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(18.10.2020) Die Deutschen Meisterschaften Ende des Monats sollten ein Neustart und Aufbruchssignal für die nationale Schwimmelite werden, doch die Corona-Pandemie hat den Schwimmsport wieder eingeholt. Am Samstag wurde die Schwimm-DM 2020 endgültig abgesagt. Bei den Athleten sorgt dies für Enttäuschung aber auch Verständnis.

„Natürlich sind Wettkämpfe für mich die Grundlage überhaupt und dienen insbesondere meiner Motivation. Ich hatte mich auch sehr auf die DM nächste Woche gefreut. Gerade nach dem Trainingslager in Südtirol hatte ich gute Werte und recht schnelle Zeiten im Training. Das hätte ich auch gerne im Wettkampf gezeigt", lässt so zum Beispiel Florian Wellbrock über sein Management mitteilen. "Aber angesichts der aktuellen Unsicherheiten ist mir Vorsicht definitiv lieber als Nachsicht, denn eine Ansteckung könnte mehr kosten als meinen Olympiatraum."

So ist sich der Ausdauerspezialisten sehr bewusst darüber, dass eine Erkrankung mit Corona langfristige Folgen haben könnte. "Dass bei den Tests vor dem Start der ISL gerade Covid-19-Infektionen bei mehreren namhaften Schwimmern wie Pellegrini oder Milak nachgewiesen wurden, stimmt mich nachdenklich. Denn niemand weiß bislang genau, welchen Einfluss das auf die künftige Leistungsfähigkeit hat. Wenn die Lunge dadurch künftig nur ein Prozent weniger leistet, gefährdet das die Karriere. Dann erst mal lieber nur Wettkämpfe im kleineren Rahmen an den Bundesstützpunkten.“

Ähnlich sieht es Isabel Gose, die zuletzt beim Heimwettkampf in Magdeburg mit einem Deutschen Altersklassenrekord über die 400m Freistil glänzen konnte. Sie hätte gern bei der Schwimm-DM gezeigt, dass noch mehr in ihr steckt. "Mal wieder gegen die ganze 'gewohnte' Konkurrenz zu schwimmen, wäre nochmal ein Ansporn gewesen. Ich wäre sehr gerne über die 200 und 400 Freistil an den Start gegangen, um einfach nochmal meine Form zu testen", erklärt die Staffel-Europameisterin. "Ich bin wirklich traurig, dass die Veranstaltung abgesagt wurde, aber wenn ich durch eine Wettkampfreise krank werden würde, wäre mir ja auch nicht geholfen. Gerade wenn man sieht, wie die Infektionszahlen nach oben schnellen, ist das mit Sicherheit die richtige Entscheidung."

Die Deutschen Meisterschaften sollten ursprünglich bereits Ende April stattfinden. Aufgrund der Corona-Krise wurden sie in den Herbst verlegt, haben damit aber voll die zweite Welle der Pandemie erwischt. Die endgültige Absage ist historisch: Erstmals seit 1947 werden in Deutschland keine Deutschen Meisterschaften im Schwimmen stattfinden.

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