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(09.06.2024) Als Teil der 4x200m Freistilstaffel der Damen wird Nele Schulze in Paris ihr olympisches Debüt feiern. In den letzten Jahren ist die Freistilspezialistin auf der internationalen Bühne zu einer wichtigen Figur für die deutschen Schwimmquartette geworden. Ein Blick in die Vergangenheit verrät jedoch, dass dieser Weg alles andere als selbstverständlich war. Die 20-Jährige hat einen Großteil ihres Lebens nämlich gar nicht in Deutschland, sondern im benachbarten Dänemark verbracht.

Dorthin entschieden sich ihre Eltern in Neles ersten Lebensjahren auszuwandern und dort begann sie im jungen Alter auch mit dem Schwimmen, wo ihr Talent frühzeitig entdeckt und gefördert wurde. Da Nele jedoch weiterhin ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft inne hatte, ergaben sich frühzeitig erste Herausforderungen als es um die Startberechtigung bei international Wettkämpfen ging. Als sie sich mit 13 Jahren für einen ersten solchen Wettkampf qualifizierte, durfte das Nachwuchstalent nicht für ihre damalige Heimat Dänemark antreten. Gemeinsam mit ihren Eltern entschied sie sich dann, fortan nach Flensburg zu pendeln, um dort zu trainieren. Das ständige Pendeln wurde bald zu einer Belastung und so zog Nele als 16-Jährige dann endgültig nach Deutschland zurück - zunächst nach Hamburg. Als ihr Trainer Florian Zarp wenige Zeit später dann jedoch an den Bundesstützpunkt in Berlin wechselte, beschloss auch Nele, dem eine Chance zu geben. 

"Seitdem bin ich wunschlos glücklich hier."

In der Trainingsgruppe von Lasse Frank bestreitet die mehrfache Deutsche Meisterin ihr Training seitdem gemeinsam mit anderen nationalen Schwimm-Assen wie Angelina Köhler und Ole Braunschweig, die diesen Sommer als Trio in Paris an den Start gehen werden. In dieser starken Trainingsgruppe, in der das gesamte Team mit Olympiaambitionen in die Saison gestartet ist, fühlt sich Nele mittlerweile super wohl, auch wenn es angesichts der Lebens- und Trainingsumstellung ein wenig Zeit gebraucht hat, um in der neuen Heimat so richtig anzukommen. Nele erzählt, dass sie vor ihrem Wechsel nach Berlin oft mit dem Gedanken in die Schwimmhalle gekommen ist: "Je mehr man trainiert, desto besser und immer drauf da." In den letzten Jahren hat sie dann jedoch verstärkt gemerkt, dass auch Themen wie Schlaf und Erholung sehr wichtig sind.

In der laufenden olympischen Saison fokussiert sich Nele ausschließlich auf das Schwimmen, was unter anderem durch die Sportförderung der Bundeswehr ermöglicht wird. "Ich bin extrem dankbar, dass ich es im Moment so machen kann, mich nur auf das Schwimmen zu konzentrieren", erzählt Nele Schulze. "Das war etwas, das schon immer ein Traum war". Die erfolgreiche Olympiaqualifikation spricht zweifellos dafür, dass sich dieser Fokus auf den Leistungssport bewährt hat. 

 "Ich hatte ein krasses Vertrauen in mich selbst, in mein Training und das was ich leisten kann."

Bereits im ersten Wettkampf des Qualifikationszeitraums für die Titelkämpfe in Paris, konnte sich Nele dank starker Zeiten auf den 200m Freistil für einen Staffelplatz empfehlen, den sie dann bei der Deutschen Meisterschaft mit noch schnelleren Zeiten perfekt machte. Die Wochen dazwischen waren emotional ziemlich belastend und durch Nervosität geprägt, aber gleichzeitig auch eine sehr schöne und aufregende Zeit. In enger Zusammenarbeit mit einer Psychologin, fand die aussichtsreiche Olympiakandidatin Wege sich abzulenken und sich vermehrt auf Erholung und eine ausgewogene Ernährung zu konzentrieren.

