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(27.09.2013) Britta Steffen hängt die Badekappe an den Nagel. Dies gab das Management der Olympiasiegerin heute offiziell bekannt. Damit verabschiedet sich Deutschlands erfolgreichste Schwimmerin des zurückliegenden Jahrzehnts vom Leistungssport. Nachdem sie bei den internationalen Saisonhöhepunkten zuletzt stets der jüngeren Konkurrenz den Vortritt lassen musste, kam dieser Schritt nicht unerwartet.


Im Anschluss an die Schwimm-Weltmeisterschaften in Barcelona hatte Steffen die Frage nach einem möglichen Karriereende noch offen gelassen. Nun ist ihre Entscheidung gefallen: Nach zwei Olympiasiegen, drei Weltmeistertiteln und 13 Goldmedaillen bei Europameisterschaften beendet die 29-Jährige ihre sportliche Laufbahn.

„Ich beende meine Karriere in dem Bewusstsein, zu den Besten der Welt zu gehören“, erklärt Steffen in einer Mitteilung ihres Managements. „Dennoch habe ich in den letzten Wochen gezweifelt, ob ich die nötige Motivation und Energie für ein oder sogar drei weitere Jahre im Kampf um Goldmedaillen und Meistertitel aufbringen kann."

DSV-Präsidentin Christa Thiel erklärte zum Abschied der Ausnahmeschwimmerin: „Britta Steffen war eine außergewöhnliche Schwimmerin, die den Schwimmsport in Deutschland in den vergangenen Jahren geprägt hat. Sie hat in der Nationalmannschaft bei vielen internationalen Meisterschaften herausragende Leistungen gezeigt. Ihre Doppelerfolge bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und den Weltmeisterschaften 2009 in Rom bleiben unvergessen. Wir würden uns freuen, wenn Britta dem Schwimmsport und dem DSV mit ihrer Erfahrung erhalten bleibt – in welcher Funktion auch immer."

Steffen jagt Olympiasiege, WM-Titel und Weltrekorde

Steffen feierte mit einer Bronzemedaille, die sie als 16-Jährige bei den Olympischen Spielen 2000 für ihren Vorlaufstart in der später drittplatzierten 4x200m Freistilstaffel erhielt, den Auftakt ihrer außergewöhnlichen Laufbahn. Den größten Erfolg ihrer Karriere verbuchte sie mit dem Gewinn der Goldmedaillen über die 50m und 100m Freistil bei den Olympischen Spielen 2008. Im darauf folgenden Jahr war sie auch bei den Weltmeisterschaften in Rom über diese Strecken nicht zu schlagen. Ihre damals über die 50m und 100m Freistil aufgestellten Weltrekorde haben noch heute bestand.

Karriere von Rückschlägen geprägt

Dabei war Steffens Karriere kein steter Weg nach oben. Ihre Zeit in der Weltspitze war stattdessen immer wieder von Rückschlägen geprägt. Bereits nach den Olympischen Spielen 2004 spielte sie mit dem Gedanken an ein Karriereende, kämpfte sich jedoch zurück und stand bei den Europameisterschaften 2006 viermal ganz oben auf dem Podium. Nach ihren Erfolgen bei Olympia 2008 und der WM 2009 gönnte sich die gebürtige Brandenburgerin eine Auszeit, nach welcher Mühen hatte, den Anschluss an die Weltspitze wiederzufinden. Bei der Schwimm-WM in Shanghai 2011 gipfelte dies sogar in ihre medial stark beachtete "WM-Flucht".

Letzter internationaler Auftritt bei der Schwimm-WM 2013

Im Olympiajahr 2012 hingegen sammelte sie mit drei Europameistertiteln und dem Sieg über die 100m Freistil bei der Kurzbahn-WM noch einmal internationales Edelmetall und feierte mit dem vierten Platz über die 50m Freistil bei den Olympischen Spielen in London einen Achtungserfolg.
Ihren letzten Auftritt auf der internationalen Bühne des Schwimmsports hatte Steffen bei den diesjährigen Schwimm-Weltmeisterschaften in Barcelona. Hier gab es einen sechsten Platz im Finale über die 100m Freistil und wahrscheinlich die endgültige Erkenntnis, dass die zum Teil deutlich jüngere Konkurrenz ihr enteilt ist.

Schwimmbecken wird gegen Hörsaal eingetauscht

Nach der WM ließ Steffen lange Zeit offen, wie es für sie weitergehen würde. Sie müsse sich überlegen, "wie die Ziele in den nächsten Jahren aussehen" und wolle dabei "aus dem Herzen heraus und aus dem Bauch entscheiden". Vor allem die im kommenden Jahr stattfindenden Europameisterschaften in Berlin galten lange Zeit als Anreiz für Steffen, ihre Karriere noch ein wenig fortzusetzen. Steffen hatte zehn Jahre lang in der Bundeshauptstadt gelebt und trainiert und hier den Aufstieg zum internationalen Schwimmstar gepackt. Stattdessen wird sie sich nun jedoch an der Hallenser Martin-Luther-Universität ihrem Studium des Human Resource Managements widmen und den Kampf um Titel und Medaillen ihrem Lebensgefährten Paul Biedermann überlassen.