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(21.11.2020) Die Stars haben sich das Beste in der International Swimming League anscheinend tatsächlich bis zum Schluss aufgehoben: An Tag eins des ISL-Finals in Budapest gab es satte vier Weltrekorde. Drei davon gingen auf das Konto der Cali Condors, die zur Halbzeit des Finals in Führung liegen.

Die Mannschaft von der US-Westküste übernachtet mit 267 Punkten auf dem Konto und hat damit 27,5 Punkte Vorsprung auf die Titelverteidiger vom Team Energy Standard. In beeindruckend starker Form präsentierte sich am Samstag für die Condors erneut Caeleb Dressel.

Der Weltmeister und Olympiasieger stellte sowohl über die 100m Schmetterling als auch die 50m Freistil neue Kurzbahn-Weltrekorde auf - und das innerhalb von nur etwa 30 Minuten. Später schlug er zudem als Startschwimmer der 4x100m Freistilstaffel in 45,18 Sekunden an - nur 2,4 Zehntel über dem 100m-Weltrekord. 

Doch auch die Damen der Condors schwammen groß auf. Am Ende des Tages sicherte sich das Quartett um Lilly King über die 4x100m Lagen nicht nur den Sieg, sondern stellte in 3:44,52 Minuten ebenfalls einen neuen Weltrekord auf. Damit waren sie mehr als zweieinhalb Sekunden schneller als bei ihrer bisherigen Saisonbestleistung. Ein wichtiger Erfolg, denn nun können die Condors entscheiden, welche Lage morgen im KO-Event geschwommen wird.

Bei den Herren wiederum konnte die Staffel von Energy Standard die 4x100m Lagen gewinnen. Großen Anteil daran hatte Startschwimmer Kliment Kolesnikov, der in 48,58 Sekunden einen neuen Kurzbahn-Weltrekord ins Becken brachte. Offen ist nun, welche Lage Energy-Coach James Gibson morgen bei den Herren wählen wird. Freistil und Schmetterling scheinen unwahrscheinlich, weil hier Caeleb Dressel kaum zu schlagen sein dürfte. Auf Rücken hat man zwar den Weltrekordhalter Florent Manaudou, doch dieser war im Rückensprint bisher unauffällig und die Konkurrenz der anderen Teams ist stark. Grundsätzlich dürfte es darum gehen, den Condors so wenig Punkte wie möglich zukommen zu lassen. Da Energy mit Ilya Shymanovich einen schnellen Brustschwimmer in den eigenen Reihen hat und die Condors hier Caeleb Dressel über diese Nebenstrecke ins Rennen schicken müssten, könnte das eine Möglichkeit sein.

Mehr zu den Weltrekorden vom Samstag kann hier nachgelesen werden:

Neben der Weltrekordflut prägten zahlreiche enge Rennen den ersten Wettkampftag. Hier hatten nicht immer die Favoriten die Hand zu erst an der Wand, wodurch vor allem Energy Standard Punkte liegen ließ. So musste sich direkt im ersten Rennen die Energy-Sprintqueen Sarah Sjöström über die 100m Schmetterling der für LA Current startenden Französin Beryl Gastaldello um drei Hundertstel geschlagen geben. 

Überraschen konnte auch Londons 400m-Kraul-Schwimmer Tom Dean, der den Energy-Favoriten Danas Rapsys schlagen konnte. Bei den Damen musste Energy-Schwimmerin Siobhahn Haughey, die mit der schnellsten Vorleistung ins Finale gegangen war, über die 400m Freistil der Condors-Alleskönnerin Hali Flickinger den Vortritt überlassen. Einen wichtigen Sieg konnte auch Lilly King einfahren. Sie schnappte sich über die 50m Brust die satten Punkte für Platz eins mit nur vier Hundertsteln Vorsprung vor ihrer jungen Energy-Konkurrentin Benedetta Pilato

Die Vorjahressieger hatte mehrfach Pech am ersten Wettkampftag und diese engen Entscheidungen könnten am Ende durchaus das Zünglein an der Waage sein. Immerhin einen nicht vorprogrammierten Erfolg konnte das Team aber einfahren. Über die 50m Brust hatte der bereits erwähnte Ilya Shymanovich die Hand vor Superstar Adam Peaty an der Wand, was die Chancen steigen lässt, dass wir den Belarussen morgen im KO-Event wiedersehen.

