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(24.07.2012) Im zweiten Teil unseres Ausblicks auf die Olympischen Spiele in London nehmen wir die Medaillenchancen von Britta Steffen unter die Lupe. Vor vier Jahren stieg sie mit ihren Siegen über die 50 und 100m Freistil in Peking zum internationalen Superstar auf. Von Titelverteidigung spricht mit Blick auf die starke Konkurrenz zwar kaum jemand, doch die Medaillenplätze dürften für Steffen in Reichweite liegen.


Britta Steffen geht so locker wie selten zuvor in die Olympischen Spiele. "Es wäre traurig, wenn ich sagen würde, ich will nur ins Finale. Das stimmt nicht. Aber ich bin total entspannt, weil ich diese Goldmedaillen schon zu Hause habe", so Steffen. Bei den Spielen in Peking vor vier Jahren sorgte sie mit ihren Triumphen über die 50 und 100m Freistil für die einzigen Glanzlichter im deutschen Team. Den Titel "Olympiasiegerin" hat die Berlinerin sicher, ihre Qualität muss sie keinem mehr beweisen. In London geht es für die 28-Jährige darum, gegen die Sprintelite dieser Welt noch einmal alles in den Ring zu werfen. „Ich würde zu gerne meine Titel verteidigen, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass ich nicht mehr so jung und knackig bin wie vor vier Jahren. Ich versuche, noch einmal das Beste rauszuholen. Wenn dabei eine Medaille rausspringt, wäre es super", erklärt Steffen mit Blick auf ihre Ziele für die Olympischen Spiele.

Auftakt in der Staffel: Motivationsschub oder -bremse?

Die erste kleine Chance auf olympisches Edelmetall hat die zwölffache Europameisterin direkt am Auftakttag der Schwimmwettbewerbe in London. Über die 4x100m Freistil wird sie die deutsche Staffel als Startschwimmerin auf die Reise bringen. Das DSV-Quartett hat durchaus Außenseiterchancen auf einen Podestplatz und für Steffen wird es direkt die erste Standortbestimmung. Sollte sie hier eine starke Leistung abliefern, könnte sie dies für die weiteren Wettbewerbe beflügeln. Doch der frühe Auftakt birgt auch das Risiko, dass sie bei einer weniger überzeugenden Leistung ins Grübeln verfällt. Die Erinnerungen an die WM 2011 sind durchaus nicht verblasst. Nach dem Einsatz in der Staffel hat Steffen erst einmal Pause. Erst vier Tage später stehen mit dem Vorlauf und Halbfinale über die 100m Freistil ihre ersten Einzeleinsätze auf dem Plan.

Kromowidjojo wartet auf den Durchbruch

Obwohl sie als Titelverteidigerin und Weltrekordhalterin nach London reist, gilt Steffen über die 100m Freistil nicht als Top-Favoritin. Diese Rolle hat die Niederländerin Ranomi Kromowidjojo übernommen. Die 21-Jährige sorgte im April mit ihrer Zeit von 52,75 Sekunden für die beste Leistung, die je eine Athletin ohne Unterstützung eines Hightech-Anzuges ins Wasser bringen konnte. Steffens persönlicher Textil-Rekord liegt bei 53,30 Sekunden. Kromowidjojo hatte in den vergangenen Jahren jeweils mit Verletzungen und Krankheiten zu kämpfen. Bei der WM im vergangenen Jahr blieb ihr nur Platz drei über ihre Paradestrecke. Der große internationale Durchbruch blieb ihr bisher verwehrt, doch die Zeichen stehen gut, dass sie in London endgültig in die Liga der Top-Stars vorstoßen kann.

Eine, der dies schon im Alter von 15 Jahren gelang, ist Sarah Sjöström. Die Schwedin holte sich bei der WM 2009 Gold über die 100m Schmetterling und greift seit Kurzem auch bei den Freistilsprinterinnen an. Bei der EM in Debrecen konnte sie vor wenigen Wochen die 100m Freistil für sich entscheiden und dabei souverän Britta Steffen und Daniela Schreiber auf die weiteren Podestplätze verweisen.

Supper-Teenager und Weltmeisterinnen nicht vergessen!

Ebenfalls auf dem Zettel haben sollte man US-Superteenie Missy Franklin. Die 17-Jährige gilt zwar eher als Expertin für die Rückenstrecken. Bei der WM im vergangenen Jahr sorgte sie jedoch als Mitglied der 4x100m Freistilstaffel für die zweitschnellste Zwischenzeit des gesamten Feldes. Die stärkste Leistung brachte damals Kromowidjojos Teamkameradin Femke Heemskerk ins Wasser. Auch sie schwimmt in London um die Medaillen und vielleicht sogar um den Titel.

