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(17.03.2011) Mit Hilfe von Alexander Popovs einstigem Mentor Gennadi Touretski will Ian Thorpe den Weg zurück an die Weltspitze schaffen. Um dem Rummel in der Heimat zu entgehen, flüchtet der einstige Superstar in die Schweiz und wird zukünftig in Tenero trainieren. Dabei läuft ihm die Zeit davon, denn seit seinem Abschied hat sich einiges getan in der Welt des Schwimmsports. Thorpe bedauert bereits, sich nicht schon eher zum Comeback entschlossen zu haben.

 

“Das Leistungszentrum von Swiss Swimming in Tenero ist meine Heimat bis zu den Spielen 2012.” Der Fahrplan für Ian Thorpe hin zu den Olympischen Spielen in London 2012 nimmt langsam Formen an. Aufgrund der hohen Wellen, die das Comeback in seiner australischen Heimat schlug, wird der 28-Jährige die meiste Zeit im Schweizer Tenero trainieren. “Weil jeder meiner Schritte beobachtet würde”, begründete er die Entscheidung im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung und fügt hinzu: “Ich stellte fest, dass die öffentliche Aufmerksamkeit ein Grund war für den Rücktritt 2006. Es gefiel mir nicht mehr, dass die Leute ständig wussten, was ich tue.” Ob sein Umzug in die Schweizer Alpen die mediale Aufmerksamkeit abschwächen wird, bleibt abzuwarten.

Popov-Mentor Touretski soll Thorpe zurück an die Spitze führen

Dass mit Gennadi Touretski in Tenero ein Trainer von Weltklasse-Format bereitsteht, dürfte Thorpe die Entscheidung, Australien zu verlassen, deutlich erleichtert haben. Der gebürtige Russe mit australischem Pass hatte einst Alexander Popov und Thorpes Landsmann Michael Klim zu Olympiasiegen geführt. Nach den Spielen in Athen 2004 wurde es etwas ruhiger um den mittlerweile 61-Jährigen, der nun das nationale Trainingszentrum der Schweizer in Tenero leitet. “Ich freue mich sehr, mit Gennadi zu arbeiten. Ich weiß, dass er bei seiner Arbeit mit Alex Popov und dann Michael Klim sehr eng mit ihnen zusammengearbeitet hat, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen”, so Ian Thorpe. “Zudem gefällt mir seine Philosophie, wie er denkt und redet”.   Bereits seit einer Woche arbeiten die beiden gemeinsam in der Schweiz an Thorpes Comeback.


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Neue Bedingungen für den einstigen Superstar

Dabei wird auf Thorpe und Touretski eine gehörige Portion Arbeit zukommen. Seit dem Rücktritt Thorpes hat sich doch einiges geändert in der Welt des Schwimmsports. Seit vergangenem Jahr sind die Anzüge für Männer verboten, das “Ganzkörperkondom” war einst eines von Thorpes Markenzeichen. Auch an die intensiven Unterwasserphasen nach den Wenden wird sich der 28-Jährige erst gewöhnen müssen. “Der größte Unterschied dürfte die Geschwindigkeit aus der Wand heraus und die Arbeit Unterwasser sein. Er hat da selbst in seiner besten Zeit die Grenzen nie wirklich ausgereizt”, so Bob Bowman, Trainer von Michael Phelps, der ebenfalls mit Spannung auf das Comeback seines einstigen Konkurrenten blicken dürfte. Zuletzt trafen die beiden bei den Olympischen Spielen 2004 über die 200m Freistil im direkten Duell aufeinander. Beim Sieg des Australiers blieb Phelps damals nur die Bronzemedaille.

Thorpe bedauert: Comeback-Entscheidung kam zu spät

Ob es in London erneut zu einem Duell über die 200m kommen wird, bleibt abzuwarten. Für Thorpe gilt es zunächst bei den australischen Trials die Olympia-Qualifikation zu packen. Bis zum Frühjahr 2012 muss er sich dafür in Form bringen. Das Augenmerk des elfmaligen Weltmeisters liegt dabei zunächst auf den für ihn eher ungewohnten 100m Freistil. Seine einstige Paradestrecke, die 400m Freistil, sind wohl in Anbetracht der Zeit ein kaum erreichbares Ziel. “Der einzige bedauernswerte Aspekt an meiner Rückkehr ist, dass ich die Idee nicht früher hatte. Nun fehlt die Zeit, mich auf die 400 Meter vorzubereiten”, so Thorpe, dessen größte Chance wohl darin bestehen wird, einen Platz in einem der australischen Staffelteams zu ergattern. Dafür kündigte er bereits an die Trainingsphasen in der Schweiz immer wieder für Staffellehrgänge und Trainingslager des australischen Verbandes zu unterbrechen.
Bis zu einer Rückkehr ins Wettkampfbecken muss sich Thorpe mindestens bis zum November gedulden. Aufgrund der Rückmeldungsregularien der Anti-Doping-Agenturen ist er erst dann wieder startberechtigt. Sollte er sich für die Spiele in London qualifizieren, lässt Thorpe offen, was danach kommt: “Wie es nach 2012 weitergeht, weiß ich nicht – ich will aber betonen, dass ich nie gesagt habe, danach einfach zurückzutreten.”