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(20.01.2021) Nach wie vor hofft die Sportwelt darauf, dass im Sommer in Tokio um Olympiamedaillen gekämpft wird. Der Weg zu den Spielen stellt Sportler und Coaches angesichts von Corona-Einschränkungen, Reisewarnungen und Wettkampfabsagen immer wieder vor neue Herausforderungen. Doch nicht nur Corona sorgt bei so manchem für schlaflose Nächte. Zum Start des Olympiajahres schlägt der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS) Alarm: In den vergangenen Jahren hat sich die angespannte Situation für Trainer im deutschen Spitzensport kaum verbessert.

Überstunden, befristete Verträge und natürlich Erfolgsdruck. Wer als Coach im Leistungssport tätig ist, braucht ein dickes Fell. Nicht ohne Grund schrieb es sich der Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor mehr als vier Jahren auf die Fahne, die Situation der Trainer verbessern zu wollen. "Erhebliche Defizite sind im Bereich der vertraglichen Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse der Trainer zu verzeichnen. Sie reichen von arbeitsrechtlich problematischen Mehrfachbefristungen über mangelnde soziale Absicherung, fehlende Weiterbildungsverpflichtungen bis hin zu überdurchschnittlich langen Arbeitszeiten", hieß es damals in einem Reformpapier.

Doch getan hat sich seitdem kaum etwas, wie eine Umfrage des Berufstrainerverbands unter 180 der insgesamt rund 800 durch den Bund (mit)finanzierten Trainer aus mehreren Sportarten ergab. Zwei Drittel der Coaches haben befristete Verträge. Diese richten sich meist an den Olympiazyklen aus und werden - oft erfolgsabhängig - verlängert. Gängige Praxis im Spitzensport, doch rechtlich sind derartige "Kettenverträge", bei denen Arbeitnehmer immer nur für einen befristeten Zeitraum beschäftigt sind und anschließend ein neuer Vertrag eingegangen wird, eigentlich nur in Ausnahmefällen zugelassen. 

„Einerseits verlangen die Verbände als Arbeitgeber Höchstleistung von ihrem Personal, andererseits verwehren sie Gewissheit und Perspektive. Die Begründung der Verbände, die Befristung abhängig vom olympischen Erfolg und von der Haushaltslage zu machen, ist zwar nachvollziehbar, macht dieses Vorgehen aber nicht rechtmäßig", erklärt so auch Gert Zender, Jurist und einer der Präsidenten des BVTDS. "Bedenkt man, dass diesem unrechtmäßigen Handeln staatliche Zuwendungen zu Grunde liegen, ist es noch weniger zu akzeptieren."

Die Corona-Pandemie hat diese Lage sogar noch verschärft. Wegen der Verschiebung der Olympischen Spiele wurden mehr als ein Viertel der Bundestrainerverträge nur um ein oder zwei Jahre verlängert, so die Ergebnisse der BVTDS-Umfrage.

Auch das Thema Arbeitszeit ist nach wie vor ein wunder Punkt. Laut der Erhebung gaben die Trainer an, pro Woche im Durchschnitt mindestens zehn Stunden mehr als vertraglich vereinbart zu arbeiten. "Nur 12% der Teilnehmenden gab an, dass sie die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit durch eine geschickte Einsatzplanung in der Regel einhalten", so der BVTDS. 

Der Deutsche Olympische Sportbund hat das Problem zwar auf dem Schirm. Ende 2019 wurde ein Konzept zur Verbesserung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen für Coaches verabschiedet. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten - auch aufgrund der Schwierigkeiten des Coronajahres. "Da die bestehenden Trainerverträge im Zuge der Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert wurden, ist der Abschluss von Neuverträgen und damit die Umsetzung des Trainerkonzepts erst zum 1.1.2022 möglich", erklärt DOSB-Leistungssportvorstand Dirk Schimmelpfennig in diesem Zusammenhang gegenüber www.sportspitze.de. 

Ob am Beckenrand, im Stadion oder an der Ruderstrecke: Es dürfte also noch einiges an Geduld - und Überstunden - gefordert sein, bis sich die vertragliche Situation der Spitzentrainer nachhaltig bessert.

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