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(01.08.2011) Mit fünf Bronzemedaillen und nur sieben Finalteilnahmen auf Einzelstrecken blieben die deutschen Schwimmer bei den Weltmeisterschaften deutlich hinter dem Ergebnis der Titelkämpfe in Rom vor zwei Jahren zurück. Damals hatte man mit vier Goldmedaillen und insgesamt neunmal Edelmetall auf Platz zwei des Medaillenspiegels gelegen. Diesmal landete man abgeschlagen auf dem 19. Rang. Erneut konnten nur wenige der DSV-Athleten die Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften bestätigen (Vergleich siehe unten). Doch auch damit hätte die Medaillenausbeute kaum besser ausgesehen.

 

Für die herausragende Leistung im deutschen Team sorgte bei der WM in Shanghai einmal mehr Paul Biedermann. Zwar blieb ihm über die 200m Freistil als Titelverteidiger “nur” Platz drei, doch mit 4,4 Zehnteln Rückstand auf Sieger Ryan Lochte und nur neun Hundertstel auf Superstar Michael Phelps konnte er in einem hochkarätig besetzten Teilnehmerfeld erneut unter Beweis stellen, dass mit ihm im Hinblick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr zu rechnen sein wird.

Vom Lehn überrascht positiv

Positiv überraschte zudem der erst 19-jährige Christian vom Lehn. Zwar ging er über die 200m Brust bereits als Dritter der Weltrangliste in den Wettkampf, doch diese Leistung dann auch bei den Weltmeisterschaften zu bestätigen ist beim ersten großen internationalen Wettkampf keine Selbstverständlichkeit - zumal der Wuppertaler fast noch für die Sensation gesorgt und Olympiasieger Kosuke Kitajima aus Japan abgefangen hätte. Auch zum Sieger Daniel Gyurta aus Ungarn fehlte nicht viel. Zwei Medaillen durch die 4x100m Freistilstaffel der Damen und das 4x100m Lagenquartett der Herren gab es noch. Doch das war es auch schon mit positiven Schlagzeilen der deutschen Schwimmer aus Shanghai.

Enttäuschende Finalquote des DSV-Athleten

Blickt man auf die reine Medaillenausbeute, so stellt sich diese weniger schlecht dar, als Platz 19 im Medaillenspiegel vermuten lässt. Mit fünf Medaillen verfehlte man das vorgegebene, in der Farbverteilung (2/2/2) sicher illusorische Ziel von sechs mal Edelmetall nur knapp. “Man muss da natürlich auch eine Britta Steffen mit reinrechnen in den Medaillenbereich, den sie sicherlich erreichen könnte. Insofern können wir damit zufrieden sein, aber sichelich nicht mit dem Auftreten der gesamten Mannschaft”, so das Fazit von Bundestrainer Dirk Lange.  Sieben Finalteilnahmen gab es bei 30 Einzelstarts, davon nur fünf über Olympische Distanzen. In der Breite ist dies deutlich zu wenig. Zumal der DSV bei den Deutschen Meisterschaften knallharte Normen vorgegeben hatte, mit dem Ziel, eine möglichst hohe Finalquote bei der WM zu haben. Damit waren viele der Athleten jedoch bereits in Berlin dazu gezwungen in Topform anzutreten. Nur auf acht Einzeldistanzen konnten die DSV-Schwimmer bei der WM in Shanghai ihre Leistungen der Deutschen Meisterschaften steigern.

Mit Saisonbestleistungen wären 17 Finalteilnahmen drin gewesen

Zwar hätte die Medaillenausbeute kaum besser ausgesehen, wären die Athleten jeweils Saisonbestleistung geschwommen. Lediglich Steffen Deibler hätte über die 50m Schmetterling mit seiner Zeit der Paris Open auf Platz drei schwimmen können. Doch die Quote der Finalteilnahmen wäre deutlich höher gewesen, hätten die DSV-Schwimmer jeweils genau dann die Bestleistung gebracht, als es darauf ankam. Damit wären bei 30 Einzelstarts 17 Finalteilnahmen drin gewesen.

 

WM-Quali zu früh – Normen zu hoch?

Angesichts der Breite der ausgebliebenen Leistungen sind die Ursachen für das Abschneiden des Teams sicher weniger bei den Sportlern allein zu suchen. Der Zeitpunkt der WM-Qualifikation nur wenige Wochen vor dem Saisonhöhepunkt und die harten Normen zwangen die Athleten dazu bereits in “zu guter Frühform” zu sein, welche in vielen Fällen nicht bis zu den Meisterschaften konserviert werden konnte. Die meisten anderen Nationen hatten ihre Qualifikationen bereits im Frühling und fuhren damit in Shanghai deutlich besser. Im kommenden Jahr sollen die Deutschen Meisterschaften und damit die Olympia-Quali bereits im Mai, elf Wochen vor den Spielen in London 2012 stattfinden. Möglicherweise hätte auch eine Vorbereitung in Asien bessere Wirkungen erzielt. Das geplante Camp in Japan wurde wegen der Reaktorkatastrophe gestrichen und die unmittelbare Wettkampfvorbereitung nach Berlin verlegt. Auch die intensiven, vor allem medial geführten Diskussionen um das Abschneiden und die vorzeitige Abreise Britta Steffens dürften wenig hilfreich gewesen sein.