Beim Blick auf die Konkurrentinnen für Britta Steffen dürfen wir natürlich die beiden amtierenden Weltmeisterinnen nicht vergessen. Die Dänin Jeanette Ottesen und die Weißrussin Aliaksandra Herasimenia schlugen bei der WM in Shanghai im vergangenen Jahr zeitgleich vor Ranomi Kromowidjojo an. Beide profitierten damals auch davon, dass einige der weiteren Favoritinnen ihr Potential nicht abrufen konnten. Dazu gehörte auch die Britin Francesca Halsall, die als Vierte das Podium nur knapp verpasste. Die Europameisterin von 2010 war bereits im März bei der Olympia-Quali schneller als bei der WM im vergangenen Jahr und hat in London das Heimpublikum im Rücken.

Steffen auch über die 50m Freistil im Kreis der Favoriten

Somit bekommt es Steffen über die 100m Freistil mit einer haushohen Favoritin und etwa einem halben Dutzend an Medaillenanwärterinnen zu tun. Letztlich wird jede Athletin, die im Finale steht, auch berechtigte Chancen auf einen Podestplatz haben. Noch enger ist die Konkurrenz über die 50m Freistil. Hier lieferten sich Kromowidjojo und Halsall im Frühling bereits eine Jagd um den Textil-Weltrekord. Aktuell hält ihn die Niederländerin in 24,10 Sekunden. Auch deren Teamkollegin Marleen Veldhuis wird in London ein Wort um den Titel mitreden wollen. Sie rangiert in der Weltrangliste in 24,32 Sekunden an dritter Position. Britta Steffen stellte bereits bei der EM im Mai mit ihrer Zeit von 24,37 Sekunden ihre Qualitäten unter Beweis und zählt auch über diese Strecke ganz klar zu den Medaillenanwärtern.

Zehn Anwärterinnen auf Edelmetall im Freistilsprint

Im Rennen um den Titel im Freistilsprint steht auch Schweden-Diva Therese Alshammar ganz weit oben auf dem Zettel. Sie reist immerhin als amtierende Weltmeisterin zu den Spielen nach London. Bei der WM 2011 konnte sie in 24,14 Sekunden die Konkurrenz locker hinter sich lassen. Auch über die 50m Freistil sollte man zudem Sarah Sjöström, Aliaksandra Herasimenia sowie US-Sprinterin Jessica Hardy oder auch das australische Geschwisterpaar Bronte und Cate Campell nicht aus den Augen lassen. Auf dem Papier sind ganz klar Ranomi Kromowidjojo, Francesca Halsall und Therese Alshammar die Top-Favoritinnen auf den Titel, doch auf der kurzen Sprintstrecke kann selbst der kleinste Fehler nicht nur den Sieg, sondern auch die Medaille kosten. Im Rennen um Edelmetall schwimmen somit insgesamt etwa neun bis zehn Athletinnen gegeneinander und Britta Steffen ist mitten unter ihnen. Schon der Kampf um die Finalplätze verspricht Spannung.

Steffen als schlägt als letzte DSV-Schwimmerin in London an

Der Endlauf über die 50m Freistil findet am letzten Tag der Schwimmwettbewerbe in London statt. Es dürfte ein spannender Tag werden für Britta Steffen - vorausgesetzt natürlich, sie qualifiziert sich für das Finale. In dem hochkarätigen Teilnehmerfeld ist dies selbst für die Weltrekordhalterin keine Selbstverständlichkeit. Neben dem Finale im Freistilsprint steht als krönender Abschluss der Schwimmwettbewerbe in London der Endlauf über die 4x100m Lagen der Damen auf dem Plan. Die deutschen Frauen wollen sich hier mit einer starken Leistung von den Olympischen Spielen verabschieden und als letzte Athletin wird Britta Steffen für das DSV-Quartett an den Start gehen. Somit beginnen die Wettbewerbe für die gebürtige Brandenburgerin als Startschwimmerin der Freistilstaffel am ersten Tag und sie beendet die Spiele als Schlussschwimmerin der Lagenstaffel am letzten Tag. Egal ob sie am Ende wieder als Gold-Britta aus dem Becken steigt oder gar mir leeren Händen nach Hause fährt, Britta Steffen gibt sich locker, wie selten zuvor: "Ich versuche einfach, 100 Prozent das zu geben, was ich kann und hoffe, dass das sehr sehr gut wird."

Das Olympiaprogramm für Britta Steffen:
28.07.: (Vorläufe 4x100m Freistil) / Finale 4x100m Freistil
01.08.: Vorläufe 100m Freistil / Halbfinale 100m Freistil
02.08.: Finale 100m Freistil
03.08.: Vorläufe 50m Freistil / Halbfinale 50m Freistil
04.08.: Finale 50m Freistil / Finale 4x100m Lagen