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(25.07.2009) Morgen beginnen die Schwimmwettbewerbe im Foro Italico zu Rom. Bereits am Sonntag stehen dabei zwei spannende Staffelentscheidungen über die 4×100 Meter Freistil auf dem Plan. swimsportnews wirft einen Blick darauf, wer hier und bei den weiteren Staffeln Chancen auf die Medaillen hat und wie die deutschen Quartette aufgestellt sind. Neben Favoritensiegen kann es bei der ein oder anderen Medaille auch Überraschungen geben.

 

 

Die erste Staffelentscheidung in Rom fällt über die 4×100 Meter Freistil der Frauen. Topfavoriten sind hier die Olympiasiegerinnen aus den Niederlanden. Angeführt von Marleen Veldhuis peilen sie ein Zeit unter dem 3:33,62 Minuten Weltrekord von Peking an. Auf dem Papier dürften sie die Nase vorn behalten gegenüber den Australierinnen und US-Girls. Doch Vorsicht: Die den Einschätzungen zu Grunde liegenden Zeiten (siehe unten) der australischen Schwimmer wurden nahezu allesamt im LZR Racer geschwommen. Für die WM in Rom haben sich die Schwimmer aus Downunder mit neuen Materialien eingedeckt, bis auf wenige Ausnahmen, wie Lisbeth Trickett. So werden 22 Starter aus Australien im Arena X-Glide antreten, mindestens sechs bauen auf Anzüge von blueseventy. Dies muss man bei den Betrachtungen der Chancen in Rom unvermeidlich im Hinterkopf haben. Bei den Frauen dürfte dies dafür sorgen, dass es ein Kampf um Gold zwischen den Niederländerinnen und Australierinnen wird. Um die Bronzemedaille dürfte die US-Staffel, die sicher auf Dara Torres setzten wird, und das deutsche Quartett um Britta Steffen kämpfen. Die Chinesinnen, die in Peking noch vor der deutschen Staffel lagen, sollten die DSV-Mädels im Griff haben.

4x100Fr Damen
Niederlande: 3:33,56
Australien: 3:34,13
USA: 3:34,67
Deutschland: 3:34,83
China: 3:36,12

Die Revanche für Peking: 4×100 Meter Freistil Männer

Bei den Herren wollen die Franzosen Wiedergutmachung für die Niederlage gegen das US-Team in Peking leisten. Damals holte Jason Lezak auf den letzten Metern noch Alain Bernard ein und machte damit erst den Goldmedaillen-Rekord von Michael Phelps möglich. Lezak schwamm damals als Schlussmann sagenhafte 46,06 Sekunden. Eine Reaktionszeit von sieben Zehntelsekunden eingerechnet wäre dies noch heute Weltrekord. Doch Lezak tritt in Rom nicht an, da er bei der Makkabiade in Israel startete. Die Franzosen hingegen können aus dem vollen Schöpfen. Eine erneute Niederlage ist nicht zu erwarten angesichts der Sprintqualitäten unsere Nachbarn. Der Weltrekord wird fallen, die Frage ist nur um wieviel er unterboten wird. Enger wird es schon hinter der Equipe Tricolore. Neben den USA kommen die Männer aus Russland für eine Medaille in Frage. Auch die Brasilianer und Italiener müssen im Auge behalten werden. Das Team von Australien ist durch den Ausfall von Weltrekordler Eamon Sullivan stark geschwächt. Schon in Peking hatte es nur zu Bronze gereicht, eine Medaille in Rom wird schwer werden.

4x100Fr Männer:
Frankreich: 3:07,52
USA: 3:10,42
Russland: 3:10,81
Brasilien: 3:11,54
Italien: 3:12,18
Australien: 3:13,42

Die wohl engste Entscheidung: 4×200 Meter Freistil der Frauen

Wer über die 4×200 Freistil der Frauen die Nase vorne haben wird, ist schwer einzuschätzen. Hier ist nichts entschieden im Kampf um Gold. Sowohl die Britinnen als auch die Amerikanerinnen haben hier eine Chance auf den Sieg, die Damen aus China könnten auch in die Entscheidung eingreifen. Dank der “Aufrüstung” der Australierinnen sind auch sie im Rennen um den Titel. Diese vier Teams dürften im Kampf um die Medaillen die Nase vorn haben, doch auch die Gastgeberinnen darf man nicht aus den Augen lassen, immerhin haben sie Weltrekordlerin Federica Pellegrini auf ihrer Seite.

