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(13.09.2021) Lange mussten viele von ihnen warten, doch am Wochenende (10.-12.September 2021) ging es für Deutschlands Schwimm-Routiniers endlich wieder rund: Die 52. Deutschen Meisterschaften “Kurze Strecken” der Masters im Braunschweiger Raffteichbad waren der erste Beckenwettkampf der Masters seit der langen Coronapause. Vor wenigen Wochen wurden bereits die Meistertitel im Freiwasser ausgeschwommen - im 20 Grad kühlen Nass der Aggertalsperre bei Gummersbach. An diesem Wochenende standen die kurzen Strecken von 50m bis 200m auf dem Programm.

507 Aktive aus 205 Vereinen gingen in Braunschweig an den Start. Das sind rund 400 Teilnehmende weniger als noch bei der letzten Meisterschaft 2019 in Karlsruhe. Das Feld war bunt gemischt. Neben einigen Erstlingen des Jahrgangs 2001, die in der AK 20 an den Start gingen, stand auch Gottfried Kläring vom SSV Leutzsch in den Meldelisten. Er war mit 91 Jahren (Jahrgang 1930, AK 90) der älteste Teilnehmer der Veranstaltung. “Ich bin begeistert von der hervorragenden Atmosphäre und dem freundschaftlichem Umgang der Aktiven über alle Generationen hinweg. Sie alle leben unseren Schwimmsport in den Vereinen und gestalten dort das soziale Miteinander”, meinte DSV-Vizepräsident Wolfgang Rupieper anerkennend.

Die Atmosphäre war spürbar gut und die Mastes ließen sich die Strapazen der letzten Monate nicht anmerken. Zwei Welt-, vier Europa- und 28 Deutsche Rekorde fielen am Wochenende in den einzelnen Altersklassen. Besonders erfolgreich: Dagmar Frese. Sie konnte sowohl die 50m (0:40,11) als auch die 100m Brust (01:30,27) in der AK 65 mit deutlichem Abstand für sich entscheiden und stellte in beiden Rennen dabei jeweils einen neuen Weltrekord auf.

Die AK 85 der Herren dominierte der Dresdener Werner Schnabel. Der mehrfache Weltmeister gewann die drei Kraulstrecken und war über die 100m Freistil (01:25,38) schneller als kein anderer Europäer in seiner Altersklasse zuvor. “Ich habe mal gesagt: Wenn ich 70 bin, höre ich auf, dasselbe mit 75. Und jetzt bin ich schon bei 80 gelandet und ein Ende ist zurzeit nicht absehbar”, erklärte er bereits vor der Coronapause gegenüber den Kollegen der Sächsischen Zeitung und scheint dieser Einstellung auch während der Pandemie treu geblieben zu sein. Ebenfalls einen neuen Europarekord schwamm Brigitte Merten von der SG Neukölln Berlin über die 200m Lagen (03:27,77).

Fleißigste Rekordsammlerin in Braunschweig war Christel Schulz (AK 80). Die Schwimmerin aus Rathenow, die bereits auf eine erfolgreiche Profikarriere zurückblicken kann und unter anderem 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom die Bronzemedaille mit der 4x100m Freistilstaffel gewann, zählt seit der Wiedervereinigung zu den erfolgreichsten deutschen Masters-Schwimmerinnen. In Braunschweig verbuchte sie Deutsche Rekorde über die 50m, 100m und 200m Freistil sowie die 100m und 200m Rücken auf ihrem Konto und war mit insgesamt sechs Siegen eine Klasse für sich. Ebenfalls sechsmal konnte sich auch Frank Gruner vom SCW Eschborn in die Siegerlisten einreihen. Er gewann die drei Freistilstrecken sowie die 100m Brust, 50m Schmetterling und 100m Rücken in der AK 50. Sogar acht Titel bei acht Starts sicherte sich Jeanette Seitz in der AK45. Die Ulmerin triumphierte im Braunschweiger Freibad in Freistil, Schmetterling und Brust jeweils über die 50- und 100m-Strecken sowie über die 200m Freistil und Lagen.

Erfolgreichste Schwimmerin der jüngeren Altersklassen war Jennifer Thater. Die mehrfache Welt- und Europameisterin von der SG Dortmund gewann souverän die 50m und 100m Freistil sowie die 50m und 100m Schmetterling in der AK 30 und war dabei sogar schneller als die jüngeren Athletinnen über diese Strecken. Über die 100m Freistil war sie die einzige Athletin, die unter der Marke von einer Minute bleiben konnte. Die Zeiten seien jedoch zweitrangig gewesen, vielmehr stand der Spaß im Vordergrund, meinte sie: “Es war richtig schön endlich wieder viele Freunde aus ganz Deutschland gleichzeitig zu treffen. Nach so langer Zeit hat man gemerkt, dass es genau das ist, was einem bei den Wettkämpfen gefehlt hat.”

