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(13.04.2022) Der Qualifikationszeitraum für die Schwimm-Welt- und Europameisterschaften in diesem Jahr ist beendet. Damit steht nicht nur fest, welchen Aktiven es gelang die Normen für Einzelstarts bei den Saisonhighlights zu knacken, sondern auch, wer sich für die Plätze in den deutschen Staffeln empfehlen konnte. Etwas kurios: Nicht immer haben dabei die Schnellsten die Nase vorn.

So verhalfen Poul Zellmann (200m Freistil) und Marek Ulrich (100m Rücken) mit den schnellsten Zeiten des Qualifikationszeitraums zwar zwei deutschen Herrenstaffeln zur Unterbietung der vom Deutschen Schwimm-Verband vorgegebenen WM-Normzeiten. Doch für die Besetzung der Staffeln bei den Weltmeisterschaften hätten laut den Nominierungsvoraussetzungen zwei andere das Vorrecht.

Denn für die Frage, wer als Staffelschwimmer nominiert wird, werden nicht die schnellsten Einzelleistungen herangezogen. Stattdessen hat der DSV festgelegt, dass die Plätze in den deutschen Quartetten an diejenigen gehen, die in der Summe ihrer Zeiten aus Vorlauf und Finale am schnellsten waren. Das führt dazu, dass Marek Ulrich zwar über die 100m Rücken in 54,21 Sekunden die schnellste Einzelzeit hatte. Da er aber in der Addition seines besten Vorlauf-Final-Resultats hauchdünne 0,2 Sekunden langsamer war als der Berliner Ole Braunschweig, könnte dieser nun für die WM-Staffel nominiert werden. Für Braunschweig spricht, dass er beim Qualifikationsmeeting Ende 2021 zudem in 54,17 Sekunden ein paar Hundertstel besser war als Ulrich. Doch für die Staffeln werden nur Leistungen aus dem zweiten Qualifikationsfenster, das vom 25.03. bis 12.04. lief, berücksichtigt. Die Frage "Braunschweig oder Ulrich?" betrifft auch die gemischte Lagenstaffel für die EM 2022.

4x100m Lagen - Herren
    Finale Vorlauf Summe  
Rücken Marek Ulrich 00:55,11 00:54,21 01:49,32 Heidelberg
  Marek Ulrich 00:54,35 00:54,59 01:48,94 Stockholm
  Ole Braunschweig 00:54,35 00:54,39 01:48,74 Berlin
Brust Lucas Matzerath 01:00,10 01:00,18 02:00,28 Magdeburg
Schmett. Eric Friese 00:52,10 00:52,43 01:44,53 San Antonio
Freistil Rafael Miroslaw 00:48,16 00:47,92 01:36,08 Berlin

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Klingt alles etwas chaotisch - ist es auch. Denn auch über die 200m Freistil der Herren führt diese Regelung zu einem "Personalwechsel" im Staffelaufgebot. Unter anderem dank Poul Zellmanns starker Zeit von 1:47,45 Minuten im Vorlauf des Meetings in Berlin gelang es, dass die 4x200m-Staffel die WM-Norm knacken konnte. Auf seinen Finalstart verzichtete Zellmann aber, sodass er gar nicht erst in die Wertung der potentiellen Staffelkandidaten kam. Dort schob sich stattdessen der 400m-Olympiavierte Henning Mühlleitner (01:48,88 / 1:50,16) ins Team. Der Neckarsumer ist ohnehin bereits für die Weltmeisterschaften gesetzt, Zellmann wiederum hatte sich für die Europameisterschaften über die 400m Lagen qualifiziert.

4x200m Freistil - Herren
  Finale Vorlauf Summe  
Lukas Märtens 01:45,44 01:47,18 03:32,62 Stockholm
Rafael Miroslaw 01:46,76 01:46,04 03:32,80 Berlin
Josha Salchow 01:48,46 01:50,19 03:38,65 Berlin
Henning Mühlleitner 01:48,88 01:50,16 03:39,04 Eindhoven
Poul Zellmann - 01:47,07 - Berlin

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Weitere Staffeln konnten sich zwar nicht für die Weltmeisterschaften qualifizieren. (Mehr dazu hier: Schwimm-WM 2022: Nur zwei deutsche Staffeln sind qualifiziert) Doch auch bei den Teams für die Schwimm-EM, für die in allen Staffelevents die Normen erfüllt wurden, könnten nicht immer diejenigen nominiert werden, die im Qualifikationszeitraum am schnellsten waren. Über die 200m Freistil der Damen liegt zwar die Potsdamerin Chiara Klein in 2:00,52 Minuten auf dem vierten Rang der Bestenliste, knapp vor der Berlinerin Josephine Tesch. Da diese aber beim Wettkampf in Berlin im Vorlauf einen Tick schneller war, müsste Tesch für die Staffel nominiert werden. In der Summe von Vorlauf- und Finalleistung war sie in beiden Rennen insgesamt gerade einmal elf Hundertstel schneller als Klein. Trotzdem könnten beide dem EM-Team angehören, da sich Klein auch für das 4x100m Freistilquartett empfohlen hatte.

4x200m Freistil - Damen
   Finale Vorlauf Summe  
Isabel Gose 01:57,47 01:59,34 03:56,81 Stockholm
Leonie Kullmann 01:59,74 02:01,00 04:00,74 Berlin
Kathrin Demler 01:59,96 02:01,38 04:01,34 Berlin
Josephine Tesch 02:00,92 02:01,09 04:02,01 Berlin
Chiara Klein 02:00,52 02:01,60 04:02,12 Berlin

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UPDATE: Ursprünglich hatten wir den Kampf um den vierten Platz in der 4x100m Freistilstaffel nur zwischen Sebastian Beck und Sebastian Pierre-Louis betrachtet. Dabei wurde aber die Leistung von Peter Varjasi beim US Pro Meeting in San Antonio übersehen. Er war in 50,13 Sekunden knapp schneller als beide und hat auch in der Addition von Vor- und Endlauf die Nase vorn. Das aktualisierte Ranking:

4x100m Freistil - Herren
  Finale Vorlauf Summe  
Rafael Miroslaw 00:48,16 00:47,92 01:36,08 Berlin
Josha Salchow 00:48,76 00:48,96 01:37,72 Berlin
Björn Kammann 00:49,66 00:50,00 01:39,66 Berlin
Peter Varjasi 00:50,40 00:50,13 01:40,53 San Antonio
Sebastian Beck 00:50,46 00:50,49 01:40,95 Berlin
Sebastian Pierre-Louis 00:50,33 00:50,83 01:41,16 Helsinki

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Ende der Woche soll bekanntgeben werden, wer für die WM- und EM-Teams nominiert wird. Mit Blick auf die Staffeln dürfte es auch eine Rolle spielen, ob zum Beispiel die im Ranking ganz oben platzierten Athleten wie Rafael Miroslaw und Lukas Märtens eigentlich planen, bei beiden Events an den Start zu gehen und welche Staffeln der DSV überhaupt an den Start schicken will. Obwohl der Qualifikationszeitraum also beendet ist, bleibt es weiter spannend.

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