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(11.05.2020) Auch nach anderthalb Jahren sorgt die Doping-Affäre um den chinesischen Olympiasieger Sun Yang für Schlagzeilen. Ein neues Detail brachte am Wochenende ein Bericht der australischen Tageszeitung Daily Telegraph ans Licht.

Dabei geht es um die Weltmeisterschaften 2019, bei denen Sun Yang starten durfte, obwohl vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in der Schweiz noch eine Verhandlung gegen ihn ausstand, weil er im September 2018 bei ihm genommene Blutproben unbrauchbar machte bzw. machen ließ. 

Bei der WM in Korea zog vor allem die Protestaktion des Australiers Mack Horton die Blicke der Weltöffentlichkeit auf sich. Der 24-jährige Freistilspezialist hatte hinter Sun Yang den zweiten Platz über die 200m-Strecke belegt, weigerte sich aber bei der anschließenden Siegerehrung neben seinem umstrittenen Konkurrenten auf dem Podest zu stehen.

Dieser öffentliche Protest sorgte für große Aufregung auf den VIP-Plätzen der Bosse des Schwimm-Weltverbandes FINA, wie der Daily Telegraph nun berichtet und sich dabei auf hochrangige Quellen beruft. Demnach hätten führende Mitglieder des Verbandes nach drastischen Strafen gerufen und wollten Horton sogar die Medaille wieder abnehmen. Das Ziel: Ein Exempel statuieren, um zukünftige Protestaktionen auf der FINA-Bühne zu verhindern. 

Für den Tag nach der Siegerehrung berief FINA-Direktor Cornel Marculescu umgehend eine Sitzung des Exekutiv-Komitees ein, um die Sache zu diskutieren. Dort setzten sich letztlich die kühleren Köpfe durch und gegen Horton wurde "nur" eine Verwarnung ausgesprochen. Gleiches galt wenige Tage später für den Briten Duncan Scott, der sich nach dem Gewinn von Bronze über die 400m Freistil ebenfalls weigerte auf dem Podest neben Sun Yang zu stehen.

Dass die medienwirksamen Meinungsbekundungen der Sportler bei der FINA für Unmut sorgte, ist nicht verwunderlich. Der Protest von Mack Horton und Duncan Scott galt weniger der Person Sun Yang sondern mehr dem Umgang des Weltverbandes mit der Affäre. Die FINA hatte Sun Yang in einer eigenen Anhörung im Januar 2019 ursprünglich freigesprochen und es dem Chinesen damit überhaupt erst ermöglicht, an den Weltmeisterschaften im folgenden Sommer teilzunehmen.

Dieser Freispruch der FINA wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vor dem Sportgerichtshof CAS angefochten, der letztlich im November 2019 entschied, dass gegen Sun Yang eine achtjährige Dopingsperre verhängt wird. Dies war noch nicht das abschließende Kapitel der Geschichte: Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Sun Yang nach dem letzten verbleibenden Strohhalm gegriffen hat und das CAS-Urteil vom höchsten Schweizer Bundesgericht prüfen lässt. Derzeit ist unklar, wann hier mit einer Entscheidung zu rechnen ist.

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