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(08.05.09) In der Diskussion um Hightech-Schwimmanzüge haben sich nun auch die Brustspezialisten Cameron van der Burgh und Alexander Dale Oen zu Wort gemeldet. Beide halten die Entwicklung des letzten Jahres für bedenklich und eine Bedrohung für den Schwimmsport. Sie plädieren für die Abschaffung von Anzügen wie LZR Racer und co. Lesen sie hier den gesamten Bericht:

“Das ist nicht richtig”, meint Alexander Dale Oen mit Blick auf die zahlreichen Weltrekorde in den vergangenen 18 Monaten. Der dänische Olympiazweite über die 100 Meter Brust spricht sich in der Anzugfrage für eine Rückkehr vor die LZR-Genration aus, selbst wenn dann nur normale Badehosen erlaubt wären. “Es ist mir egal, in was wir schwimmen, solange ein Mann oder eine Frau die Arbeit machen und nicht ein Schwimmanzug”, so Dale Oen gegenüber swimnews.com.
Ähnlich sieht es Cameron van der Burgh, Weltrekordhalter über 50 und 100 Meter Brust auf der Kurzbahn. Er findet es traurig, wie das vergangene Jahr den Schwimmsport auf den Kopf gestellt hat. “Heutzutage bedeuten Zeiten nichts mehr”, so der 21-Jährige. In der Tat gab es über die 200 Meter Brust eine geradezu inflationäre Entwicklung an Spitzenzeiten. Seitdem Dimitri Komornikow 2003 erstmals unter 2:10 Minuten geschwommen war und damit einen elf Jahre bestehenden Weltrekord gebrochen hatte, schafften es bis 2008 nur zwei weitere Schwimmer unter dieser Marke zu bleiben. Seit Beginn des Olympiajahres hat sich dieser zuvor sehr kleine Kreis um gleich 16 Sportler erweitert. Insgesamt scheint die Rekordflut des vergangenen Jahres auch 2009 anzuhalten. Ein ganzes Dutzend Mal wurden bereits neue Weltrekorde auf der Langbahn aufgestellt. Dies ist besonders ungewöhnlich für das Jahr nach den Olympischen Spielen, da normalerweise viele Sportler längere Pausenphasen hinter sich haben und erst frisch in den neuen Vorbereitungszyklus starten. Dies wird auch beim Blick auf die vergangenen Olympiafolgejahre 2001 und 2005 deutlich. Insgesamt wurden zum vergleichbaren Saisonzeitpunkt im Mai in diesen beiden Jahren zusammen sechs neue Weltrekorde aufgestellt, gegenüber zwölf in diesem.
Zahlen, die durchaus für sich sprechen und deutlich machen, wie dringend das Handeln der FINA gefragt ist. Mit Spannung blickt die ganze Schwimmwelt auf die für Ende Mai angekündigte Liste der bei den Weltmeisterschaften erlaubten Anzüge. Für den Fall, dass Anzüge wie der LZR Race weiterhin erlaubt sind, haben Dale Oen und van der Burgh vorgesorgt. Auch wenn sie sich gegen die Hightech-Anzüge aussprechen, müssen sie natürlich konkurrenzfähig bleiben. Beide würden, im Falle er wird zugelassen, im neuen Arena X-Glide Anzug an den Start gehen. Doch richtig glücklich wäre van der Burgh damit nicht. Er wolle keine Zeiten schwimmen, die er später ohne Anzug möglicherweise nie wieder erreichen kann. “Das wäre demoralisierend und deprimierend”, so der Südafrikaner. Trotzdem wird den Sportlern für diesen Sommer möglicherweise nichts anderes übrig bleiben und nur wer das richtige Material trägt, wird bei den Weltmeisterschaften eine Rolle spielen. Ob dies der Fall sein wird, werden wir erst Ende Mai wissen.