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(27.02.2013) Auch bei den Weltmeisterschaften in Barcelona werden die Kampfrichter am Beckenrand wohl nicht durch Unterwasserkameras unterstützt. Der Weltverband FINA verschob am vergangenen Wochenende eine endgültige Entscheidung in dieser Frage. Stattdessen könnte dem Schwimmsport demnächst eine ganz andere Neuerung bevorstehen: Offenbar gibt es ernsthafte Überlegungen, die Einschränkung der Delphin-Beinbewegungen während der Unterwasserphase im Brustschwimmen komplett aufzuheben.


Seit Jahren ist die Unterwasserphase nach Start und Wende beim Brustschwimmen eines der heißesten Streitthemen im internationalen Schwimmsport. Konkret geht es um die Anzahl und Ausführung von Delphin-Beinschlägen. Diese sind deutlich schneller als die "herkömmliche" Unterwasserbewegung beim Brustschwimmen. Aktuell darf nach Start und Wende während des ersten Armzuges der Tauchphase einer dieser "Delphin-Kicks" ausgeführt werden. Das Problem dabei besteht darin, dass die korrekte Ausführung der Bewegung von den am Beckenrand stehenden Kampfrichtern nur schwer einzusehen ist und daher Regelverstöße oft ungeahndet bleiben.

Olympiasieger van der Burgh gestand "illegale Kicks"

Für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang Olympiasieger Cameron van der Burgh. Nach seinem Sieg über die 100m Brust in London gab der Südafrikaner offen zu, während der Unterwasserphase nach dem Start mehrere Delphin-Beinschläge ausgeführt zu haben. "Alle machen es. Wer es nicht macht, liegt hinten und verschafft sich selbst einen Nachteil", erklärte van der Burgh. Tatsächlich zeigen Fernsehbilder der Unterwasserphasen, dass die illegalen Kicks der Brustschwimmer gerade unter den Spitzenschwimmern weit verbreitet sind.

Kein Beschluss für Einführung der Kameras durch FINA Exekutive

Eine der bislang am weitesten diskutierten Lösungen für dieses Problem ist die Einführung von Unterwasserkameras bei internationalen Top-Events. Schon seit zehn Jahren wird dieses Thema heiß debatiert. In den USA gab es bereits erste erfolgreiche Tests. Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Rom und 2011 in Shanghai gab es seitens des Weltverbandes FINA Bestrebungen, diese Art des Videobeweises einzuführen. Damals scheiterte es unter anderem an den finanziellen Vorbehalten der Ausrichter. Wie das online-Portal swimnews.com nun erfuhr, wird es wohl auch bei der diesjährigen WM in Barcelona keine Unterwasserkameras für die Kampfrichter geben. Nachdem das FINA Bureau auf seiner Sitzung am vergangenen Wochenende die Einführung der Videohilfen ablehnte, kann eine Entscheidung für oder wider deren Einführung frühestens durch den FINA Kongress gefällt werden. Dieser tagt direkt vor Beginn der Weltmeisterschaften in Barcelona.

LEN-Vorschlag: Freigabe von Unterwasser-Delphinkicks beim Brustschwimmen

Stattdessen wurde nun eine ganz andere Idee publik: Wie der Präsident des russischen Schwimmverbandes Vladimir Salnikov erklärte, zieht es die FINA in Erwägung, den Schwimmern nach dem Start auch beim Brustschwimmen während der maximal 15m langen Tauchphase die Ausführung von Delphinkicks uneingeschränkt zu erlauben. Dies äußerte der einstige Weltklasse-Freistilschwimmer in einem offenen Brief an die Athleten seines Landes. Laut Salnikov geht die Idee auf eine Initiative der europäischen Schwimmverbandes LEN zurück. Eine solche Regeländerung würde eine Revolution des Brustschwimmens bedeuten. Da die Delphinbeinbewegung in der Unterwasserphase deutlich schneller ist, könnten die Rekorde über die Bruststrecken in kürzester Zeit purzeln. Der Vorschlag soll dem FINA Kongress, welcher sich aus Vertretern der nationalen Mitgliedsverbände zusammensetzt, präsentiert und noch vor der WM zur Abstimmung gebracht werden. Es versprechen schon vor dem Beginn der Weltmeisterschaften in Barcelona ein paar heiße Tage für den Schwimmsport zu werden.