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(23.05.2021) Eine Hand voll Finalteilnahmen und ein fünfter Platz als bestes Resultat. So lautet die Ausbeute des deutschen Teams bei den Beckenwettbewerben der Schwimm-EM in Budapest. Ein historisches Ergebnis: Es ist das erste Mal, dass deutsche Schwimmer ohne Medaillen von einer Langbahn-Europameisterschaft zurückkehren. Überraschend kommt die Nullnummer nicht, im Gegenteil. 

Normalerweise geht es bei internationalen Titelkämpfen immer darum, möglichst oft die eigenen Flagge über dem Podest wehen zu sehen. Schwarz-Rot-Gold war bei den 36 Europameisterschaften, die  seit 1926 veranstaltet wurden, besonders oft vertreten. Medaillen gab es für deutsche Schwimmer immer - wenn sie an einer EM teilnahmen. Nur 1947 bei der Nachkriegs-EM in Monaco war letzteres nicht der Fall. Damals war das Land in Besatzungszonen aufgeteilt und die deutschen Staaten noch nicht gegründet. Das Ergebnis der DSV-Schwimmer in Budapest ist also durchaus geschichtsträchtig - aber doch irgendwie nur eine Randnotiz.

Denn bei den Europameisterschaften in Ungarn hatte jedes Team seine ganz eigenen Ziele. Viele Athleten wollten Normzeiten für die Olympischen Spiele abliefern, einige Staffeln hatten die wenigen verbleibenden Quotenplätze für Tokio im Blick, bereits für Olympia qualifizierte Top-Schwimmer nutzten die EM als Formtest und andere wiederum - so auch Deutschland - schickten bei der EM nur die zweite Garde an den Start. Einziges Ziel: Erfahrungen sammeln, während der Rest des Feldes noch Vollgas für Olympia gibt.

„Das macht(e) es etwas schwierig für uns hier", meinte so auch Julia Mrozinski, die als eine der wenigen aus dem deutschen Team in Budapest ein Finale schwimmen durfte. Für Sportler, die ähnlich wie Mrozinski knapp die Olympia-Tickets verpasst hatten, sollte die Europameisterschaft eine Art Trost-Höhepunkt werden. Mehr aber auch nicht. Denn für ein echtes internationales Saisonhighlight stand die EM schlicht zu ungünstig im Kalender. So verwies auch Mrozinski darauf, dass die Athleten sich alle ja hauptsächlich auf die Olympia-Qualifikation im April vorbereitet hatten. Ein erneuter voller Leistungsaufbau innerhalb von vier Wochen? Eine Herausforderung. Dass die Bestzeiten in Budapest nicht gerade purzeln werden, konnte also erwartet werden.

Von den 51 Nationen, die in Budapest am Start waren, belegte das deutsche Team am Ende den 13. Platz in der Championship Trophy, für die nicht nur Medaillen sondern auch Finalplatzierungen eine Rolle spielen. Fünf Finalteilnahmen gab es:

  • Lucas Matzerath: 5. 50m Brust
  • Kathrin Demler: 7. 200m Schmetterling
  • Zoe Vogelmann: 7. 400m Lagen
  • Julia Mrozinski: 8. 200m Freistil
  • Björn Kammann, Lucas Matzerath, Ramon Klenz, Josha Salchow: 8. 4x100m Lagen

„Wir haben gesehen, dass andere Nationen die schwierige Pandemie-Situation genutzt haben, um hart und viel zu trainieren und gute Ergebnisse zu erzielen“, erklärte Bundestrainer Hannes Vitense und verteidigte die deutsche Strategie, die für die Tokio-Fahrer von Beginn an einen Verzicht auf die EM vorsah. „Ich gehe davon aus, dass unsere komplette Olympia-Mannschaft, wenn sie hier am Start gewesen wäre, auch das eine oder andere Ausrufezeichen hätte setzen können.“