Ursprünglich war die Schwimmerin der SG Neukölln Berlin mit dem Ziel in die Saison gestartet, die Einzelnorm für Paris über die 200m Freistil zu knacken. Die Enttäuschung über die verpasste Norm war, wie Nele selbst berichtet, am Anfang ziemlich groß, doch seitdem überwiegt die Freude über den erreichten Staffelplatz im Olympiateam. Im entscheidenden Finallauf bei den Deutschen Meisterschaften brauchte sie nach dem Anschlag einige Momente Zeit, um anhand der ihrer eigenen Zeiten und denen der nationalen Konkurrenz zu realisieren, dass es tatsächlich für den Staffelplatz gereicht hat. "Mathe ist eigentlich nicht meine Stärke, aber in dem Moment konnte ich es plötzlich und habe gewusst, dass ich mir tatsächlich das Ticket für Paris gesichert habe.", erinnert sich Nele.

Bild: Tino Henschel

In Hinblick auf ihre ersten Olympischen Spiele freut sie sich neben dem Staffelrennen vor allem auch auf die Eröffnungsfeier. "Ich glaube ich werde bei der Eröffnungsfeier die ganze Zeit weinen und eine Gänsehaut haben.", sagt Nele voraus. Insgesamt möchte das noch junge Schwimmtalent dieses besondere Erlebnis einfach genießen, denn dafür hat sie die vergangenen zehn Jahre tagtäglich gearbeitet. Wenn dabei dann auch noch eine neue Bestzeit herausspringen würde, wäre das Olympiamärchen perfekt. Um in wenigen Wochen in Paris dann die bestmögliche Leistung zu erzielen, trainiert Nele Schulze aktuell in ihrer Berliner Heimat und absolviert einzelne Einheiten in der Höhenkammer, bevor es dann in der zweiten Junihälfte ins Höhentrainingslager in die Türkei geht. Nach der Olympiaeinkleidung steht außerdem noch ein unmittelbares Vorbereitungstrainingslager in Berlin mit großen Teilen des Olympiateams an, bevor es dann endlich heißt: Paris, here we come!

"Mein Ziel ist es, dass die Olympischen Spiele in Paris nicht meine Letzten sind."

Nele Schulze konnte in den letzten Jahren bereits wertvolle Erfahrungen auf der internationalen Bühne sammeln. Zu ihren größten Erfolgen zählen zweifellos die zwei Finalteilnahmen bei der WM in Fukuoka im vergangenen Jahr sowohl mit der 4x100m Freistil als auch 4x100m Lagen Mixedstaffel. Und auch bei den Europameisterschaften in Rom 2022 stand die damals 18-Jährige gemeinsam mit dem 4x100m Lagenquartett der Damen im Endlauf. 

In den nächsten Jahren soll neben weiteren Teilnahmen bei internationalen Titelkämpfen dann auch irgendwann eine olympische Medaille hinzukommen. "Ich glaube fest daran, dass ich das schaffen kann", blickt Nele optimistisch auf die Zukunft. Das Allerwichtigste sei es jedoch, weiterhin das zu tun, was sie glücklich macht und die Freude am Schwimmen nicht zu verlieren. 

Denn auch wenn Nele Schulze sehr viel positive Energie ausstrahlt, ist die Realität oftmals komplexer. In unserem Interview sprach sie erstmals öffentlich über mentale Herausforderungen, zu denen Panikattacken und eine posttraumatische Belastungsstörung zählen. Langezeit fragte sie sich: warum habe ich mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen? Durch die enge Zusammenarbeit mit einer Psychologin kann Nele mittlerweile jedoch auch verstärkt die positiven Seiten sehen. Die Auseinandersetzung mit ihrer mentalen Gesundheit hat ihr nicht nur innere Stärke gegeben, sondern auch ihre Wertschätzung der positiven Momente verbessert. Zudem ist Nele traumabedingt übersensibilisiert und kann Dinge besser erspüren, was ihrem Wassergefühl zu Gute kommt. "Das Wichtigste ist es, zu akzeptieren, dass es so viele Tiefs wie auch Hochs geben wird.", reflektiert das ehrgeizige Schwimmtalent. Nachdem sie lange geschwiegen hat, möchte Nele nun offen über das Thema mentale Gesundheit sprechen, auch wenn sie sich dadurch möglicherweise angreifbar macht. So möchte sie andere Personen mit ähnlichen Diagnosen inspirieren und zeigen, dass sich sportliche Träume nichtsdestotrotz realisieren lassen. 

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