Blick geht nun nach London

Die Meisterschaften in Shanghai kamen im Hinblick auf London 2012 vielleicht schon zu spät, mit etwas Glück jedoch gerade noch zum rechten Zeitpunkt. Nach der WM 2009 hatte sich das deutsche Team bereits wieder zurück an der Weltspitze gesehen, doch die Ergebnisse von Weltmeisterschaften im nacholympischen Jahr sind mittelfristig eben nur bedingt aussagekräftig. Derzeit hat man mit Paul Biedermann nur einen wirklichen Kandiaten auf Olympiagold. Form und Leistungfähigkeit von Britta Steffen sind nach dem Auftreten in Shanghai unklarer den je. Mit Silke Lippok, Steffen (und möglicherweise auch Markus) Deibler, Helge Meeuw und nun auch Christian vom Lehn sowie zwei, drei weiteren hat man jedoch durchaus Athleten, die mit Blick auf London 2012 ans Podest herangeführt werden können. Hinzu gesellen sich die Lagen- und 4x200m Freistilstaffel der Herren sowie – mit einer wiedererstarken Britta Steffen – auch die 4x100m Freistilstaffel der Damen. “Wir müssen sehen, dass sich die Leute, die wir vorn haben, vorn festsetzen können”, so Dirk Lange. Hoffnung gibt, dass alle Medaillen des DSV-Teams in Shanghai auf Olympischen Strecken gewonnen wurde. Zeit zum Ausruhen darf nun jedoch nicht bleiben.

Zum Abschluss hier die bei der WM gezeigten Leistungen der DSV-Schwimmer im Vergleich mit den Jahresbestleistungen und wozu diese in Shanghai gereicht hätten:

  Zeit WM Platz WM Jahresbestzeit “Bestzeit” WM-Platz
Sina Sutter        
100m S 00:58,96 17. 00:59,01  
         
Paul Biedermann        
400m Fr 03:44,14 3. 03:47,44  
200m Fr 01:44,88 3. 01:45,72  
         
Sarah Poewe        
100m Br 01:08,38 12. 01:08,61  
    Vorlauf: 01:07,38 7.
         
Helge Meeuw        
100m Rü 00:53,28 7. 00:53,47  
50m Rü 00:25,20 10. 00:25,14 9.
    Vorlauf 00:25,04 8.
         
Silke Lippok        
200m Fr 01:58,26 8. 01:57,42 7.
    Halbfinale: 01:57,02 7.
         
Jenny Mensing        
50m Rü 00:28,83 15. 00:28,88  
200m Rü 02:12,38 20. 02:10,21 13.
100m Rü 01:01,64 21. 01:00,78 15.
         
Hendrik Feldwehr        
100m Br 01:00,91 15. 01:00,68 14.
50m Br 00:27,41 4. 00:27,34 4.
         
Christian vom Lehn        
100m Br 01:01,22 22. 01:00,51 12.
200m Br 02:09,06 3. 02:08,97 3.
         
Steffen Deibler        
50m S 00:23,55 6. 00:23,34 3.
100m S 00:52,55 15. 00:52,03 7.
         
Christian Kubusch        
800m Fr 07:58,20 15. 07:55,43 13.
1500m Fr 15:27,68 21. 15:09,94 13.
         
Marco di Carli        
100m Fr 00:49,00 19. 00:48,24 7.
50m Fr 00:22,65 27. 00:22,14 12.
         
Markus Deibler        
200m Lg 02:00,99 22. 01:58,67 6.
100m Fr DNS   00:48,97 17.
         
         
Britta Steffen        
100m Fr 00:54,86 16. 00:54,14 7.
50m Fr DNS   00:24,67 6.
         
Daniela Schreiber        
100m Fr 00:55,24 23. 00:54,74 11.
         
         
Yannick Lebherz        
200m Rü 01:58,56 12. 01:58,00 8.
400m Lg 04:17,31 11. 04:14,02 5.
         
Benjamin Starke        
100m S 00:52,18 9. 00:51,65 5.
         
Tim Wallburger        
200m Fr 01:48,43 17. 01:47,61 10.
         
Clemens Rapp        
400m Fr 03:51,07 21. 03:48,13 12.
         
Jan David Schepers        
200m Lg 01:59,83 13. 01:59,03 7.
         
Dorothea Brandt        
50m Fr 00:25,06 9. 00:24,78 8.
50m Br DNS   00:30,83 5.