4x200Fr Frauen
USA: 7:47,33
Großbritannien: 7:47,54
China: 7:48,95
Australien: 7:50,02
Italien: 7:50,79

Keine Chance für den Rest der Welt: 4×200 Meter Freistil der Männer

Bei den Männern über 4×200 Meter Freistil dürfte der Weltmeister bereits feststehen. Die US-Boys stellen sechs der zehn schnellsten Schwimmer über die 200 Freistil. Auch der Weltrekord von Peking sollte für die Männer um Michael Phelps und Ryan Lochte kein Problem sein. Dahinter jedoch kämpft etwa ein halbes Dutzend Staffeln um die Medaillen. Die Gastgeber aus Italien dürften hierbei die besten Chancen haben. Daneben kommen die Quartette aus Großbritannien, Russland, Japan und Australien in Frage. Mit etwas Glück und einem guten Tag können auch die vier Deutschen in den Kampf um die vorderen Ränge eingreifen.

4x200Fr Männer
USA: 6:58,47
Italien: 7:05,65
Großbritannien: 7:06,36
Russland: 7:06,76
Japan: 7:07,16
Australien: 7:07,45
Deutschland: 7:08,56

 USA oder AUS?: 4×100 Meter Lagen der Frauen

 Bei den Lagenstaffeln der Damen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Zweikampf zwischen den Amerikanerinnen und Australierinnen hinauslaufen. Die Australierinnen müssen dabei auf der Bruststrecke auf Weltrekordlerin Leisel Jones verzichten. Bei der Staffel der Amerikaner wurde auf der Freistil-Strecke mit US-Meisterin Dana Vollmer gerechnet, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit könnte hier auch Dara Torres starten. Hinter diesen beiden Teams wird es nicht nur eng was die Medaillen angeht, sondern sogar was den Finaleinzug betrifft. Insgesamt dürften etwa zehn bis elf Nationen für das Finale in Frage kommen, von denen fast alle mit etwas Glück um die Bronzemedaille mitschwimmen können. Dabei haben zumindest auf dem Papier, wie schon bei Olympia, die Chinesinnen wohl die besten Aussichten auf den dritten Platz. Doch auch das deutsche Team hat gute Chancen. Wenn Britta Steffen mit möglichst geringem Rückstand auf die Freistilstrecke geschickt wird, muss sie all ihre Kämpferqualitäten ausspielen und die Lücke zum dritten Rang schließen. Vor der letzten Starterin dürften die Chinesinnen und Russinen auf Medaillenkurs liegen, welche abgefangen werden müssen. Doch auch die Staffeln aus Großbritannien, Frankreich und natürlich die der italienischen Gastgeber dürfen nicht unterschätzt werden.

 

4x100Lg Frauen:      
       
USA: Hayley McGregory 59,93  Rebecca Soni 1:05,34   
  Christine Magnuson 57,15    Dana Vollmer 54,00  03:54,14
       
Australien:  Emily Seebohm 59,85 Tarnee White 1:06,99  
  Jessicah Schipper  56,90 Lisbeth Tricket 52,89 03:54,53
       
China:  Jing Zhao 59,62  Hui Qi 1:06,85  
  Liuyang Jiao 57,16 Zhesi Li 54,55 03:56,08
       
Deutschland: Daniela Samulski 1:00,46 Sarah Poewe 1:07,57  
  Anika Mehlhorn 58,45 Britta Steffen 52,56 03:56,94
       
Russland: Anastasia Zueva 59,37 Julia Efimova 1:05,80  
  Irina Bespalova 58,99 Anastasia Aksenova 55,07  03:57,13
       
Großbritannien: Gemma Spofforth 59,56 Katie Haywood 1:08,44  
  Ellen Gandy 57,49 Francesca Halsall 53,89  03:57,28
       
