Fast alle von uns mussten schon da durch und viele stellen sich sogar regelmäßig dieser Herausforderung: Training im öffentlichen Badebetrieb. Während viele von jenen, die hier ihre Bahnen ziehen, dies aus gesundheitlichen Gründen oder als lockere sportliche Betätigung tun, wollen wir richtig ranklotzen und Meter machen. Oft ist das mit einigen Hürden verbunden. Wir geben euch daher ein paar Tipps, wie ihr diese am besten umschiffen könnt und damit auch dazu beitragt, den Frieden in den Schwimmhallen zu erhalten. Denn egal ob Profis oder Hobby-Wasserraten, alle von uns lieben es gleichermaßen, sich im Becken zu tummeln.
Flexibilität statt Frustration
Die Vielfalt im öffentlichen Badebetrieb ist groß. Kids und Eltern, rüstige Routiniers, die Generation Instagram auf dem Weg zum perfekten Body für das nächste Bild und natürlich all jene, die ambitioniert ihre oft sehr unterschiedlichen Trainingsziele verfolgen. Bei diesem kunterbunten Gewusel lassen sich geplante Trainingssets oft nicht so wie vorgesehen umsetzen. Die oberste Regel lautet daher: Sei flexibel und nimm’s locker! Keinem bricht ein Zacken aus der Krone, wenn man die Pause mal fünf Sekunden länger oder kürzer gestaltet. Schwimm vorausschauend, beobachte, wann sich Lücken ergeben und nutze diese. Als trainierter Wettkampfschwimmer liest man das vielleicht nicht gern, aber: Es gibt kein Vorrecht, nur weil man vielleicht etwas schneller ist als viele andere. Das Schlagwort „gegenseitige Rücksichtnahme“ gilt für alle.
Schwimm gegen den Strom
Die Temperaturen steigen, der Sommer ist da! Perfekt, um ins Freibad oder an den See zu gehen. Oder zum Training in die Schwimmhalle. Sollte diese auch in der Freibadsaison geöffnet sein, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um in Ruhe ein paar Trainingsbahnen abzuspulen. Die Freizeitschwimmer sind am See, viele unserer Triathlon-Freunde nutzen das gute Wetter, um sich aufs Rad zu schwingen und die Schwimmhalle bietet daher jetzt ungewohnt viel Platz. Auch für alle, die nicht mehr die Schulbank drücken müssen, lohnt es sich übrigens die Ferienzeiträume des eigenen Bundeslandes zu kennen. Meist gibt es in diesen Sonderöffnungszeiten der Schwimmhallen, auch weil viele Vereine, die sonst Bahnen belegen, im Trainingslager sind.
Es gibt keine schlechten Bedingungen, nur zu wenig Fantasie
Wer im öffentlichen Badebetrieb nicht einfach nur entspannt seine Bahnen ziehen will, sondern ein bestimmtes Ziel verfolgt – sei es eine Bestzeit oder der Formaufbau für den nächsten Wettkampf – der benötigt einiges an Fantasie, um die oben angesprochene Flexibilität an den Tag legen zu können. Intensitäten trotz vollem Becken? Kein Problem. Jeder Überholvorgang ist ein kleiner Zwischensprint und simuliert Training im Wechseltempo. Statt der eigentlich geplanten Gesamtlage kann es sich auch anbieten, auf Arme- oder Beine-Sets umzuschwenken. Oder man passt sich dem Tempo der Mitschwimmenden an: Widerstandshose an und schon hat man einen ordentlichen Trainingseffekt ohne ständig auf andere aufzulaufen.
Mach Freunde statt Krawall
„Erstmal 50m Schmetterling Vollgas, dann ist die Bahn frei!“ Diesen vermeintlich tollen Tipp habt ihr sicher schon von gestandenen Schwimm-Routiniers gehört, die sich zum Training ins öffentliche Schwimmbad begeben. Kann man machen – darf sich dann aber auch nicht beschweren, wenn die anderen auf uns auch keine Rücksicht nehmen und zum Beispiel mal am Beckenrand warten, bis wir gewendet haben. Statt auf Krawall gebürstet zu sein, bietet es sich oft viel mehr an, die Augen offen zu halten nach anderen, ambitionierten Mitschwimmern. Dann hat man vielleicht nach ein paar Wochen schon eine Clique beisammen und kann gemeinsam die Bahnen ziehen, sich Startsignale geben, gegenseitig stoppen oder auch mal ein Video machen – fast wie in einer „richtigen“ Trainingsgruppe.
Finde die Muster
Die Bedingungen in öffentlichen Bädern können zwar sehr unterschiedlich sein, doch wenn man das Geschehen aufmerksam beobachtet, kann man oft Muster erkennen. Die 25m-Halle in der Südstadt ist so vielleicht besonders an Dienstagen sehr voll, während das 50m-Becken in der Nachbarstadt genau zu dieser Zeit ideale Schwimmbedingungen bietet. Erkunde daher die Umgebung auf der Suche nach den perfekten Schwimmtempeln und plane dein Training entsprechend dieser Erfahrungen. Ausdauerserien bieten sich zum Beispiel an, wenn man ein vergleichsweise leeres Becken hat und daher gleichmäßig schwimmen kann. Intensitäten und Sprints kann man (bis zu einem gewissen Maße) auch bei voller Halle ansetzen. Irgendwann findet man so nicht nur möglichst gute Bedingungen, sondern kommt auch in einen richtigen Trainingsrhythmus.
Dieser Artikel erschien in der Sommerausgabe 2022 des swimsportMagazine. Alle noch verfügbaren Ausgaben der Zeitschrift für den Schwimmsport können im großen swimsportMagazine-Paket bestellt werden. Zum Sonderpreis erwarten euch hier mehr als 1500 Seiten geballtes Schwimmwissen --> Das swimsportMagazine-Paket