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(14.06.2022) Die deutschen Para Schwimmer haben es an den ersten beiden Wettkampftagen der Weltmeisterschaft ordentlich krachen lassen: Im portugiesischen Funchal sicherte sich das Team von Bundestrainerin Ute Schinkitz bereits sieben Medaillen.

Neben der WM-Debütantin Tanja Scholz (Bild rechts), die gleich Gold und Silber abräumte, holten noch Josia Topf (Silber) und Mira Jeanne Maack (Bronze) ihre jeweils erste Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Edelmetall sicherten sich auch Elena Semechin (Bild links) und Taliso Engel: Für die beiden Paralympics-Sieger von Tokio gab es Silber (Semechin) und Gold (Engel). Bereits am ersten Wettkampftag hatte der erst 16-jährige Maurice Wetekam bei seinem WM-Debüt mit Silber über die 100m Brust geglänzt.

Besonders beeindruckend war einmal mehr das Auftreten von Elena Semechin, hinter der ein unglaublich hartes Jahr liegt: Erst der erfreuliche Gewinn von Gold bei den Paralympics in Tokio (unter ihrem Geburtsnamen Krawzow), dann die Diagnose Hirntumor. Dieser wurde operativ entfernt. Neben der Bestrahlung und der Chemotherapie begann die 28 Jahre alte Athletin vom Berliner Schwimmteam wieder mit dem Training und flog nun zu den Weltmeiseterschaften. Am Montag lieferte sich Semechin bei diesen ein Foto-Finish mit der US-Amerikanerin Colleen Young. In 1:14,81 Minuten ging Silber bei den 100m Brust (SB13) an die Berlinerin. „Ich habe gezeigt, dass ich konkurrenzfähig bin“, sagte Semechin, der die Silbermedaille mehr bedeute als die vielen goldenen in den Jahren zuvor. „Ich habe ein Statement gesetzt, dass man trotz Krebs und Therapie trainieren kann. Ich habe gezeigt, dass ich es noch drauf hab.“
 
Das bewies auch einmal mehr Taliso Engel: Der Weltmeister von London 2019 und Paralympics-Sieger von Tokio 2021 holte sich erneut die Goldmedaille. Musste der Weltrekordhalter über die 100m Brust (SB13) im Vorlauf noch dem Kasachen Nurdaulet Zhumagali den Vortritt lassen, zeigte er sich im Endlauf nervenstark und schwamm in 1:03,89 Minuten zu Gold. „Ich habe meine Frequenz im Vergleich zu heute Morgen von Beginn an deutlich erhöht. Bei der Wende habe ich den Kasachen direkt neben mir gesehen und es war bis zum Ende so unglaublich hart. Ich verspüre große Freude, nach meinem Vorlauf habe ich nicht mehr mit einem Sieg gerechnet“, sagte Engel.
 
Viel Zeit zur Freude blieb Tanja Scholz nach ihrem ersten WM-Gold nicht: Nur 26 Minuten nach ihrem ersten Platz über die 100m Freistil in der Startklasse S4 war bereits das zweite Finale angesetzt: die 150m Lagen (SM3). Dort schnappte sich die 37 Jahre alte Emsländerin bei ihrer WM-Premiere dann noch Silber. Während Scholz im Freistil für einen WM-Rekord sorgte (1:20,70 Minuten), gelang ihr bei den Lagen mit 3:14,35 Minuten ein Deutscher Rekord. Ob die kommenden Rennen von Scholz ebenfalls so erfolgreich ausfallen, konnte sie nach ihren beiden Medaillen noch nicht sagen, stellte aber glücklich fest: „Ich bin im Moment richtig in Form.“
 
Einen Deutschen Rekord schwamm auch Josia Topf über die 150 Meter Lagen (SM3): In 3:11,21 Minuten sicherte sich der 19 Jahre alte Schwimmer vom SV Erlangen Silber! Und das auch mit Ankündigung: Am Sonntag rief er dem Australier Grant Patterson, der Bronze gewann, am Team-Hotel scherzend hinterher, dass er ihn besiegen werde. „Ich habe immer gedacht, dass ich um Platz drei, vier oder fünf schwimmen würde“, sagte Topf. „Aber als ich die Anfeuerungen von oben gehört habe, dachte ich mir, dass was drin sein muss.“ Die letzten 15m im Freistil habe er „ohne zu atmen geschwommen, um das Ding nach Hause zu holen.“ Groß gefeiert wird laut dem Erlanger noch nicht, „aber ich werde mir später ein Schoko-Mousse mehr gönnen als sonst.“
 
„Morgen geht’s ab“, hatte Mira Jeanne Maack Sonntag angekündigt. Am zweiten Wettkampftag ließ die 18 Jahre alte Berlinerin Taten folgen und schnappte sich auf den 100m Rücken (S8) Bronze. Weil am Dienstag schon zwei weitere Starts anstehen bei Maack, wird die Feier der ersten WM-Medaille wohl erst noch verschoben. „Die letzten 20 30 Meter war es richtig hart. Ich bin sehr froh über meine Medaille“, sagte Maack, der nur 0,20 Sekunden auf Silber fehlten. Ihre 1:22,51 Minuten bedeuteten zudem einen Deutschen Rekord.
 
Das deutsche Team hat bei der Weltmeisterschaft der Para Schwimmer auf der Insel Madeira nun insgesamt sieben Medaillen auf dem Konto. Zwei Mal Gold, drei Mal Silber und ein Mal Bronze. Wir dürfen gespannt sein, wie es in den kommenden Tagen weitergeht.

Bild groß: Ralf Kuckuck / DBS - Bild klein: Henschelmedia DBS

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