Peatys Löwen von London Roar rangieren nach dem ersten Abschnitt mit 199,5 Punkten auf Platz drei und sollten noch nicht abgeschrieben werden. Am Samstag aber gingen die taktischen Überlegungen der Briten nicht immer auf. So wurde Kira Toussaint, die im Halbfinale noch einen Weltrekord über die 50m Rücken aufgestellt hatte, über diese Strecke heute nicht eingesetzt, um sie für die wenig später folgende Lagenstaffel zu schonen. Hier schlug Toussaint als Rückenschwimmerin in 56,16 Sekunden mehr als eine halbe Sekunde über ihrer Saisonbestleistung an und Londons Staffel musste sich am Ende mit Platz zwei zufrieden geben.

Auch Marius Kusch und Christian Diener gingen für London erneut ins Becken. Kusch überzeugte über die 100m Schmetterling und verhinderte in 49,74 Sekunden auf Platz fünf, dass Caeleb Dressel ihm trotz des Weltrekords Punkte stehlen konnte. Auch in der Freistilstaffel (47,43) und der Lagenstaffel (Schmett. - 49,69) brachte er Punkte aufs Londoner Konto. Gleiches gelang Christian Diener mit Platz fünf über die 50m (23,35) und 200m Rücken (1:49,33).

Direkte Konkurrenz bekam Diener übrigens auf der langen Rückendistanz von seinem Nationalteamkollegen Jacob Heidtmann, der in der ISL für das Team LA Current auf den Block steigt. Über die ungewohnte Rückenstrecke, die für ihn in der ISL mehrfach auf dem Programm stand, musste sich Heidtmann (1:57,56) mit Platz sieben zufrieden geben. Später konnte er über die 400m Freistil in 3:42,49 Minuten als Sechster Punkte auf das Konto seines Teams bringen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause fällt am Sonntagabend die Entscheidung in der Frage, welches Team sich die ISL-Krone 2020 schnappt. Die Condors fliegen zwar derzeit voraus, doch Energy Standard hat bereits in den zurückliegenden Matches gezeigt, dass sie einen starken zweiten Wettkampftag haben. Es bleibt also spannend im Kampf um den Sieg in der International Swimming League. 

Der Zwischenstand nach Tag 1 des ISL-Finals 2020:

  1. Cali Condors - 267
  2. Energy Standard - 239,5
  3. London Roar - 199,5
  4. LA Current - 177

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Die Sieger am ersten Tag des ISL-Finals 2020:

  • 100m Schmetterling (w): Beryl Gastaldello (LA Current) - 55,34
  • 100m Schmetterling (m): Caeleb Dressel (Cali Condors) - 47,78
  • 200m Rücken (w): Beata Nelson (Cali Condors) - 2:00,27
  • 200m Rücken (m): Evgeny Rylov (Energy Standard) - 1:46,37
  • 200m Brust (w): Lilly King (Cali Condors) - 2:15,56
  • 200m Brust (m): Kirill Prigoda (London Roar) - 2:01,71
  • 4x100m Freistil (w): Energy Standard - 3:25,37
  • 50m Freistil (m): Caeleb Dressel (Cali Condors) - 20,16
  • 50m Freistil (w): Sarah Sjöström (Energy Standard) - 23,55
  • 200m Lagen (m): Andrew Seliskar (LA Current) - 1:51,53
  • 200m Lagen (w): Sydney Pickrem (London Roar) - 2:04,00
  • 50m Brust (m): Ilya Shymanovich (Energy Standard) - 25,48
  • 50m Brust (w): Lilly King (Cali Condors) - 28,77
  • 4x100m Freistil (m): Energy Standard - 3:02,78
  • 50m Rücken (w): Olivia Smoliga (Cali Condors) - 25,83
  • 50m Rücken (m): Ryan Murphy (LA Current) - 22,54
  • 400m Freistil (w): Hali Flickinger (Cali Condors) - 3:58,77
  • 400m Freistil (m): Tom Dean (London Roar) - 3:36,56
  • 4x100m Lagen (w): Cali Condors - 3:44,52
  • 4x100m Lagen (m): Energy Standard - 3:18,28

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Links zum ISL-Finale 2020:

Bild: ISL