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(19.04.2020) Die Verschiebung der Olympischen Spiele wirkt sich nicht nur auf Terminkalender von Verbänden, die Planung von Veranstaltungen oder die Vereinbarungen mit Sponsoren aus. Für jeden einzelnen Athleten hat die Entscheidung, dass es erst 2021 in Tokio um Medaillen gehen soll, weitreichende und oft ganz persönliche Konsequenzen. Auch für die mehrfache Deutsche Meisterin Jessica Steiger.

In diesem Jahr sollte es für sie endlich klappen mit den Olympischen Spielen. In der Vorbereitung auf die Qualifikation für London 2012 ereilte sie das Verletzungspech, für einen Platz in der Lagenstaffel für Rio fehlten der Brustspezialistin 2016 ein paar Zehntel, doch auf dem Weg nach Tokio schien die bald 28-Jährige Steiger zuletzt voll auf Kurs zu liegen. Im März gab es in Belgien noch eine Bestzeit über die 100m Brust - doch schon wenige Tage später stand der Schwimmsport nahezu vollkommen still.

"Für mich war es ein richtiger Schock, dass die Olympischen Spiele in diesem Jahr ausfallen und auf 2021 verschoben werden", meint die Gladbeckerin im Gespräch mit swimsportnews, betont aber:  "Obwohl es natürlich die einzig richtige Entscheidung war. Die Gesundheit geht immer vor. Zudem sind die Bedingungen für das Training überall komplett unterschiedlich. Das würde keinen fairen Wettkampf zulassen."

Doch wie soll es nun weitergehen? Steiger hatte voll auf die Olympischen Spiele in diesem Jahr gesetzt und ihre sportliche, aber auch private Planung komplett daraufhin ausgerichtet. "Eigentlich wollte ich nach dieser Saison kürzer treten und Ende des Jahres ins Berufsleben einsteigen", erzählt uns die Studentin der Erziehungswissenschaften. Auch der Urlaub im September war bereits gebucht. Im kommenden Frühjahr steht zudem die Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten im Kalender. 

Dennoch stand für Steiger schnell fest: "Ich möchte auf jeden Fall weiterschwimmen. Ich habe jetzt so lange dafür gearbeitet. Den Traum möchte ich mir nicht kaputt machen lassen." Doch das ist leichter gesagt, als getan. Ein Jahr länger schwimmen heißt auch, ein Jahr länger Trainingslager, Ausrüstung und Wettkampfreisen finanzieren zu müssen. Gar nicht so einfach, wenn man parallel dazu den Einstieg in den Berufsalltag verschieben muss. Zudem erklärt die Nationalschwimmerin: "Meine Sponsorenverträge laufen im August 2020 aus. Ich musste mir also etwas überlegen."

Die entscheidende Idee, wie der Neustart für Steiger funktionieren könnte, kam aus dem Freundeskreis. Der Leichtathlet Stephan Zenker riet ihr, sich doch mal mit Crowdfunding zu beschäftigen. Auf diesem Weg können Projekte mit der Hilfe vieler kleiner Unterstützungen gefördert und realisiert werden. Steiger folgte diesem Hinweis und startete in dieser Woche eine Crowdfunding-Kampagne, um ihren Weg nach Tokio zu finanzieren. 

"Ich freu mich natürlich über jede Unterstützung und bin wahnsinnig froh, dass sich schon so viele Leute beteiligen", erklärt Steiger dankbar. Insgesamt will sie mit der Aktion 7.000 Euro sammeln, unter anderem für Trainingslagerreisen, die sportpsychologische Betreuung und Wettkampfmaterial. Zeit bleibt damit bis zum 7. Mai und derzeit scheint alles nach Plan zu laufen. Nach nur wenigen Tagen haben sich bereits mehr als 50 Personen beteiligt und so eine Summe von über 4.000 Euro zusammengebracht.

Es sieht danach aus, als könnte Jessica Steiger ihren Traum von Tokio weiterleben. Eine Sache ist aber noch nicht so ganz klar. "Was jetzt aus der Hochzeit wird, weiß ich noch nicht", meint sie mit einem Lachen in der Stimme. Ob das Ja-Wort zum geplanten Termin gesprochen werden kann, dürfte davon abhängen, wie die neue Route nach Tokio aussieht. Fest steht nur, dass Steiger im Sommer 2021 im Flieger nach Japan sitzen will. Vielleicht ja dann auch mit einem Ring am Finger. 

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