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(19.02.2021) Erneut werfen Schwimmerinnen dem Würzburger Trainers Stefan Lurz sexualisierte Gewalt vor. Laut eines am Freitag veröffentlichten Spiegel-Artikels habe der Freiwasser-Bundestrainer sie über Jahre hinweg bedrängt und genötigt.

Lurz habe so zum Beispiel einer Schwimmerin anzügliche Nachrichten geschickt und sich ihr auch körperlich unangemessen genähert. Der Spiegel schreibt über Kurznachrichten wie "Deine titten haben mich angemacht." oder "Heute vor Training warst du soooo sexy", die er der Sportlerin habe zukommen lassen. Mittlerweile trainiere die Athletin nicht mehr bei Lurz und sei damit nicht mehr von ihm abhängig. Deshalb habe sie sich erst jetzt dazu entschlossen, über die Geschehnisse zu sprechen. 

Die Sportlerin ist nicht die allein. "Fünf seiner ehemaligen Schwimmerinnen und zahlreiche weitere Personen aus dem Schwimmsport in Bayern sprechen erstmals über ihre Erlebnisse", schreibt der Spiegel. "Sie behaupten, entweder Ähnliches mit Lurz erlebt oder davon mitbekommen zu haben." Der erfahrene Trainer habe seinen Einfluss genutzt, um die Vorwürfe klein zu halten. Der Spiegel schreibt u.a. von Manipulation, Mobbing und Vertuschung. Dem Blatt lägen zudem anzügliche Fotos vor, die Lurz einer zu dem Zeitpunkt minderjährigen Sportlerin habe zukommen lassen.

Es sind nicht die ersten Vorwürfe dieser Art, die gegen den 43-jährigen Schwimmtrainer erhoben werden. Bereits 2010 geriert Lurz aufgrund eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in die Schlagzeilen. Damals nahm die minderjährige Athletin die Vorwürfe erst wieder zurück, nachdem sie auf Druck mehrfach dazu befragt wurde. 

Lurz selbst bestritt die nun erhobenen Vorwürfe gegenüber dem Spiegel, der auch den Deutschen Schwimm-Verband über die Recherchen informierte. Der DSV erklärte, man habe Lurz vorerst beurlaubt und werde nun "massive Anstrengungen" unternehmen, um der Angelegenheit nachzugehen. "Wir unterstützen die vollumfängliche Aufklärung möglicher Fälle im Bereich sexualisierter Gewalt", erklärt der DSV heute dazu in einer Pressemitteilung. 

UPDATE: Am Nachmittag gab der DSV offiziell bekannt, dass Lurz von seinem Amt zurückgetreten ist. Mehr dazu: Bundestrainer Stefan Lurz nach Vorwürfen sexualisierter Gewalt zurückgetreten

Der komplette Artikel, in dem Betroffene ausführlich ihre Erlebnisse schildern, ist hier zu finden: