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(02.10.2019) Während Deutschland am Donnerstag den Jahrestag seiner Einheit feiert, ringt am selben Datum auch der Deutsche Schwimm-Verband um einen gemeinsamen zukünftigen Weg. Bei der Mitgliederversammlung, die seit Einführung der neuen Satzung den Verbandstag ersetzt, soll über ein neues DSV-Präsidium angestimmt werden.

Notwendig wird das, weil der DSV seit nunmehr zehn Monaten lediglich von einer Interimsspitze geleitet wird. Man hat es kaum gemerkt, denn in den zurückliegenden Monaten hat sich in der Verbandsstruktur einiges bewegt, aber seit dem Rücktritt von Präsidentin Gabi Dörries im Dezember 2018 lenken "nur" die Vize-Präsidenten Uwe Brinkmann (Recht) und Wolfgang Hein (Verbandsentwicklung) sowie Sportdirektor Thomas Kurschilgen den Verband. 

Um dieser Zwischenlösung ein Ende zu bereiten, beschloss das Führungsgremium im Frühjahr, dass sich eine Findungskommission unter der Leitung von Dörries' Vorgängerin Christa Thiel auf die Suche nach einem neuen DSV-Oberhaupt machen solle. Die mittlerweile als Ehrenpräsidentin fungierende Thiel holte sich die langjährige Spitzenschwimmerin Britta Kamrau-Fiedler, den einstigen ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz und den Präsidenten des Basketballverbands, Ingo Weiss, an die Seite.

Und so machte sich das Quartett ab Juni auf die Suche. Doch wonach eigentlich? Nach einem neuen Namen für das Präsidentenamt oder einem ganzen Präsidiumsteam? Genau diese Frage sorgte nun wenige Wochen vor der Mitgliederversammlung für öffentliche Schlagzeilen. Der Vorschlag der Findungskommission: An die Spitze des Verbands soll künftig Peter Obermark treten, der bereits zu Thiels "Regierungszeit" als Vize-Präsident tätig war und den Bereich Finanzen verantwortete, wobei er durchaus nicht unumstritten war. Neben ihm sollen die Ex-Schwimmerin Anne Poleska, der langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Schwimmjugend Kai Morgenroth sowie der Rechtsanwalt Klaus Woryna das Präsidium ergänzen, so die Idee.

Nicht unter den Vorschlägen fanden sich hingegen die bisherigen Vize-Präsidenten. Das sorgte für Verwirrung. Ein Ersatz für sie wäre an sich nicht notwendig, denn während Gabi Dörries und die damalige Vize-Präsidentin für Finanzen Andrea Thielenhaus im Dezember 2018 zurücktraten, verlängerten sich die Mandate von Hein und Brinkmann bis 2022. Dass Thiel dennoch auch Vorschläge für die weiteren Präsidiumsposten machen würde, war bereits im Sommer absehbar. Im August zierte ein Vorwort von ihr das DSV-Blatt "swim&more", das immerhin als offizielles Verbandsorgan die Mitglieder anspricht. Dabei schreibt Thiel man habe Profile für das Präsidentenamt "aber auch für die Vize-Präsidenten-Ämter" (Mehrzahl) entwickelt.

Wolfgang Hein konterte in der der Folgeausgabe, Aufgabe der Findungskommission sei es gewesen für das Präsidentenamt eine "Person mit Strahlkraft" vorzuschlagen. Zudem schreibt er: "Weiterhin ist ein/e Vizepräsident/in Finanzen zu wählen" - Einzahl.  Worüber wird also am Donnerstag entschieden? Auf der Tagesordnung stehen nur die Wahl für das Präsidentenamt und den Posten als Vize-Präsident/in Finanzen.

Ob das aber das letzte Wort ist, bleibt abzuwarten. Schon beim Verbandstag im Dezember 2018 wirbelte ein eher unscheinbarer Antrag zur Verschiebung der Diskussion über die neue Finanzordnung die Geschehnisse durcheinander und sorgte letztlich für den Rücktritt der damaligen Präsidentin. Es könnte also mal wieder heiß hergehen, wenn die DSV-Mitglieder über ihre zukünftige Führung entscheiden. Ob es ein Tag der Einheit für den Deutschen Schwimm-Verband wird, bleibt abzuwarten.