Den Weg, die vorolympischen Europameisterschaften weitestgehend links liegen zu lassen, verfolgte Deutschland auch vor fünf Jahren. Damals schickte man bei der EM in London nur 16 Athleten an den Start, ebenfalls vorrangig mit dem Ziel, junge Talente internationale Erfahrungen sammeln zu lassen. Aus der Mannschaft von 2016 stehen nun Lisa Höpink und Henning Mühlleitner erstmals im Olympiateam. Trotz der kleinen, jungen Mannschaft gab es vor fünf Jahren aber EM-Medaillen für Deutschland. Die Routiniers Franziska Hentke und Marco Koch nutzten die Europameisterschaften als Formtest, ähnlich wie in diesem Jahr Adam Peaty, Katinka Hosszu oder Kristof Milak. Hentke gewann die 200m Schmetterling, Koch holte Silber über die 200m Brust. In Rio aber gingen beide zwei Monate später auf der olympischen Bühne leer aus, wie auch der Rest des deutschen Teams.

Koch war auch diesmal dabei, musste aber schon im EM-Halbfinale die Segel streichen. Er und sein Frankfurter Vereinskollege Lucas Matzerath waren in Budapest bei den Beckenwettbewerben die einzigen deutschen Schwimmer, die auch für Olympia qualifiziert sind. Marco Koch kann aus seinen beiden Rennen in Budapest nun Rückschlüsse für sein Auftreten in Tokio ziehen. Lucas Matzerath hingegen nimmt vor allem Selbstbewusstsein von der EM mit. Sein fünfter Platz über die 50m Brust war das stärkste Resultat der Beckenschwimmer bei der EM. Zudem stand er mit der Lagenstaffel im Endlauf.

„Auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass ich mir nicht so sehr der Kopf zerbrechen muss, dass ich mich in Tokio überwältigen lasse von der Atmosphäre oder dem Starterfeld. Dass ich keine Angst haben muss, sondern mich da offen präsentieren kann, weil ich nun dazugehöre", meint der hoch gewachsene Hesse. "Wenn mir das letztes Jahr jemand erzählt hätte, hätte ich das nicht geglaubt.“

In Tokio wird es Matzerath erneut mit Adam Peaty zu tun bekommen. Mit seinen 16 Goldmedaillen setzte der Brite bei der EM eine beeindruckende Siegesserie fort. Schon 2016 hatte er auf dem Weg zu Olympiagold in Rio bei der EM abgeräumt und gezeigt, dass man die Europameisterschaften auch in die Vorbereitung auf die Spiele einbauen kann. Diese Taktik verfolgte diesmal ein Budapest ein recht großer Teil der europäischen Spitze. Da es 2020 keinen internationalen Meisterschaftshöhepunkt gab, wollten Stars wie Katinka Hosszu, Federica Pellegrini, Ranomi Kromowidjojo oder auch Florent Manaudou einfach mal wieder Wettkampfluft schnuppern. Voll vorbereitet hatte auch von ihnen keiner diese Europameisterschaften. Im Freiwasser gingen aus diesem Grund auch die deutschen Olympia-Fahrer an den Start und sorgten hier immerhin dafür, dass sich die "Nullnummer" nur auf die Beckenwettbewerbe beschränkte. 

In der Duna Arena am Donauufer brachte sich hinter den großen Stars, die die EM nebenbei mitnahmen, auch zahlreiche neue Gesichter in Stellung. Über Medaillen und etliche nationale Rekorde konnten sich so zum Beispiel die Schwimmer aus der Schweiz und Österreich freuen. Für die bisher noch nicht für Olympia qualifizierten Athleten geht die Jagd auf die Tickets nach Tokio sogar noch weiter, nächster Stopp ist die Mare Nostrum Tour Anfang Juni.

Während andere sich noch beweisen müssen, sind die deutschen Olympiafahrer schon mitten drin in der Vorbereitung auf die Spiele. Diese vier zusätzlichen Wochen für den Leistungsaufbau stecken hinter der Taktik, auf potentielle Podestplätze bei den Europameisterschaften zu verzichten und die historische Nullnummer bei der Medaillenausbeute einzukalkulieren. Großbritannien, Ungarn, Frankreich, Russland oder auch Italien schlugen einen anderen Weg ein. Ob die Rechnung aufgeht, werden wir erst sehen, wenn die deutschen Schwimmer aus Japan zurückkehren. Dann hoffentlich mit Medaillen.