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Viele Schwimmer kennen das: Monatelang hat man im Training alles gegeben, sich gequält und immer wieder den inneren Schweinehund bezwungen. In Top-Form reist man dann zum Wettkampf, doch auf einmal geht gar nichts mehr. Die Knie werden weich, die Muskeln schmerzen schon vor dem Start und im Becken fühlt man sich an wie ein Stein. Die beste körperliche Form nützt nichts, wenn der Kopf dicht macht. Viele Profi-Schwimmer haben das erkannt und setzten daher neben der Arbeit im Becken auch auf mentales Training. Eine Technik, die nicht nur Spitzenathleten sondern jedem ambitionierten Wettkampfschwimmer dabei helfen kann, sein tatsächliches Leistungspotential abzurufen, ist die Methode der Visualisierung, die wir euch in der aktuellen Herbstausgabe des swimsportMagazine auf mehreren Seiten vorstellen.

Bei der Visualisierung geht es nicht einfach darum, sich einen bestimmten Erfolg fest zu wünschen und dann wird es schon klappen. Wie auch die körperliche Arbeit erfordert die Schulung des Geistes konsequentes und langfristiges Training. Grundsätzlich funktioniert Visualisierung so, dass man sich vor seinem inneren Auge sein gewünschtes Ziel genau vorstellt. Je detaillierter, desto besser. Es geht darum, sich im Geist ein genaues Bild, eigentlich sogar ein genaues Erlebnis zu erschaffen und zwar mit allen Sinnen. Wie hört es sich an, wenn der Sprecher meinen Namen sagt? Wie fühlt sich das Wasser auf meiner Haut an? Wie riecht die Luft in der Halle?

Wir haben euch hier ein paar Tipps zusammengestellt, wie ihr die Visualisierungstechnik selbst anwenden und trainieren könnt:

1. Drehe einen möglichst genauen mentalen Film von dem, was du erreichen willst! Stell dir genau vor, wie es sich anfühlt, wenn du gewinnst, spüre die Freude in dir hochkommen aber auch die schmerzenden Muskeln des Erfolgs.

2. Zeichne dir ein genaues Bild der Schritte, die dich zu dem vorgestellten Sieg oder der neuen Bestzeit führen. Integriere deine Rituale vor dem Start, deine Perfomance im Becken mit der genauen Zahl der Züge, den Wenden und so weiter. Stell dir dabei genau vor, wie sich jede einzelne Bewegung anfühlt, spüre das Wasser auf deiner Haut und erschaffe dir die passende Geräuschkulisse. Je mehr Sinne du mit einbeziehst, desto besser. Es kann helfen, wenn man die genauen Abläufe und Details, die man sich vorstellt, laut aufsagt und vielleicht sogar in einer Audiodatei festhält. Diese kann man dann immer wieder abspielen und so das Vorstellungsvermögen unterstützen.

3. Halte das innere Bild positiv! Vor allem zu Beginn besteht ein großes Risiko, dass man ins „Was wäre, wenn…“ abdriftet und sich nicht den Erfolg sondern das Scheitern vorstellt. Brille verrutscht? Wende verpatzt? Frühstart gemacht? Das alles ist nicht hilfreich, um die gewünschten neuronalen Verknüpfungen zu schaffen. Wenn man in negative Gedanken abdriftet, sollte man stoppen, das Band zurückspulen und wieder von vorn beginnen. Erst, wenn man einen festen Film hat, kann man zusätzlich (!) variieren und sich Lösungen für mögliche Probleme vorstellen. Wichtig dabei ist, dass man sich stets vorstellt, wie man trotz der Planabweichung zum eigentlichen Ziel kommt.

4. Training, Training, Training! Visualisierung ist keine Abkürzung, um sich die Qualen im Becken zu ersparen sondern eine Ergänzung, um sein volles Potential abzurufen. Also fleißig weitertrainieren! Und auch die Visualisierung selbst funktioniert nur, wenn man es ernsthaft macht und sein inneres Tape ständig wieder abspult.

Den kompletten Artikel zum Thema Visualisierung findet ihr als Teil des Specials "Schwimmen wie die Profis" in der aktuellen Herbstausgabe des swimsportMagazine. Die Zeitschrift ist hier erhältlich:

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