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(09.12.2019) Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat Russland für vier Jahre von allen internationalen Sportgroßereignissen auf globaler Ebene ausgeschlossen. Das heißt, dass sowohl bei Weltmeisterschaften als auch bei Olympischen Spielen bis 2023 keine russischen Teams an den Start gehen dürfen.

Grund dafür sind Manipulationen von Daten des Dopinglabors in Russland. WADA-Experten hatten nachgewiesen, dass die Ergebnisse von Dopingkontrollen zwischen 2012 und 2015 Lücken bzw. Unregelmäßigkeiten aufweisen. Fast 150 potentielle Dopingfälle sollen so gefälscht oder gelöscht worden sein.

Das Internationale Olympische Komitee hatte bereits angekündigt, die Sperre der WADA mitzutragen. Bei den Spielen 2020 in Tokio werden so nach aktuellem Stand keine Sportler, damit also auch keine Schwimmer, unter russischer Flagge an den Start gehen. 

Trotzdem haben Athleten aus Russland die Chance dabei zu sein. Zum einen hat die russische Seite angekündigt, beim Sportgerichtshof CAS gegen die Entscheidung Beschwerde einzulegen. Zum anderen sollen russische Athleten die Möglichkeit erhalten, bei Großevents als neutrale Sportler anzutreten, insofern sie nachweisen können, dass sie nicht von den Datenmanipulationen betroffen waren. Die WADA kann anhand der vorliegenden Daten eigenen Aussagen zufolge nachvollziehen, welche Sportler in die Vorgänge verwickelt seien. Bereits bei den Olympischen Winterspielen 2018 traten die russischen Athleten als "Olympic Athletes from Russia" an. 

Seitens des Schwimm-Weltverbands FINA gab es bisher noch keine Statements, wie die Sperre bei Schwimm-Weltmeisterschaften oder -Weltcups angewandt werden soll. Da Russland auch die Austragung von wichtigen internationalen Sportevents untersagt wurde, könnte dies auch die regelmäßig in Kasan oder Moskau stattfindenden Weltcup-Meetings betreffen.

Durchaus kurios: Bei den Schwimm-Europameisterschaften 2020 in Budapest und 2022 in Rom wiederum könnten russische Teams an den Start gehen, da die EM lediglich ein "regionales/kontinentales" Event ist und zudem der Europäische Schwimmverband LEN nicht zu den Unterzeichnern des WADA-Codes gehört. Mit den gleichen beiden Argumenten erklärte die WADA nämlich, dass auch die Austragung der Fußball-EM 2020 von der Entscheidung nicht betroffen sei. Der europäische Fußballverband UEFA hat wie die meisten kontinentalen Sportverbände den WADA-Code ebenfalls nicht unterzeichnet. 

Auf der anderen Seite ist die LEN als Mitglied des Weltverbandes FINA, das den WADA-Code unterschrieben hat, diesem auch indirekt unterworfen. Ansonsten würde die Frage der Gültigkeit von Dopinkontrollen auf diesem Level aufkommen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Verbände selbst zur WADA-Entscheidung positionieren.

Dass man seitens der LEN keine Berührungsängste mit Russland hat, wurde am Wochenende erneut deutlich: Nicht nur, weil das russische Team bei der Kurzbahn-EM in Glasgow die meisten Medaillen holte, sondern vor allem, weil die LEN sowohl die Kurzbahn-EM 2021 als auch die Langbahn-EM 2024 ins russische Kasan vergab.