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(14.08.2018) Mit viel Rückenwind unter den Flügeln gehen die deutschen Schwimmer in die nächste, bereits schon vorolympische Saison. Acht Medaillen im Becken sowie dreimal Edelmetall im Freiwasser gab es bei den Europameisterschaften in Schottland. Zudem mehr Finalplatzierungen als selbst der deutsche Chef-Bundestrainer Henning Lambertz erwartet hatte.

Das stimmt auch für die verbleibenden zwei Jahre des aktuellen Olympiazyklus positiv. "Florian Wellbrock ist absolutes Weltniveau. Auch Sarah Köhler ist mit ihren Zeiten sehr gut mit dabei, ebenso Philip Heintz mit seiner 1:55 (Dt. Rekord über 200m Lagen)", meinte Lambertz am Rande der EM in Glasgow mit Blick auf die weltweite Konkurrenz.

Dabei mahnt er jedoch auch, die Ergebnisse der zurückliegenden anderthalb Wochen nicht überzubewerten. "Wir haben viele, die auf Weltniveau sind, aber wir müssen auch so realistisch sein, dass vieles von dem, was hier für ein Finale reicht, gegen Amerika, Australien oder China eben noch nicht reicht", erklärt Lambertz vorausblickend auf die kommenden Jahre. "So blind sind wir trotz der ganzen Euphorie nicht, zu sagen, mit der gleichen Anzahl an Finals erwarten wir auch die Weltmeisterschaften zu schaffen."

Auch für die Staffeln, die in diesem Jahr ein besonderes Rückrat des deutschen Teams waren, dürfte der Fokus zurück auf Welt- statt Europaniveau seine Auswirkungen haben. Im Frühjahr hatte der Deutsche Schwimm-Verband die Normzeiten, die eigentlich ursprünglich für die Team-Wettbewerbe angesetzt waren, deutlich nach unten geschraubt, um es so möglichst vielen Staffeln zu ermöglichen, bei der EM zu starten. Letztlich war das deutsche Team dadurch in allen neun Staffelwettbewerben präsent und holte hierbei zwei Medaillen.

Ob es diesen "Bonus" für die WM 2019 erneut gegen wird, ist allerdings fraglich. "Wenn jede Staffel im Vorlauf ausscheidet, macht es, hart gesagt, auch keinen Sinn, eine Staffelnorm zu senken", so Lambbertz. Vor der EM habe er sehr sauber ausgerechnet, welche Staffel auf welchen Platz kommen kann und war sich sicher, alle können ins Finale einziehen. "Wenn ich das gleiche bei einer WM anlege, wird das aber nicht dabei herauskommen. Deswegen muss man sich dann fragen, wie viel Sinn würde es machen, die Staffelnormen weiter abgesenkt zu lassen und dann doch wieder das Vorlaufaus in Kauf zu nehmen."

Gerade mit Blick auf die Staffelwettbewerbe hat die Weltmeisterschaft 2019 allerdings eine besondere Funktion, denn hier geht es bereits um die Olympiaqualifikation. Nur 16 Mannschaften werden pro Staffelstrecke in Tokio starten können. Bei der WM 2019 sichern die besten zwölf Teams eines jeden Staffel-Events ihrem Land einen Startplatz bei den Olympischen Spielen 2020. Lediglich vier weitere Plätze können später noch über die Weltrangliste vergeben werden. Neben den möglichen Finalplätzen, also Top 8, dürften bei der WM 2019 also die Top 12 bei den Staffel-Wettbewerben noch wichtiger sein.