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30. Juni 2024

(28.06.2024) Vor gut einer Woche feierte Melvin Imoudu mit dem Gewinn der Goldmedaille bei der EM über die 100m Brust seinen bisher größten sportlichen Erfolg. Als amtierender Europameister wird der aktuell beste deutsche Brustschwimmer dann in gerade einmal einem Monat auch bei den Olympischen Spielen mit in das Geschehen eingreifen und dort zweifellos von der internationalen Konkurrenz im Blick behalten werden. 

Denn auch wenn die Qualifikation für seine ersten Olympischen Spiele das klare Ziel für die laufende Saison war, hatte der 25-jährige Potsdamer bislang vor allem auf den kürzeren und nicht-olympischen 50m Brust für Aufsehen gesorgt. So verbesserte er im Rahmen der Olympiaqualifikation gleich zweimal den Deutschen Rekord über diese Strecke. Im Interview mit uns verrät Melvin, dass er sein Training in der olympischen Saison dennoch nicht speziell für die 100m Strecke umgestellt hat. "Die 50 Meter liegen mir einfach sehr gut und funktionieren neben der längeren Strecke einfach auch so. Mein Training konzentriert sich schon lange auf die 100 Meter. Für den Sprint ist kein gesondertes Einzeltraining nötig", erklärt der Brustspezialist. 

"Es ist sehr viel Druck von mir abgefallen."

Dass Melvin Imoudu mittlerweile über beide Bruststrecken absolute Weltklassezeiten ins Becken zaubern kann, bewies er zuletzt eindrucksvoll beim ersten Olympia-Qualifikationswettkampf in Eindhoven, wo er neben dem Deutschen Rekord auch direkt das Ticket für Paris lösen konnte. "Es ist sehr viel Druck von mir abgefallen", reflektiert der erfahrene Nationalmannschaftsschwimmer. Nachdem er bereits im vergangenen Jahr schneller als die geforderte Normzeit geschwommen war, wusste Melvin, dass die Quali für Paris auf jeden Fall möglich ist. Nichtsdestotrotz war der Moment, in dem es dann wirklich geschafft war, ein sehr emotionaler: "Ich kann das immer noch nicht so ganz realisieren. Ich denke, wenn man dann wirklich vor Ort im Olympischen Dorf angekommen ist und sieht, wie groß die Veranstaltung wirklich ist, dann wird nochmal einiges an Aufregung dazukommen.". 

Die Entscheidung, nur wenige Wochen vor den olympischen Titelkämpfen in Paris auch bei den Europameisterschaften an den Start zu gehen, hat Melvin in Absprache mit seinem langjährigen Trainer Jörg Hoffmann getroffen. "Ich brauche immer viele Wettkämpfe und viele Gelegenheiten, wo ich mich mit der internationalen Konkurrenz messen kann", erzählt der frischgebackene Europameister im Interview mit uns, welches noch vor der EM stattgefunden hat. 

Nachdem er in jungem Alter von seinem Opa zum Schwimmen gebracht wurde, trainiert Melvin nun bereits seit vielen Jahren am Olympiastützpunkt in Potsdam unter Jörg Hoffmann. "Potsdam ist für mich einfach einer der besten Stützpunkte, die wir in Deutschland haben. Vor allem im Zusammenspiel zwischen Schule und Sport", erzählt er. Nachdem der ehemalige Sportschüler mittlerweile gut die Hälfte seines Lebens in Potsdam verbracht hat, sei die Stadt zudem einfach auch ein Stück weit Zuhause geworden. Nichtsdestotrotz hatte Melvin nach dem Abitur auch mal mit dem Gedanken gespielt, fortan im Ausland zu trainieren. Da ihn im Endeffekt jedoch keine der Möglichkeiten so richtig reizte, blieb er in Potsdam und begann dort ein Polizeistudium, welches in Hinblick auf Olympia zurzeit aber eher auf Sparflamme läuft, da sich die Vorlesungen oftmals mit den Trainingszeiten überschneiden. Voraussichtlich Ende nächsten Jahres wird der zukünftige Polizeikommissar dann aber sein Studium abschließen und überlegt, danach eventuell doch noch den Schritt ins Ausland zu wagen, "um einfach mal ein bisschen was anderes zu erleben". 

"Mein Ziel ist es auf jeden Fall, es ins Finale zu schaffen"

Nach den erfolgreichen Europameisterschaften in Belgrad wird Melvin Imoudu nun gemeinsam mit Teilen des Olympiateams ein Trainingslager auf Lanzarote absolvieren, bevor es direkt vor den Olympischen Spielen noch für ein paar Tage zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung nach Berlin geht. Bei seiner Olympia-Premiere wird er neben den 100m Brust voraussichtlich auch als Teil der deutschen 4x100m Lagen Staffel - sowohl bei den Herren als auch im Mixed - an den Start gehen. In Hinblick auf seine sportlichen Ziele für die Titelkämpfe in Paris nimmt Melvin insbesondere die Finalteilnahme über die 100m Brust ins Visier: "Ich will jetzt nicht von möglichen Deutschen Rekorden reden, aber mein persönliches Ziel ist es auf jeden Fall, es ins Finale zu schaffen. Wie weit nach vorne es dort dann geht, steht völlig offen.". 

Neben starken internationalen Schwimm-Assen kommt die Konkurrenz mit Lucas Matzerath auch aus dem eigenen Team. Bereits seit Jahren duellieren sich die beiden Brustschwimmer bei zahlreichen Wettkämpfen nicht nur um Edelmetall sondern auch die Deutschen Rekorde und Staffelplätze. "Es ist eine gute Möglichkeit sich miteinander zu messen und auch im Training voneinander zu lernen. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für uns", spricht Melvin über den Deutschen Rekordhalter über die 100m Brust. Im Juniorenbereich trennte die beiden lediglich eine Altersklasse, weshalb sie sich bereits seit vielen Jahren kennen und gegeneinander schwimmen. 

"Ich bin aktuell auf dem Höhepunkt meiner Karriere"

Das Jahr 2024 scheint für Melvin Imoudu bislang wirklich ein besonders Erfolgreiches zu sein, das nach den deutschen Rekorden und der gelungenen Olympiaqualifikation nun von dem Europameistertitel gekrönt wurde. Doch bis zur erfolgreichen WM-Qualifikation im vergangenen Jahr erlebte der Schwimmer für einige Zeit einen Leistungsstillstand. Im Gespräch mit uns erinnert sich Melvin an diese Zeit aus der er emotional viel mitgenommen hat: "Ich denke, das war eine wichtige Zeit für mich, in der ich gelernt habe mit Niederlagen umzugehen und daraus wieder stärker hervorzukommen". Und das mit sichtlichem Erfolg. 

Nach den Titelkämpfen in Paris möchte Melvin Imoudu den Leistungssport auf jeden Fall fortsetzen und peilt bereits die nächsten Olympischen Spiele 2028 an. "Ich bin aktuell auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Ich war noch nie so schnell und ich denke, dass ich da noch ein paar Schippen drauflegen kann und über die Jahre noch ein bisschen was dazulerne", blickt der Europameister ehrgeizig voraus. Die nächste Gelegenheit, um noch eine jener Schippen draufzulegen, bietet sich ihm in wenigen Wochen in Paris!