Italien: Elena Gemo 1:00,89  Ilaria Scarcella 1:06,86  
  Ilaria Bianchi 58,33 Federica Pelligrini 53,55  03:57,53
       
Frankreich: Esther Baron 1:00,00 Fanny Babou 1:08,37  
  Aurore Mongel  57,80 Malia Metella 53,49 03:57,56
       
Niederlande: Sharon van Rouwendaal 1:02,02   Moniek Nijhuis 1:07,41  
  Marleen Veldhuis 56,69 Femke Heemskerk 53,88 03:58,00
       
Japan: Aya Terakawa 59,67  Satomi Suzuki 1:07,41  
  Yuko Nakanishi 58,72 Haruka Ueda 55,09  03:58,79

Auch hier kaum eine Chance gegen die USA: 4×100 Meter Lagen der Männer

Der letzte Wettbewerb der Weltmeisterschaften in Rom werden die 4×100 Meter Lagen der Männer sein. Etwas anderes als ein Titel der US-Mannschaft dürfte hier nicht zu erwarten sein. Auch hier entsteht die Spannung eher beim Kampf um die Medaillen. Fünf bis sechs Staffeln dürften hier in den Bereich um die 3:30 schwimmen können. Die deutsche Staffel hat hierbei gute Chancen, wenn die ersten beiden Starter genug Abstand zu den Konkurrenten aus Frankreich und Australien herrausschwimmen können. Für eine Überraschung könnten die Brasilianer sorgen, die in diesem Jahr mit starken Zeiten aufhorchen ließen.

4x100Lg Männer:      
       
USA: Aaron Peirsol 51,94 Mark Gangloff 59,01  
  Michael Phelps 50,22  Nathan Adrian 48,00  03:27,07
       
Brasilien:  Gabriel Mangabeira 53,81 Henrique Barbossa 59,03  
  Kaio Almeida 51,64  Cesar Cielo 47,60 03:29,98
       
Deutschland:  Helge Meeuw 52,94 Hendrik Feldwehr 59,45  
  Benjamin Starke 51,47 Paul Biedermann 48,39 03:30,15
       
Frankreich:  Jeremy Stravius 53,16 Giacomo Perez Dortona 1:00,80  
  Clemet Lefert 51,42 Alain Bernard 46,94 03:30,22
       
Australien: Ashley Delaney 53,28 Christian Sprenger 1:00,27  
  Andrew Lauterstein 50,93  Matthew Targett  48,08 03:30,46
       
Japan:   Ryosuke Irie 52,56 Ryo Tateishi 59,48  
  Masayuki Kishida 51,83 Takuro Fujii 48,73 03:30,50
       
Russland:  Arkadi Vyatchanin 53,35 Sergej Geybel 1:00,69  
  Evgeni Korotyshkin 51,55  Andrey Grechin 47,59 03:31,08
       
Großbritannien:  Liam Tancock 53,20 James Gibson 1:00,22  
  Michael Rock 52,03 Adam Brown 48,84 03:32,19
       
Italien: Mirco di Tora 54,07 Fabio Scozzoli 59,85  
  Mattia Nalesso 52,49 Filippo Magnini 48,10  03:32,41
       
Südafrika:  George du Rand 54,67 Cameron van der Burgh 1:00,02  
  Darian Townsend 52,14 Lyndon Ferns 48,38 03:33,11

 

Die Berechnungen oben haben dabei natürlich nur rein hypothetischen Wert und dienen lediglich zur Veranschaulichung der Chancen der einzelnen Staffeln. Als Grundlage wurden die schnellsten Schwimmer der einzelnen Nationen in diesem Jahr (meist bei deren Qualifikations-WK) genommen und deren Zeiten summiert. Um einschätzen zu können, wie schnell die Werte in Bezug auf die Weltrekorde sind, wurden jeweils 2,1 Sekunden für fliegende Starts abgezogen. Da die Lagen-Wettbewerbe erst am Ende der WM sind, kann sich in Sachen Besetzung bei der einen oder anderen Nation natürlich noch etwas verändern.