Für Cornelius Jahn waren die Deutschen Meisterschaften Ende April in Berlin der erfolgreichste Wettkampf seiner bisherigen Karriere. Der gebürtige Ahrensburger, der lange am Hamburger Bundesstützpunkt trainierte und seit zwei Jahren an der Ohio State University in den USA studiert, feierte über die 100m und 200m Rücken zwei Meistertitel, glänzte mit zahlreichen Bestzeiten und machte die Qualifikation für die Europameisterschaften in Paris perfekt.
Dort wird Jahn gleich mehrfach gefordert sein: Über alle drei Rückenstrecken, als Startschwimmer der Lagenstaffel sowie in der 4x100m Freistilstaffel wird er die deutschen Farben in Paris vertreten. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf seine bislang größten internationalen Titelkämpfe. "Jetzt Teil einer Europameisterschaft zu sein, die stark besetzt sein wird, da freue ich mich auf jeden Fall sehr drauf", blickt der 23-Jährige voraus.
Dabei verliefen die letzten Jahre nicht immer geradlinig. Sowohl die Olympischen Spiele als auch die zurückliegenden Weltmeisterschaften in Singapur verpasste Jahn jeweils nur knapp. Besonders ärgerlich war die verpasste Qualifikation für einen Startplatz in der deutschen WM-Lagenstaffel, denn in der Addition der Zeiten fehlte gerade einmal eine halbe Hundertstelsekunde zum WM-Ticket. "Das war natürlich bitter", blickt Jahn zurück. Doch aus der ursprünglichen Enttäuschung zog er schnell neue Motivation, richtete den Blick nach vorne und arbeitete gezielt an seiner Leistungsentwicklung – mit Erfolg, wie die aktuelle Saison eindrucksvoll zeigt.
Der endgültige Durchbruch bei den Deutschen Meisterschaften kam deshalb nicht überraschend. Dazu zählen auch die starken Leistungen über seine Nebenstrecke 100m Freistil – inklusive gelungener Staffelqualifikation: "Ich freue mich, dass es geklappt hat, dass ich auch da einen Riesensprung gemacht habe und vorne mit dabei bin".
Für die anstehenden Europameisterschaften in Paris hat sich Cornelius Jahn konkrete Ziele gesetzt. Neben neuen Bestzeiten soll es erstmals mit dem Sprung ins Finale klappen. Bei der EM 2024, die aufgrund der Olympischen Spiele weniger stark besetzt war, hatte er dieses Ziel noch knapp verpasst. Die größten Chancen rechnet sich der Deutsche Meister über die 200m Rücken aus. Dort gelang ihm in diesem Jahr der größte Leistungssprung, auch dank der gezielten Arbeit an Ausdauer und Stehvermögen. Auch der Deutsche Rekord, den Lukas Märtens zuletzt im April verbesserte, ist dabei ins Blickfeld geraten und liegt weniger als eine Sekunde unter der Bestzeit von Jahn: "Das ist nicht das ausschlaggebende Ziel, aber natürlich hat man das schon ein bisschen im Kopf."
Langfristig richtet sich der Blick bereits fest auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, Bis dahin möchte Jahn seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen und weiterhin Studium und Schwimmen in den USA miteinander verbinden. Die Entscheidung für den Schritt über den Atlantik fiel ihm einst nicht leicht. In Deutschland hatte der Wirtschaftsstudent zunächst versucht, Unialltag und Spitzensport parallel zu organisieren – mit begrenztem Erfolg und dem ständigen Gefühl, sich zwischen beidem entscheiden zu müssen. Mit seinem Wechsel in die USA verlor er dann sogar seinen Kaderstatus, nahm diesen Nachteil aber bewusst in Kauf. Rückblickend habe sich dieser Schritt auf jeden Fall ausgezahlt. Besonders das starke Teamgefühl an der Ohio State habe ihn geprägt.
Auch deshalb wird Cornelius Jahn große Teile seiner EM-Vorbereitung in den USA absolvieren, wo er seit den Deutschen Meisterschaften wieder seine Bahnen zieht. Geplant sind Starts bei der Pro Swim Series in Indiana Mitte Juli sowie bei den Finals in Hannover, gefolgt von einem kurzen Trainingsaufenthalt in Hamburg, bevor das Vorbereitungstrainingslager des Deutschen Schwimm-Verbands in Saarbrücken beginnt.
In Paris will Jahn nun auf der internationalen Bühne den nächsten großen Schritt machen – und zeigen, dass sein Durchbruch bei den Deutschen Meisterschaften erst der Anfang war.
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