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(16.04.2021) Wer schafft den Sprung in die deutschen Lagenstaffeln? Direkt zum Auftakt der deutschen Olympiatrials ging es am Freitag um diese Frage und in den Finals des Meetings nutzten mehrere Schwimmer die Chance, sich noch auf einen der begehrten Staffelplätze für Tokio zu schieben.

Über die 100m Brust kam Anna Elendt in 1:07,17 Minuten sogar bis auf nur 16 Hundertstel an den Deutschen Rekord heran. Damit blieb die in den USA trainierende Frankfurterin zwar über der Einzelnorm, sicherte sich aber den Platz als Brustschwimmerin in der Lagenstaffel. Zuvor saß auf dieser Position die Gladbeckerin Jessica Steiger, die in 1:07,63 Minuten zwar ebenfalls schnell unterwegs war, aber auf der zweiten Bahn des Finalrennens Anna Elendt den Vortritt überlassen musste.

"Ich bin überglücklich", meinte Elendt nach dem Rennen. "Hätte mir jemand am Anfang des Jahres gesagt, dass ich mich für Tokio qualifiziere, hätte ich gesagt, der lügt mich an. Das ist echt ein Traum."

Ähnlich sieht es bei Ole Braunschweig aus. Der Berliner hatte sich einen packenden Kampf mit Marek Ulrich um den Platz als Rückenschwimmer in der Lagenstaffel geliefert. Im Vorlauf war Ulrich in 53,75 Sekunden noch schneller gewesen, doch im Finale hatte Braunschweig in 53,87 Sekunden die Hand knapp vor seinem Leipziger Konkurrenten (53,99) an der Wand, der vor dem Wettkampf noch an der Spitze des Staffelrankings lag. Da aber für dieses laut den Nominierungsrichtlinien nur die Endlaufzeiten entscheidend sind, darf nun Ole Braunschweig auf das Ticket nach Tokio hoffen.

Auch Lisa Höpink liegt auf Olympiakurs. Ihr gelang es heute, über die 100m Schmetterling im 58,07 Sekunden die schnellste Finalleistung des Qualifikationszeitraums abzuliefern. Sie übernahm damit die Spitze der Staffel-Bestenliste von Angelina Köhler, die am Mittwoch positiv auf das Coronavirus getestet wurde und daher in Berlin heute nicht starten konnte. Da ein anschließender erneuter Test negativ ausfiel, wird laut unbestätigten Informationen aus Berlin wohl im Hintergrund darüber nachgedacht, Köhler vielleicht noch eine Chance zu geben, in einem Rennen im Alleingang gegen die Uhr das Staffelticket anzugreifen. Es bleibt also spannend.

Alles entschieden ist hingegen für die 100m Schmetterling der Herren. Hier buchte heute der Top-Favorit Marius Kusch in 51,75 Sekunden seinen Platz in der Lagenstaffel. Über die 100m Rücken der Damen ließ sich Laura Riedemann die Butter nicht vom Brot nehmen und lieferte in 59,85 Sekunden die mit Abstand schnellste Leistung des Qualifikationszeitraums ab. Nur acht Hundertstel fehlten ihr damit zum Deutschen Rekord. Sowohl Kusch als auch Riedemann hatten sich bereits über die Einzelstrecke für Tokio qualifiziert.

Zwei deutsche Herren werden wir voraussichtlich in Tokio über die 100m Brust erleben. Fabian Schwingenschlögl kam heute zwar nicht an seinen vor zwei Wochen in Heidelberg aufgestellten Deutschen Rekord (58,95) heran, gewann aber in 59,30 Sekunden knapp vor dem Frankfurter Lucas Matzerath (59,42). Beide hatten schon vorher die Einzelnorm für Tokio erfüllt und bestätigten dies mit ihren Finalleistungen heute. Dahinter war auch Marco Koch in 1:00,28 Minuten schnell unterwegs, das könnte ein Fingerzeig für seine Paradestrecke 200m Brust sein.

So sehen die aktuellen Rankings der deutschen Lagenstaffeln aus:

4x100m Lagen - Damen
Rücken Laura Riedemann   00:59,85 Berlin
Brust Anna Elendt   01:07,17 Berlin
Schmett Lisa Höpink   00:58,07 Berlin
Freistil Annika Bruhn   00:54,15 Eindhoven
  Norm: 04:01,35   03:59,24  

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4x100m Lagen - Herren
Rücken Ole Braunschweig   00:53,99 Berlin
Brust Fabian Schwingenschlögl 00:58,95 Heidelberg
Schmett Marius Kusch   00:51,79 Berlin
Freistil Damian Wierling   00:48,83 Eindhoven
   Norm: 3:35,55   03:33,56  

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4x100m Lagen - mixed
Rücken Laura Riedemann   00:59,85 Berlin
Brust Fabian Schwingenschlögl 00:58,95 Heidelberg
Schmett Marius Kusch   00:51,79 Berlin
Freistil Annika Bruhn   00:54,15 Eindhoven
  Norm: 03:46,70   03:44,74  

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Offen ist noch, wer am Ende die Plätze als Schlussschwimmer einnehmen wird. Dies entscheidet sich mit den morgigen 100m Freistilfinals in Berlin. Und auch die heute im Rennen um die Staffelplätze unterlegenen Athleten können noch ein wenig hoffen. Zum einen gibt es mit der Schwimm-EM in Budapest einen weiteren internationalen Höhepunkt. Zum anderen könnten auch Athleten zur Absicherung der Lagenstaffeln für Olympia nominiert werden. Möglich wäre das laut den Nominierungsrichtlinien, wenn es "zur Erreichung des bestmöglichen Erfolges beitragen" würde.

Heute standen in Berlin nicht nur die Lagenstaffeln im Fokus: Im Kampf um die Plätze in den beiden deutschen 4x200m-Staffeln gab es direkt zu Beginn des Finalabschnitts ein paar Achtungszeichen. Sowohl Isabel Gose und Annika Bruhn als auch Lukas Märtens gelang es hier, sogar die Olympia-Einzelnorm zu knacken. Mehr dazu gibt es hier:

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Die wichtigsten Links zur Olympia-Qualifikation 2021