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(29.09.2020) In zweieinhalb Wochen ist es soweit: Am 16. Oktober beginnt in Budapest die International Swimming League (ISL) und damit der wohl einzige große internationale Schwimm-Wettbewerb in diesem Jahr. Angesichts weltweit nach wie vor steigender Fälle von Corona-Infektionen wurde mit Spannung das Hygienekonzept für das Event erwartet. Dieses haben die ISL-Veranstalter nun am Montag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das 13-seitige Dokument umfasst einen Katalog an Maßnahmen, um Infektionen zu vermeiden und stellt außerdem dar, was passiert, wenn doch ein Teilnehmer des mehr als einmonatigen Events positiv getestet wird. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen:

1. Wer wird bei der International Swimming League dabei sein dürfen?

Vom 16. Oktober bis 15. November soll in Budapest die Vorrunde der International Swimming League stattfinden. Dabei treten Spitzenschwimmer für zehn Profiteams in mehreren Wettkämpfen gegeneinander an. Die besten acht Mannschaften schwimmen anschließend einen Halbfinal-Wettkampf, um die Teilnehmer des für Dezember geplanten Finals zu ermitteln. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt 750 Beteiligten (Athleten, Trainer, Kampfrichter, usw...), von denen etwa 600 direkt aus Ungarn kommen sollen. Aus dem Ausland werden 150 Beteiligte aus 40 bis 45 Nationen erwartet.

Vor der Reise nach Ungarn müssen die ausländischen Teilnehmer zwei negative Corona-Tests vorweisen, die nicht älter als fünf Tage sind. Nach der Ankunft werden im Abstand von 48 Stunden zwei weitere Tests durchgeführt, die ebenfalls negativ sein müssen. Weitere Tests werden dann alle fünf Tage durchgeführt. Ergebnisse sollen jeweils innerhalb von zwölf Stunden vorliegen.

2.  Wird es eine geschlossenen "Bubble" geben?

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares "Jein". Zwar sollen sich die Athleten und Teammitglieder über den Zeitraum des Events hinweg in einer "Bubble" aufhalten, zu der die drei für die Veranstaltung geblockten Hotels, die Trainingsanlage am Donauufer sowie die Duna Arena als Wettkampfhalle und die Transportbusse zum Pendeln zwischen den Anlagen zählen. Auch auf der Margareteninsel, auf der zwei der drei Eventhotels stehen, sollen sich die Sportler mit kleineren Ausnahmen frei bewegen können. Insgesamt wird sich dieser Bereich auf einen Umkreis von etwa 2km beschränken. Laut Konzept gibt es jedoch auch die Möglichkeit, die Bubble zu verlassen. Dies soll gelegentlich für bis zu maximal 90 Minuten möglich sein. Bei der Rückkehr in die Bubble wird die Körpertemperatur gemessen und es ist ein Gesundheitsfragebogen auszufüllen. Es wird also eine mehr oder weniger "offene Blase" um die Athleten geschaffen.

Dabei wird es aber voraussichtlich nicht möglich sein, das Wettkampfcamp für einen längeren Zeitraum zu verlassen und dann wieder zurückzukehren. Dies ist unter anderem bedeutend für die deutschen ISL-Schwimmer, da in der Mitte des Eventzeitraums auch die Deutschen Meisterschaften in Berlin anstehen. Praktisch ist es nur schwer möglich, bei beiden Veranstaltungen dabei zu sein. Eine direkte Reise vom ISL-Camp zur Deutschen Meisterschaft ist nicht möglich, da Budapest als Risikogebiet eingestuft wurde und sich Rückkehrer in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssten. Denkbar wäre theoretisch lediglich, dass deutsche ISL-Schwimmer zunächst die DM bestreiten und anschließend für das Ende der ISL-Wettkämpfe bzw. das Halbfinale nach Budapest reisen.

3. Welche Vorsichtsmaßnahmen sind vorgesehen?

Um zu vermeiden, dass sich Infektionen im Kreis der ISL-Beteiligten ausbreiten, wurde ein Katalog an Hygienemaßnahmen erarbeitet. So müssen Athleten, Trainer usw. nahezu dauerhaft Masken tragen. Diese können nur zum Schwimmen, für die Nahrungsaufnahme oder wenn die Athleten allein in einem geschlossenen Raum sind, abgenommen werden. Alle Sportler werden in Einzelzimmern untergebracht und sollen so wenig wie möglich mit den Mitgliedern anderer Teams in Kontakt kommen. Überall soll der Abstand von zwei Metern zwischen zwei Personen eingehalten werden. Für alle Abläufe wie Mahlzeiten, Trainingssessions usw. soll es strikte Zeitpläne geben. Teamfotos, Umarmungen, Händeschütteln oder sonstiger enger Körperkontakt ist für alle Athleten für die gesamte Dauer des Camps untersagt. Gemeinschaftlich genutzte Bereiche werden regelmäßig umfangreich desinfiziert.

4. Was passiert, wenn jemand positiv getestet wird?

Sollte es trotz der Vorsichtsmaßnahmen zu Corona-Infektionen kommen, wird der positiv getestete Sportler bzw. Beteiligte zunächst isoliert und dessen Kontaktpersonen werden ermittelt. Als solche gelten alle, die "physischen oder persönlichen Kontakt" zum positiv Getesteten hatten oder sich über einen Zeitraum von mindestens 15 Minuten in einem geschlossenen Raum im Abstand von unter zwei Metern zu dieser Person aufhielten. 

Die Kontaktpersonen müssen sich ebenfalls in Quarantäne begeben. Beim positiv Getesteten werden innerhalb von 48 Stunden zwei weitere Tests durchgeführt. Sollten diese negativ sein und der Betroffene keine Symptome zeigen, können er und seine Kontaktpersonen direkt wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen. Sollten die Nachtests die Infektion bestätigen, wird eine mindestens 14-tägige Quarantäne für den Betroffenen verhängt. Die Kontaktpersonen werden dann fünf bzw. sieben Tage nach dem Kontakt zum Positivfall ebenfalls getestet. Sollten diese Tests negativ ausfallen und die Kontaktpersonen keine Symptome zeigen, können sie die Isolation verlassen. 

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In den vergangenen Wochen haben Veranstaltungen wie die Tour de France gezeigt, dass es durchaus möglich ist, große Sportevents in Corona-Zeiten durchzuführen. Viel hängt dabei aber davon ab, ob sich alle Beteiligten - sowohl Sportler, Trainer, aber auch Organisatoren und Dienstleister - an die aufgestellten Regeln halten. Gerade bei der ISL, die als Mannschaftswettbewerb eben nicht auf Abstand und Isolation sondern auf Teamgeist und Emotion setzt, könnte es durchaus zur Herausforderung werden, dauerhaft den gebotenen Abstand zu beachten. Die genauen Details des Hygienekonzepts können unter dem Link unten nachgelesen werden.

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Bild: (c) International Swimming League