Mit 19 Jahren hat Hannah Weiand bereits einen großen Schritt gewagt: Die Schwimmerin der SG Bayer Wuppertal hat ihr erstes Jahr an der California Baptist University in den USA absolviert – und blickt auf eine ereignisreiche, lehrreiche Zeit zurück.
Bevor sie den Schritt in die USA wagte, gönnte sich Hannah nach dem Abitur zunächst eine bewusste Auszeit. In diesem Jahr reifte dann schnell die Entscheidung, ins Ausland zu gehen, um dort nicht nur zu studieren, sondern auch das Schwimmen weiterhin auf Leistungsniveau ausüben zu können. Der Wunsch, Psychologie zu studieren, brachte in Deutschland aufgrund des hohen NC zusätzliche Hürden mit sich. Gleichzeitig hörte Hannah viele positive Erfahrungsberichte aus den USA und hatte schon in der zehnten Klasse mit dem Gedanken an ein Auslandsjahr gespielt.
Der konkrete Weg nach Kalifornien führte sie über Scholarbook. Dort erstellte sie zunächst ihr persönliches Profil und ein Video, woraufhin sich die Coaches zahlreicher Unis mit konkreten Angeboten zurückmeldeten. "Das ist ein Prozess, der unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen kann – auch abhängig davon, wie viel Zeit man selbst investiert", erinnert sich Hannah. Am Ende fiel die Wahl auf die California Baptist University, eine private Division I Universität: sonniges Kalifornien, Training im Freien, neue Perspektiven.

Das erste Semester stand ganz im Zeichen der Eingewöhnung – neues Umfeld, neue Trainingsstrukturen, ein neuer Alltag. Zu Beginn des zweiten Semesters folgte dann bereits im Februar der Saisonhöhepunkt mit den Conference Championships. Hannah machte im Laufe der Saison große Leistungssprünge, die sie entsprechend zufrieden zurückblicken lassen. Ein besonderes Highlight erlebte die Medaillengewinnerinnen bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften bei einem Midseason-Wettkampf in Utah: Über 400 Yards Lagen, eine Nebenstrecke, stand das gesamte Team an der Wendeseite und feuerte sie lautstark an. "Das war ein Gefühl von besonderer Bestätigung und Unterstützung", schwärmt Hannah noch immer.
Aktuell besteht das Damenteam an der California Baptist University aus etwas mehr als 20 Schwimmerinnen, ab der kommenden Saison soll auf 30 Athletinnen aufgestockt werden. "Da wird etwas Großes und Neues aufgebaut – das wird sicherlich sehr aufregend." Das Training ist sehr spezifisch und klar auf die Strecken ausgerichtet, über die bei den Conference Championships jeweils gestartet wird. Die Trainingstage stehen meist unter einem ausgewählten Schwerpunkt: Lagentag, Race Pace in der Hauptschwimmart, Ausdauer. Die einzelnen Einheiten sind oft kürzer, dafür intensiver – meist steht ein einzelnes Mainset komplett im Fokus.
Besonders im Kraftbereich habe Hannah in ihrem ersten Jahr in den USA große Fortschritte gemacht, die sie auch im Wasser deutlich spürt. Hinzu kommt ein sehr gezieltes Techniktraining in ihrer Hauptschwimmart Brust: die eigene Wasserlage besser verstehen, Details verfeinern, effizienter schwimmen. Mindestens genauso prägend war für sie jedoch das Teamgefühl: "Egal was bei mir gerade im Leben abgeht, mein Team ist für mich da und ich bin für mein Team da. So schwimmt man ganz anders, als wenn man denkt: Ich stehe alleine hinter dem Block.". Trotz gelegentlichem Heimweh habe sie sich von Beginn an sehr warmherzig in ihrer neuen Heimat aufgenommen gefühlt.

Die Entscheidung für eine Universität der Division I, der höchsten sportlichen Collegeliga in den USA, traf Hannah damals bewusst. Heute hat sie jedoch auch eine große Anerkennung für Division II Programme, nicht zuletzt durch den Kontakt zu anderen deutschen Schwimmerinnen und Schwimmern. "Ich bin sehr offen dem gegenüber, was jetzt in der Zukunft noch kommen wird", blickt sie auf die nächsten Jahre in den USA voraus.
Zuletzt musste Hannah auf einen Start bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin verzichten, da die Titelkämpfe mitten in ihrer finalen Klausurenphase lagen. Nachschreiben wäre theoretisch möglich gewesen, doch im ersten Jahr wollte sie sich zunächst mit den Uni-Abläufen vertraut machen. In den aktuellen Semesterferien trainiert sie wieder in ihrer Heimat Wuppertal und plant, im Sommer noch einige Wettkämpfe zu bestreiten: "Die Saison ist für mich mental noch nicht beendet.".
Anderen deutschen Nachwuchstalenten, die sich für ein Studium in den USA interessieren, möchte Hannah vor allem Offenheit mitgeben: Es sei eine riesige Chance, die man nutzen sollte. Vieles – von der Lebenseinstellung bis zur Teammentalität – könne man später mit nach Deutschland zurücknehmen. Ihr konkreter Rat: "Es wird eine super aufregende Zeit. Lasst euch nicht zu sehr unter Druck setzten, sondern lebt im Moment und genießt die Zeit.".
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Bilder: privat