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(29.11.2021 | Bilder: privat) Es war ein wahres Fest des Schwimmsports: Nach vielem Hoffen, Bangen und Daumen drücken konnten am vergangenen Wochenende trotz der ansteigenden Coronazahlen die Deutschen Mastersmeisterschaft auf der Kurzbahn und damit der erste nationale Vergleich der Masters auf der 25m-Bahn seit 1,5 Jahren durchgeführt werden. Mit insgesamt 45 deutschen Mastersrekorden, neun Europarekorden und vier Weltrekorden zeigten die besten Routiniers des Landes im Alter über 20 Jahren im Sportbad Thurmfeld in Essen, dass ihnen die Corona-Zwangspausen, die Schwimmbadschließungen und die vielen Einschränkungen der Corona-Pandemie nicht den Spaß und Ehrgeiz im Becken rauben konnten. Ein Erfahrungsbericht vom zurückliegenden Wochenende:

Nachdem die Wettkampfanzüge und Wettkampfhosen vorsichtig aus dem Schrank genommen und entstaubt wurden, reisten einige Teilnehmende bereits am Freitagmittag per Bus, Bahn oder Auto an, um auf den 200m Freistil und den 200m Lagen ihre Kräfte zu messen. Obwohl bei jedem Eintritt ins Bad zunächst der 2G-Nachweis, der Personalausweis und die Teilnehmerkarte kontrolliert wurden, dauerte das Betreten des Bads aufgrund der ausgeweiteten Einlasszeit kaum mehr als zwei Minuten.

Da so manche aufgrund der beruflichen Arbeit oder des geringen Interesses auf den Freitagnachmittag und die 200m Strecken verzichteten, hatten die Aktiven direkt in der Halle ausreichend Platz gefunden. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag hingegen wichen die Meisten auf das eigens angebaute Veranstaltungszelt aus, das nach anfänglichen Minusgrade schnell auf eine angenehme Temperatur beheizt wurde und sich vor allem durch die niedrigere Lautstärke, die Größe des Aufenthaltsbereichs und die bessere Luftqualität von der Schwimmhalle positiv abgrenzte.

Die geringeren Zuschauerzahl im Bad hielten die Routiniers nicht davon ab, Spitzenleistungen ins Becken zu zaubern. Unter anderem glänzte Frank Gruner vom SCW Eschborn, der schon am Freitag zum Auftakt des Wettkampfes mit zwei Mastersrekorden in der Altersklasse 50 über die 200m Freistil (1:58,11) und die 200m Lagen (2:11,97) herausstach. Diese Sammlung erweiterte er im Laufe des Wettkampfs um ganze sechs weitere Altersklassenrekorde und schwamm damit bei jedem seiner Starts schneller als jeder andere seiner Altersklasse in Deutschland vor ihm. Damit sicherte er sich außerdem mit knapp 1000 Punkten Vorsprung den ersten Platz in der großen Mehrkampfwertung der Männer (100m F, 100m R, 100m B, 100m S, 200m L). Bei den Damen war dieses Rennen durchaus knapper, hier feierten am Ende die Heddesheimer Zwillingsschwestern Maren und Anna Spietzack einen Doppelerfolg in der Mehrkampfwertung.

Nicht nur in der Halle, sondern auch rund herum merkte man: Die Masters haben Essen übernommen! Schon am Morgen beim doch sehr frühen Frühstück im Hotel traf man auf etliche Schwimmerinnen und Schwimmer, die sich nicht nur durch die Gespräche am Essenstisch outeten, sondern auch aufgrund ihrer Pullis von Schwimm-Marken und den Kompressionssocken als Teilnehmende des Wettkampfs einzuordnen waren. Die Ankunft im Schwimmbad am Samstagmorgen rief zum ersten Mal Erinnerungen hervor, die in den zurückliegenden beiden Jahren eher eine Seltenheit gewesen waren: Beim Einschwimmen musste - ganz wie in alten Zeiten - um jeden Zentimeter im Becken gekämpft werden. Es war ein wenig, als hätte es Corona nie gegeben und der Wettkampf würde wie gewohnt stattfinden. Einzig die Masken, die zu jeder Zeit getragen werden mussten, sofern man sich nicht auf dem Weg zum Schwimmen oder zurück befand, erinnerten an die besonderen Bedingungen der Meisterschaften. Der größte Unterschied zwischen einem Masters-Wettkampf und einem offenen Wettkampf mit der Beteiligung vieler junger Wasserratten zeigte sich beim Einschwimmen übrigens in der disziplinierten Warteschlange auf der Sprintbahn, die den Einsatz von Ellenbogen sowie Drängeln und Schubsen überflüssig machte.

