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(23.08.2011) Mit Christian Diener hat der DSV erneut einen Junioren-Weltmeister in seinen Reihen. Auch bei den vorangegangenen Titelkämpfen im Jahr 2009 hatte es mit Dimitri Colupaev einen Goldmedaillengewinner gegeben. Doch damals holte das Team noch acht zusätzliche Medaillen. In diesem Jahr gab es lediglich einen weiteren Podestplatz. Dies war durchaus zu erwarten, denn die Junioren-Weltmeisterschaften waren für den deutschen Nachwuchs nicht der Saisonhöhepunkt. Bundestrainer Achim Jedamsky zeigt sich trotzdem unzufrieden – jedoch nicht mit seinen Sportlern sondern mit Entscheidungen seines Verbandes.

 

Es sind harsche Worte, mit denen sich Junioren-Bundestrainer Achim Jedamsky aus Lima meldet. “Immer wieder darf ich in Auswertungen unserer Verbandsstatistiker und Spezialauswerter lesen, dass der Nachwuchs fehlt, aber wir schicken aufgrund unserer Meisterschaftsplanung begabte Jugendliche in internationale Wettkämpfe, wo hohe Leistungen erwartet werden, ohne die nötige Vorbereitungszeit! Ein Vergehen an der Jugend, denn sie werden um ihren Erfolg gebracht!”, so Jedamsky, der vor allem den Zeitpunkt und den Ablauf der Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr kritisiert. Diese waren “zu Ungunsten der Sportler und ihrer Ergebnisse gesetzt”.

Halbierung der Medaillenzahlen

Der Termin der Deutschen Meisterschaften habe dafür gesorgt, dass sich bei den Junioren-Europameisterschaften – traditionell der Saisonhöhepunkt des Nachwuchses – die Medaillenausbeute fast halbiert habe. Bei den Titelkämpfen 2010 hatte man noch 15 Podestplätze bejubelt. In diesem Jahr gab es lediglich acht mal Edelmetall. “Dies scheint verbandspolitisch so gewollt, denn ich werde für die Halbierung der Medaillenzahlen noch beglückwünscht,” erklärt der Bundestrainer.

Lautstarke Initiativen auf facebook

Mit seiner Kritik steht er nicht allein da. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Athleten bei den Weltmeisterschaften in Shanghai hatten sich zahlreiche mahnende Stimmen zu Wort gemeldet. Einer der Hauptkritikpunkt war dabei ebenfalls der Zeitpunkt der Meisterschaften, nur wenige Wochen vor dem Saisonhöhepunkt. Bei facebook gründeten sich unter den Titeln “Besseres Schwimmen 2012- was können wir tun?” und “DSV Agenda 2020” Gruppen bzw. Fan-Seiten, in der aktive und ehemalige Sportler sowie Beteiligte und Beobachter der Szene Ideen zu Verbesserungen im deutschen Schwimmsport diskutieren.

Hausaufgaben für den DSV

Intern wird der Deutsche Schwimmverband im September die Saison aufarbeiten. Jedamsky hat dabei Konkretes im Sinn: “Andere Nationen zeigen uns den Trend. Im späten März die nationalen Meisterschaften und im Juni die nationalen Jahrgangsmeisterschaften. Diese Planung vertrete ich die nächsten vier Jahre!” Wie dies bei den weiteren Verbandsvertretern ankommt, bleibt abzuwarten. Gerade mit Bundestrainer Dirk Lange gab es in der Vergangenheit die ein oder andere Meinungsverschiedenheit. DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow meint mit Blick auf die anstehenden Diskussionen: „Wir müssen ein paar Hausarbeiten machen!“