eine Minute schwimmen."

Dies ist mit Daniela Samulski und Grafs Dauer-Konkurrentin Jenny Mensing bisher nur zwei deutschen Athletinnen gelungen. Damit die Staffel international mithalten kann, müsste die Minutenmarke aber sicher angepeilt werden. Doch dafür braucht es vor allem eines: Mehr Speed.

Dies wurde Lisa Graf zuletzt auch deutlich vor Augen geführt, als sie Ende 2017 für einige Wochen in Australien mit der mehrfachen Weltmeisterin Emily Seebohm ihre Bahnen ziehen durfte. Nur sieben Wassereinheiten pro Woche stehen für die Starschwimmerin auf dem Programm. Bei ihrer deutschen Kollegin waren es zuvor meist zehn wöchentliche Sessions. 

"Das war doch eine sehr wertvolle Erfahrung. Das Wassertraining ist kürzer, aber dafür viel intensiver", so Graf, die mittlerweile auch verstärkt auf temporeiche Trainingsinhalte setzt. Für den Rückenstart, in den vergangenen Jahren stets eine ihrer Schwachstellen, konnte sie ebenfalls einige Tipps mitnehmen. "Ich war zwei Tage da und nach der ersten Start-Technik-Einheit war mein Start komplett anders, direkt viel viel besser", meint sie begeistert und ist froh, dass ihr dänischer Trainer Stefan Hansen dem Input aus Übersee offen gegenüber steht. "Ich denke, es ist wichtig, dass Trainer heutzutage nicht nur ihr eigenes Ding machen, sondern sich auch mal an anderen Nationen orientieren."

Dass sie im Konzert der anderen Nationen mithalten kann, wird sie hoffentlich im Sommer bei den Europameisterschaften in Glasgow ein weiteres Mal unter Beweis stellen können. Nach Australien will sie auf jeden Fall noch einmal zurückkehren. Vielleicht ja dann mit einer EM-Medaille im Gepäck.