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(14.08.2013) Eine Studie des US-amerikanischen "Counsilman Center for the Science of Swimming" bestätigt: Bei den Weltmeisterschaften in Barcelona hatten die Bahnen, auf denen die Athleten unterwegs waren, einen Einfluss auf die Ergebnisse.


Analysiert wurden im Rahmen der Untersuchung unter anderem alle 1500m-Freistilrennen, die bei der Schwimm-WM 2013 ausgetragen wurden. Dabei wurde deutlich, dass die Athleten auf den Bahnen 0 bis 4 auf dem Weg zur Wende im Durchschnitt deutlich langsamer waren als auf dem Weg zurück zur Startseite. Bei den Bahnen 5 bis 9 wurde genau der umgekehrte Fall festgestellt.

Auf den jeweils äußeren Bahnen lag der Unterschied der durchschnittlichen Zwischenzeiten je nach dem, in welche Richtung die Athleten dabei unterwegs waren, den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge bei einer halben Sekunde.

"Wir sahen dies als einen ersten Beweis, der die Gerüchte über eine Strömung im Becken der Schwimm-WM 2013 unterstützte", heißt es in dem Bericht. Daraufhin wurden auch die durchschnittlichen Zwischenzeiten der Weltmeisterschaften der Jahre 2005 bis 2011 untersucht. Hierbei zeigten sich keine der im Zusamhenhang mit der WM 2013 beobachteten Auffälligkeiten.

Auffälligkeiten bestätigen sich auch bei 50m-Rennen

Die Wissenschaftler nahmen daraufhin auch die 50m-Rennen unter die Lupe. Die vermutete kreisförmige Strömung im WM-Becken hätte die Athleten auf den Bahnen 0 bis 4 benachteiligen müssen, da sie auf dem Weg zur Wenden- bzw. Anschlagseite gegen die Stromrichtung schwammen. Die Athleten auf den Bahnen 5 bis 9 hingegen hätten im Vorteil sein müssen.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurde untersucht, wie stark sich die Athleten von Halbfinale zu Endlauf über die 50m-Strecken in Abhängigkeit davon, auf welcher Bahn sie schwammen, verbessert oder verschlechtert haben. Das Ergebnis: Schwamm ein Sportler im Halbfinale auf den Bahnen 1 bis 4 und im Endlauf auf den Bahnen 5 bis 8, so verbesserte er seine Leistung um durchschnittlich ein Prozent. Schwamm er hingegen im Halbfinale auf den Bahnen 5 bis 8 und im Endlauf auf den vermeidlich schlechteren Bahnen 1 bis 4, so sank seine Leistung um 0,5 Prozent ab. Keine Auffälligkeiten gab es bei Athleten die im Halbfinale und Endlauf jeweils auf der gleichen Seite des Beckens unterwegs waren.

Auch diese Unregelmäßigkeiten waren bei den Weltmeisterschaften der vergangenen Jahre nicht zu beobachten. Die Verteilung der Medaillen über die 50m-Strecken bei der WM in Barcelona weicht ebenfalls vom gewohnten Muster der zurückliegenden Titelkämpfe ab. Auffälig viele Medaillen gingen hier an die Bahnen 6 bis 8. Bei insgesamt elf der 24 Podestplätze war dies der Fall. Bei den Weltmeisterschaften 2005 bis 2011 war diese Zahl im Durchschnitt nicht einmal halb so hoch.

Ursache der Unregelmäßigkeiten bleibt offen

Letztlich schlussfolgern die Wissenschaftler, "dass Rennen durch einen externen Einfluss verzerrt wurden und dass die Leistung der Schwimmer durchweg davon beeinflusst wurde, auf welcher Bahn sie starteten." Den Urspung dieses externen Einflusses kann die Studie jedoch nicht offen legen. Ob es sich dabei um die vermutete "Strömung" im WM-Becken handelte, bleibt also unklar. Hierzu müsste eine Untersuchung des Beckens selbst stattfinden.

Die vollständigen Untersuchungsergebnisse können hier eingesehen werden:

"Analysis of recent swim performances at the 2013 FINA World Championship: initial confir mation of the rumored ‘current’."

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