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(08.05.2019) Egal welche in welcher Schwimmart, bei einem 50m-Sprint kommt es darauf an, sich in kürzester Zeit größtmöglich zu mobilisieren und seine gesamte Energie in diese maximal 30 bis 40 Sekunden Belastungszeit zu stecken. Einige Schwimmer haben damit ein echtes Problem. Nicht jeder ist in der Lage, so explosiv seine Leistung abzurufen, wie es bei der Kurzstrecke gefordert ist. Einige Athleten, besonders natürlich die Langstreckler unter uns, können deshalb nichts mit Sprints anfangen. Der Grund hierfür kann in der Anatomie unserer Muskeln liegen.

Ein Skelettmuskel besteht aus zahlreichen Muskelbündeln. Diese wiederum setzen sich aus einzelnen Muskelfasern zusammen. Hierbei ist zwischen drei verschiedene Arten von Muskelfasern zu differenzieren: ST-Fasern, FT-Fasern und FTO-Fasern. Sie unterscheiden sich in Aufbau, Energiebereitstellung und vor allem der Kontraktionsgeschwindigkeit.

ST-Faser steht für „Slow-Twitch-Faser“ und wie der Name bereits andeutet, sind dies eher die Sonntagsfahrer unter den Muskelfasern. Sie sprechen eher langsam auf Reize an und haben eine längere Kontraktionszeit. Dafür ermüden ST-Fasern nicht so schnell. Die in der Muskelfaser arbeitenden Muskelfibrillen sind umgeben von einer Vielzahl von Mitochondrien. Dies sind die Zellbestandteile, die aus Sauerstoff und Glucose den Treibstoff der Muskelzelle synthetisieren – ATP. Je mehr Mitochondrien in einer Muskelzelle vorhanden sind, desto mehr und schneller kann der Muskel den aus der Lunge aufgenommenen Sauerstoff zu Energie verarbeiten. Dafür muss aber auch genug Sauerstoff zur Verfügung stehen. Für Ausdauerspezialisten ist dieser Muskeltyp essentiell. Er arbeitet zwar langsamer, dafür aber sehr effektiv und hinterlässt dabei auch weniger Laktat im Blut.

Für den Sprinter sind diese „Streber-Fasern“ aber weniger interessant. Sprinter brauchen viel und vor allem schnell Energie in Form von Muskelkraft. Der beste Freund eines Sprinters ist deshalb die Fast-Twitch-Faser, kurz FT-Faser. Dieser Fasertyp wird auch „weiße“ Faser genannt, da sie weniger gut durchblutet werden. Sie sind in der Lage schnell zu kontrahieren und reagieren sehr unmittelbar auf Nerven-Reize. FT-Fasern besitzen weniger Mitochondrien, was bedeutet, dass sie im Vergleich zu den ST-Fasern schlechter Energie aerob nachproduzieren können. Sie tendieren stattdessen stark dazu, ihre Energie auf anaerobem Weg, also unter Sauerstoffmangel und Produktion von Laktat, zu gewinnen. 

Zwischen ST- und FT-Fasern gibt es noch einen dritten Typ. Die FTO-Fasern (fast-twitch-oxidativ) bilden einen Intermediärtyp zwischen den beiden anderen. Sie lassen sich durch Training in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Die Struktur in diesen Muskelsträngen kann je nach Belastungsart also in Richtung Ausdauer, Mittelstrecke oder Sprint angepasst werden. Der Anteil von Muskelfasertypen ist genetisch vorbestimmt. Sprinter haben somit meist von Haus aus mehr FT-Fasern in ihrem Muskel als Marathonläufer. Durch gezieltes Training ist es laut einigen Experten möglich, FT- in ST-Fasern oder zumindest FTO-Fasern umzuwandeln. Aus einem guten 50m-Sprinter kann also durchaus noch ein passabler Langstreckenschwimmer werden. Einen Freiwasserschwimmer hingegen bekommt wohl man nicht mehr dazu die 25m-Challenge der Opera Swim Classics in Wuppertal zu gewinnen. An der Aussage „Sprinter werden geboren, Marathon-Läufer gemacht“ ist also durchaus etwas dran!

Den kompletten Artikel zum Thema "Der geborene Sprinter", in dem es auch um weitere Körpereigenschaften wie Größe, Länge der Gliedmaßen und Masse geht, findet ihr in der aktuellen Frühjahresausgabe des swimsportMagazine. Das Heft gibt es im Bahnhofzeitschriftenhandel in ganz Deutschland oder an diesen Verkaufsstellen:

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