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(15.04.2021) 400m Freistil in 3:45,29 Minuten, 1500m in 14:49,29 Minuten - Es waren echte Weltklasseleistungen, mit denen der Magdeburger Lukas Märtens am zurückliegenden Wochenende beim Qualifikationswettkampf in der heimischen Elbeschwimmhalle unter die Olympianormen schwamm. In den Weltranglisten liegt er damit jeweils unter den Top Sechs. Doch noch ist Märtens nicht sicher für die Spiele qualifiziert. In den kommenden Tagen will der Youngster beim finalen Nominierungsevent in Berlin sein Ticket nach Tokio lösen.

"Ich habe mir für dieses Wochenende durchaus nochmal etwas vorgenommen", erklärt der 19-Jährige bei der digitalen Pressekonferenz im Vorfeld des Meetings. "In Magdeburg war da noch so ein bisschen Druck. Aber jetzt ist doch etwas mehr Vorfreude da. Ich kann jetzt ganz befreit aufschwimmen, weil ich weiß, ich habe am vergangenen Wochenende super Leistungen abgeliefert." Das Ziel für Berlin sei, diese nun noch einmal zu bestätigen oder sogar zu steigern.

Begeistert von seinem Schützling zeigt sich auch Bernd Berkhahn, DSV-Bundestrainer und Märtens' Heimcoach. "Das hat er sehr gut gemacht", so Berkhahn Bezug nehmend auf die Leistungen aus Magdeburg. Mit Blick auf Tokio sei es erstmal darum gegangen, ihn sicher zu den Spielen zu führen, doch Märtens habe noch mehr im Petto, als das was er am Wochenende gezeigt hat.

Im Nachwuchsbereich räumte Lukas Märtens zum Beispiel auch auf den Rückenstrecken ab, stand über die 200m sogar bei Junioren-Europameisterschaften im Finale und schwamm unter die Top Ten bei der Nachwuchs-WM. In diesem Sommer wird aber erstmal gekrault: Neben den 400 und 1500m Freistil könnte für ihn in Tokio auch die 4x200m Freistilstaffel auf dem Plan stehen. Für das Kraulquartett kann er sich am Freitag qualifizieren und dem Team unter die bisher noch nicht erreichte Olympianorm helfen.

"Man muss natürlich schauen, wie viele Starts man einem jungen Sportler mit Blick auf das Wettkampfprogramm in Tokio zumuten kann", meint Coach Berkhahn. "Wir haben uns jetzt für diese Strecken entschieden, das heißt aber nicht, dass wir damit auch schon eine feste Zielstrecke sehen, die er in den nächsten Jahren schwimmen wird. Die 800m Freistil sind eine Option oder die 200m Freistil im Einzel. Ich sehe aber auch die 200m Rücken, wo wir zukünftig Spaß am Lukas haben könnten."

Märtens hat gerade erst damit begonnen, sein Potential zu offenbaren. Um weitere Schritte nach vorn zu machen, hat er in Magdeburg eine starke Trainingsgruppe um den Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock. "Wir harmonieren recht gut und im Wettkampf haben wir ein gesundes Konkurrenzverhalten", meint Lukas Märtens. "Ich denke, wir haben bei dem Wettkampf am Wochenende gesehen, dass wir uns beide gegenseitig stärken und pushen können."

Die beiden Teamkollegen Florian Wellbrock und Lukas Märtens nach dem Wettkampf in Magdeburg. Bild: Christian Gold / SC Magdeburg

Wellbrock lieferte in Magdeburg in 3:44,35 Minuten über die 400m und 14:46,03 Minuten über die 1500m Leistungen von Weltklasseformat ab, doch auch ihm ist noch mehr zuzutrauen, wie Bernd Berkhahn durchblicken lässt.  "Wir haben die Sportler unterschiedlich vorbereitet", erklärt der 50-Jährige. Bei Sarah Köhler und Franziska Hentke, die bereits sicher für Olympia qualifiziert sind, gehe der Blick voll auf Tokio. Beide hätten sich für den aktuellen Saisonzeitpunkt noch nicht viel vorgenommen, so der Coach. "Bei Florian wollen wir aber einfach mal schauen: Wie weit kommt er? Und da konnten wir ja über die 400m am Wochenende bereits eine Bestzeit sehen." Das sei nicht unbedingt zu erwarten gewesen, denn man habe die Vorbereitung eigentlich auf den kommenden Wettkampf in Berlin hin ausgerichtet. In Magdeburg sei es für Wellbrock auch darum gegangen, seinen Teamkollegen Märtens unter die Norm zu ziehen. In Berlin wolle man nun wissen "wo das Limit ist", so Berkhahn. "Wir werden sehen, ob er hier noch einmal schneller sein kann." 

Über die 400m Freistil geht es für Wellbrock darum, die Leistungen des vergangenen Wochenendes zu bestätigen. Diesmal bekommen er und Lukas Märtens dabei auch direkte Konkurrenz von Henning Mühlleitner, der im Fernduell von Eindhoven aus in 3:45,55 Minuten ebenfalls die Olympianorm geknackt hatte. Nur zwei dieser drei Kandidaten können auch in Tokio an den Start gehen. "Ich muss sagen: Ich bin gespannt auf das Rennen über die 400m Freistil", freut sich auch Bernd Berkhahn auf das Aufeinandertreffen des Trios am Samstag in Berlin.

Dass wir Florian Wellbrock in Tokio aber tatsächlich über die 400m Freistil sehen werden, scheint eher unwahrscheinlich. Zwar waren seine 3:44er Zeiten ein Fingerzeig, dass er auch auf dieser Distanz international vorn mitmischen kann. Doch zum einen wäre sein Zeitplan in Tokio mit den 400, 800, 1500m und 10km recht voll, zumal die 400m direkt am ersten Wettkampftag im Kalender stehen. Zum anderen erklärt Bernd Berkhahn im Rahmen der Pressekonferenz auf Nachfrage von swimsportnews: "Es stellt sich auch methodisch schwierig dar, wenn man die 400m Freistil und dann ein paar Tage später die 10km erfolgreich schwimmen will. Das wäre in der Kombination eine Herausforderung. Im Moment behalten wir eher die 800, 1500m und 10km im Fokus. Ob wir dann eine explizite Vorbereitung für die 400m machen oder ob Florian über diese Strecke bei den Spielen überhaupt an den Start geht, das müssen wir noch entscheiden. Im Moment sehe ich das aber eher als ausgeschlossen an."

Während Florian Wellbrock bereits sicher für Tokio gesetzt ist, kann Lukas Märtens die Koffer noch nicht packen. Sollten am Wochenende zwei Athleten schneller als er sein, würde er vom Olympiastartplatz verdrängt werden. Trotzdem ist die Vorfreude auf Tokio in ihm geweckt: "In den vergangenen Nächten habe ich schon so ein bisschen davon geträumt. Aber ich darf mich davon nicht blenden lassen. In den kommenden Tagen könnten noch Leute schneller als ich schwimmen. Ich kann mich also nicht ausruhen, sondern muss weiter Gas geben." Mal schauen, wie weit nach unten er das Gaspedal noch drücken kann. Es scheint absehbar: In Lukas Märtens steckt noch mehr.