Nach dem Einschwimmen begann direkt wieder eine Rekordflut. Erwähnenswert sind hierbei die fünf Mastersrekorde der für die SG Einheit Rathenow startende Christel Schulz, die damit ebenfalls bei jedem ihrer Starts einen neuen Rekord in der Altersklasse 80 aufstellte. Ein Highlight jagte das nächste an diesem Samstagvormittag in Essen. So kam es, dass man über die 50m Rücken der Herren den ersten Weltrekord vermerken konnte, den Stefano Razeto vom ST Erzgebirge in bemerkenswerten 24,48 Sekunden in der Altersklasse 35 aufstellte. Neben diesem Weltrekord sorgte Razeto sogar noch für drei Europarekorde (50m Rücken, 50m Schmetterling und 100m Freistil). Weitere kontinentale Bestmarken kamen am Wochenende zudem von Hans Reichelt (50m Brust | AK 85 | 45,81),  Barbara Gellrich (200m Freistil | AK 60 | 2:26,76) und Katja Otto (50m Freistil | AK 40 | 26,28). 

Und auch am Nachmittag des Samstags durfte ein Weltrekord bestaunt werden: Über die 50m Schmetterling drückte Curt Zeiss in der Altersklasse 90 die globale Bestmarke auf beeindruckende 54,10 Sekunden. Er war damit der erste Deutsche in seiner Altersklasse, der jemals unter der Minutenmarke auf dieser Distanz bleiben konnte. Auch über die 50m Rücken, Brust und Freistil holte sich Zeiss, der weder Alkohol anrührt noch jemals eine Zigarette rauchte, Goldmedaillen ab. 

Klar, das sorgte für Jubel in der Halle. Obwohl Zuschauerinnen und Zuschauer im Bad nicht gestattet waren, hob sich die Stimmung am Beckenrand auch bei den Deutschen Rekorden der 4x50m Lagen- und der 4x100m Freistilstaffeln der Altersklasse 100+ der SG Bamberg und der 4x100m Lagenstaffel in der Altersklasse 120+ der SG Lünen. Alle Teilnehmenden bewunderten vor allem die 49,49 Sekunden, die Gregor Spörlein als Schlussschwimmer der Staffel aus Bamberg ins Becken knallte und damit den Rekord mit einem überragenden Finish möglich machte. Diese Leistung konnte er am folgenden Tag ähnlich wiederholen. Im Einzelstart gewann er die 100m in 49,90 Sekunden und ergänzte somit seine Sammlung über die 50m Freistil (22,97) und die 100m Schmetterling (55,14) um eine weitere Goldmedaille. Bei all diesen Spitzenauftritten sei uns verziehen, dass nicht alle, die am Wochenende Großes leisteten (wie z.B. Jeanette Seitz mit starken sieben Titeln in der AK45), namentlich genannt werden können. Die Links zu den Übersichten der Ergebnisse und Rekorde finden sich daher unten.

Nachdem der Tag bei einem gemütlichen Abendessen oder beim Schlendern über den Weihnachtsmarkt abgerundet wurde, trafen sich die Teilnehmenden für den letzten Abschnitt des Wettkampfs am Sonntagmorgen wieder, um Meister zu ermitteln und die gemeinsame Leidenschaft für das Schwimmen zu feiern. Über die Sprintdistanz in Brust pulverisierte dabei Dagmar Frese von der SGS Hannover in der Altersklasse 65 nicht nur den deutschen Mastersrekord (38,90 Sekunden), sondern schwamm so schnell wie weltweit noch nie jemand in ihrer Altersklasse jemals zuvor und fuhr nach den 100m Brust (1:28,47 Minuten) damit ihren zweiten Weltrekord ein. So manchen blieb bei der Effizienz ihres Beinschlags neidvoll der Mund weit offenstehen. Bereits in Freiburg 2019 hatte Frese über die Bruststrecken zwei Europarekorde aufgestellt. Obgleich sie ihre Zeit von vor zwei Jahren nicht ganz halten konnte, machte die höhere Altersklasse nun sogar zwei Weltrekorde möglich. Aber nicht nur Dagmar Frese, sondern auch alle anderen Masters in etwas fortgeschrittenerem Lebensalter verdeutlichten den nachfolgenden Generationen, dass man sich vor dem Älter werden nicht zu fürchten hat. Auch wenn der Weg auf den Startblock noch so wackelig war und ab und an die ein oder andere Hand als Hilfestellung benötigt wurde, sprangen alle Teilnehmenden furchtlos ins Wasser und schwammen teilweise zu Zeiten, von denen 50 Jahre jüngere Aktive nur träumen können.

Möglich wurde all das auch durch die große Mühe, harte Arbeit und tolle Organisation mit der die SG Essen für perfekte Rahmenbedingungen sorgte, in denen sich jeder Master sicher fühlte und Bestleistungen erzielen konnte. Das Event hat gezeigt: Trotz der Einschränkungen im Schwimmbetrieb lassen sich auch die Masters nicht unterkriegen, trainieren, was das Becken aushält, und haben es nach wie vor drauf, im Wettkampf ihre Fortschritte und Leistungen unter Beweis zu stellen!

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