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(02.02.2022) Schwimmen nicht nur bei den Sommer- sondern auch bei den Winterspielen?! Vor einigen Jahren bereits hatte der Präsident der Internationalen Ice Swimming Association die Idee, Eisschwimmen zur olympischen Disziplin zu machen. Doch Ram Barkai, der Chef der IISA muss sich in Geduld üben. Den Extremsport im Zeichen der Ringe einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren - dafür müssen noch einige Herausforderungen gemeistert werden.

Es wäre schon ein wenig kurios. Die deutschen Skispringer mit Karl Geiger und Markus Eisenbichler beweisen sich in wenigen Tagen wieder als Weitenjäger. Die Biathleten des deutschen Skiverbandes wollen ein gewichtiges Wörtchen bei der Vergabe von Gold, Silber oder Bronze mitreden. Julia Taubitz, Natalie Geisenberger, Johannes Ludwig, Felix Loch und all die anderen Rodel-Asse sausen im Wettstreit mit der internationalen Konkurrenz wieder durch den Eiskanal. In diesen Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele. In Peking, erstmals im Reich der Mitte. 

Auch der Südafrikaner Ram Barkai hofft, irgendwann eine besondere Premiere bei Olympia feiern zu dürfen. Ginge es nach seinem Willen, sollten auch die Eisschwimmerinnen und Eisschwimmer in absehbarer Zeit zur olympischen Familie gehören. 2018 im koreanischen Pyeongchang war die vergleichsweise junge Sportart schon als Demonstrationswettbewerb im Gespräch. Doch daraus wurde nichts. Zu viele Baustellen bei Verbandsstrukturen und Organisation.

„Eisschwimmen bei Olympia“, sagt der erste Vorsitzende der deutschen IISA-Sektion, Hamza Bakircioglu „ist eine tolle Vision.“ Nach Stand jetzt hätten die Deutschen auch gute Chancen, vorne mitzumischen. Hätten! „Von einem olympischen Auftritt sind die kälteresistenten Kader aber noch meilenweit entfernt,“ sagt der Allgäuer, der seit vielen Jahren diesem Sport frönt.  

Das findet auch Bakircioglus Freund und Vorstandskollege Uli Munz. „Strukturell gibt es noch erhebliche Probleme.“ In vielen Ländern, zum Teil auch in der Bundesrepublik, entstehen erst jetzt und recht zögerlich Vereine und Verbände. Solange diese Hürden aber nicht genommen sind, wird es auch kaum zu frostigen Rennen im Zeichen der Ringe kommen. „Wir tun unser Bestes“, ergänzt Eisschwimmerin Birgit Becher, die mit Bakircioglu und Munz im Vorstandsteam sitzt. Ehrenamtlich. „Wir sind 2021 mit diesen Aufgaben auch recht überraschend ins kalte Wasser geworfen worden." Becher vermittelt seit 2017 im fränkischen Veitsbronn vielen Menschen das Eisschwimmen. So, wie viele andere passionierte „Frost-Freaks“. Einer von ihnen ist Christof Wandratsch.

2021 wechselte der langjährige Vorstand des deutschen Verbandes ins internationale Präsidium der IISA. Der Franke ist nicht irgendeiner im internationalen Eisschwimmgeschäft. Der „Wandi“, wie ihn Freunde nennen, gilt als eine treibende Kraft, hat zig Weltmeistertitel gewonnen, Weltrekorde aufgestellt und Wettbewerbe mit auf die Beine gestellt. „Eisschwimmen bei Olympia würde der Sportart sicher nicht schaden“, betont der 55-Jährige. Sorgen, dieser Schritt könnte die derzeit eher familiäre Atmosphäre bei Wettkämpfen zerstören, teilt Wandratsch nicht. Er verweist auf den Boom beim Triathlon. „Da wetteifern Profis und Hobbysportler bei einem Wettkampf gemeinsam um Bestzeiten und Medaillen. Beide profitieren voneinander.“ Hobby-Starter machen große Wettbewerbe mit ihrem Startgeld erst möglich, die Triathlon-Asse und Vorbilder schwimmen, laufen, fahren Rad und plaudern bei einer Veranstaltung mit den „Laien“. „So sollte es auch beim Eisschwimmen sein“, unterstreicht Wandratsch.

IISA-Präsident Ram Barkai sieht es ähnlich. Sein Ziel: 2026 als Demonstrations-Sportart bei den Spielen in Mailand dabei zu sein. Er setzt auf eine Zusammenarbeit mit dem Welt-Schwimmverband. „Weil die FINA über eine eingespielte Organisations-Struktur verfügt. Zudem ist sie eine wichtige Stimme im Internationalen Olympischen Komitee, zumindest bei den Sommerspielen,“ begründet Barkai sein Vorhaben. Der Haken an der Sache: Die FINA ist nicht Mitglied im IOC-Gremium für die Wintersportarten. „Für den Weltschwimmverband wäre es also eine Chance, auch im Wintersport eine Rolle zu spielen. Deshalb bin ich zuversichtlich mit Blick auf 2026.“

Unser Autor Jörg (links) mit IISA-Präsident Ram Barkai

Ob diese Rechnung aufgeht? Zumal es noch einen weiteren Internationalen Winterschwimmverband gibt. Die IWSA konkurriert mit der IISA und bewertet die Olympiapläne eher kritisch. Eine Fusion beider Verbände scheint daher im Moment nahezu ausgeschlossen. Auch in Deutschland sehen Eisschwimmerinnen und Eisschwimmer Ram Barkais Optimismus zurückhaltender. Paul Bieber etwa. Der „Eismeiler“, der die deutsche IISA berät, erinnert an profane Dinge wie einheitliche Wettkampfregeln (gibt es bisweilen nicht) oder elektronische Zeitmessung. „Die Matten bei herkömmlichen Schwimmwettkämpfen funktionieren im Eiswasser nicht verlässlich. Auf reine Handzeitnahme werden sich FINA und IOC kaum einlassen.“ Grundsätzlich befürwortet Bieber aber die Bemühungen und wirft mit dem IISA-Team eine ganz grundsätzliche Frage auf: „Wo sollten olympische Eisschwimm-Wettbewerbe ausgetragen werden?“

In einem (ausgekühlten) Wettkampfpool, wie er beispielsweise bei den German Open im fränkischen Veitsbronn steht. Oder in einem Naturbecken, das in die Eisdecke eines Sees gefräst werden müsste. Die erfolgreiche Freiwasserschwimmerin und IISA-Beraterin Deniz Kayadelen: „Die Ursprünge liegen in der Natur." Hamza Bakircioglu und Uli Munz pflichten bei: "Das sollte dann auch bei Olympia erlebbar sein:" Ob sich das IOC auf Wünsche einer vergleichsweise kleinen Sportcommunity einlässt?

2015 gab es in Deutschland einer Schätzung der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge gerade einmal rund 3.000 Winterschwimmer. Inklusive der sogenannten Eisbader, die zum Beispiel an Neujahr in der kalten Ostsee einen kurzen Dipp wagen. Durch die Corona-Pandemie hat das Eisschwimmen jedoch einen Aufschwung erlebt. Städtische Bäder waren lange dicht. Viele Menschen gingen ins Freigewässer und probierten sich im klirrend kalten Wasser aus. Etliche blieben dabei. Eine genaue Zahl gibt es nicht, Experten gehen von inzwischen 5.000 – 8.000 schwimmenden „Eisvögeln“ hierzulande aus. In Russland und den skandinavischen Ländern ist das Freizeitvergnügen Eisbaden/Schwimmen dagegen eine Tradition und verfügt somit über eine deutlich größere Fangemeinde.

„Vielleicht wäre es sinnvoll, diese Landesverbände schon deshalb beim Vorhaben Olympia federführend mit ins Boot zu holen“, schlägt Uli Munz vor. Als Wintersportnationen haben diese Staaten ein ziemliches Gewicht im IOC. Dann hätten sie aber auch ein Wörtchen mitzureden, welche Strecken als olympische Demonstrationssportart im Programm stehen. „Die 1.000 Meter auf jeden Fall. Das ist die Königsdisziplin“, finden Hamza Bakircioglu, Birgit Becher, Paul Bieber, Uli Munz, Deniz Kayadelen sowie die beiden internationalen Größen Ram Barkai und Christof Wandratsch übereistimmend. „Über die 500 Meter sollte man auch sprechen und wenigstens eine Staffel.“

Klar ist: Pläne zu einem Olympiaauftritt sind da. Vieles ist noch unausgegoren und (noch) nicht vorhanden. Wie swimsportnews erfuhr, soll es hierzulande demnächst erste und unverbindliche Vorgespräche mit dem Deutschen Schwimm-Verband geben. Worum es gehen könnte: Eisschwimmen als weitere Wassersportart (neben Becken-, Freiwasser-, Synchronschwimmen, Wasserball und Springen) in eine größere Struktur einzubinden. Ob das gewünscht oder machbar ist, wie das aussehen könnte - das wird sich zeigen. Solange werden die Bemühungen in Sachen Olympia zunächst wohl dort liegen bleiben, wo sie viele unverfrorene Schwimmerinnen und Schwimmen realistischer Weise sehen. Auf Wiedervorlage und auf Eis. Letzteres schmilzt irgendwann. Vielleicht können sich die Entscheider dann für diese Idee noch mehr erwärmen.

  

Eis- und Winterschwimmen

Von Eisschwimmen spricht man, wenn die Wassertemperaturen unter 5 Grad liegen. Alles darüber ist Kaltwasser- oder Winterschwimmen. Es gibt inzwischen zahlreiche Wettkämpfe. Angeboten werden Strecken von 50 bis 1.000m. In Deutschland wächst die Zahl der Vereine und Aktiven kontinuierlich. Genaue Zahlen liegen allerdings nicht vor. International existieren zwei konkurrierende Verbände: Die IISA und die IWSA.

In etlichen deutschen Städten bieten Vereine oder Einzelpersonen (auch unser Autor: mehr unter www.eventoplena.de ) eine Heranführung an das Eisschwimmen an. Voraussetzungen sind unter anderem: Sicheres Schwimmen, gesundes Herzkreislaufsystem (EKG und ärztlicher Check), kein übertriebener Ehrgeiz, Rettungsboje, warme Kleidung und Getränke, ein bisschen Mut und Spaß an Herausforderungen.

 

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