Die Veranstaltung diente vor allem dazu, den Wettkampfbetrieb erfolgreich wieder aufzunehmen und die Masters-Familie wieder zusammenzuführen. Diese ganz besondere Atmosphäre wurde gleich am zweiten Wettkampftag spürbar. Anlässlich Ursula Meyer-Tonndorfs 85. Geburtstags wurde im Freibad zu Beginn des 2. Wettkampftages ein Geburtstagsständchen angestimmt. Davon beflügelt konnte sich diese am darauffolgenden Tag über die 50m Rücken (0:57,64) ebenfalls in die deutschen Rekordbücher schwimmen.

Die Meisterschaften haben auch gezeigt: Die Masters bringt so leicht nichts aus der Spur. Im Gegenteil: Nachdem man sich mehr als ein Jahr lang nicht auf nationaler Ebene miteinander messen konnte, ist der Zusammenhalt nun umso stärker. Im November können die Masters das erneut bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Essen unter Beweis stellen.

Die Weltrekorde der Masters-DM 2021:

  • 100m Brust (w, AK 65): Dagmar Frese (SGS Hannover) - 01:30,27
  • 50m Brust (w, AK 65): Dagmar Frese (SGS Hannover) - 00:40,11

Die Europarekorde der Masters-DM 2021:

  • 100m Freistil (m, AK 85): Werner Schnabel (USV TU DResden e.V.) - 01:25,38
  • 200m Freistil (w, AK 75): Brigitte Merten (SG Neukölln e.V. Berlin) - 03:27,77

Die Deutschen Rekorde der Masters-DM 2021:

  • 100m Freistil (w, AK 85): Helga Reich (SC Wiking Herne 1921) - 01:48,15
  • 100m Freistil (w, AK 80): Christel Schulz (SG Einheit Rathenow e.V.) - 01:31,79
  • 100m Freistil (m, AK 60): Claus Swatosch (1. FCN Schwimmen) - 01:00,64
  • 100m Freistil (m, AK 50): Frank Gruner (SCW Eschborn) - 00:55,02
  • 100m Brust (m, AK 50): Frank Gruner (SCW Eschborn) - 01:10,82
  • 200m Rücken (w, AK 80): Christel Schulz (SG Einheit Rathenow e.V.) - 03:53,95
  • 200m Rücken (m, AK 60): Claus Swatosch (1. FCN Schwimmen) - 02:40,03
  • 50m Freistil (w, AK 85): Helga Reich (SC Wiking Herne 1921) - 00:48,55
  • 50m Freistil (w, AK 80): Christel Schulz (SG Einheit Rathenow e.V.) - 0 0:40,59
  • 50m Freistil (m, AK 60): Claus Swatosch (1. FCN Schwimmen) - 00:27,24
  • 100m Rücken (w, AK 80): Christel Schulz (SG Einheit Rathenow e.V.) - 01:47,84
  • 100m Rücken (m, AK 60): Peter Wiese (Bremischer Schwimmverein) - 01:11,88
  • 100m Rücken (m, AK 50): Frank Gruner (SCW Eschborn) - 01:05,48
  • 100m Schmetterling (m, AK 50): André Wrasse (SG Stadtwerke München) - 01:03,56
  • 200m Freistil (w, AK 85): Helga Reich (SC Wiking Herne 1921) - 03:47,08
  • 200m Freistil (w, AK 80): Christel Schulz (SG Einheit Rathenow e.V:) - 03:20,49
  • 200m Freistil (m, AK 85): Werner Schnabel (USV TU Dresden e.V.) - 03:12,41
  • 200m Freistil (m, AK 50): Frank Gruner (SCW Eschborn) - 02:04,31
  • 50m Rücken (w, AK 85): Ursula Meyer-Tonndorf (Düsseldorfer SC 1898) - 00:57,64
  • 50m Rücken (m, AK 60): Peter Wiese (Bremischer Schwimmverein) - 00:32,67
  • 200m Lagen (m, AK 60): Peter Wiese (Bremischer Schwimmverein) - 02:38,87

Bilder: Jennifer Thater