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(30.10.2020) In den Schwimmbecken der Republik wird sich im kommenden Monat nicht viel tun, doch an der Spitze des Deutschen Schwimm-Verbandes dürfte es Bewegung geben. Am 21. November wird bei der (voraussichtlich digitalen) Mitgliederversammlung des DSV ein neues Präsidium gewählt. Ein Team aus den Reihen der Landesverbände wirft dafür nun seinen Hut in den Ring.

Angeführt wird die Gruppe von Marco Troll, der das Amt des DSV-Präsidenten übernehmen will. Der 58-Jährige ist Präsident des Badischen Schwimmverbandes und sorgte in dieser Position beim Verbandstag vor zwei Jahren für eine Überraschung. Damals sollte über eine Erhöhung des Pro-Kopf-Mitgliedsbeitrages abgestimmt werden, doch noch bevor es dazu kam, brachte Troll einen Antrag ein, der die Abstimmung darüber verschob. Die Folge waren die Rücktritte von DSV-Präsidentin Gabi Dörries und der Vizepräsidentin Finanzen Andrea Thielenhaus. Seitdem steuert der DSV ohne Führungsperson durch die Sportwelt.

Zwar gehört die "Stabilisierung der Finanzen" auch jetzt zu den Zielen der Kandidatengruppe um Troll. Die von den Landesverbänden an den DSV abzuführenden Beiträge will das Team aber nicht antasten. Überraschend ist das nicht, schließlich setzt sich die Mannschaft aus Vertretern der starken Regionalmächte zusammen. Für den wichtigen Bereich als Vize-Präsidentin für Finanzen soll so zum Beispiel die ehemalige Bänkerin Claudia Boßmann antreten. Sie entstammt dem Schwimmverband Nordrhein-Westfalen. 

Ins Rennen geht zudem Wolfgang Rupieper, der als Präsident des Landesschwimmverbands Brandenburg auch einen der ostdeutschen Verbände repräsentiert und sich als ehemaliger Amtsgerichtsdirektor und Gerichtsmediator dem Bereich "Recht" im Präsidium widmen soll. Komplettiert wird die Gruppe von Harald Walter, dem Präsidenten des Bayrischen Schwimmverbandes. Damit gehören dem Team Vertreter der beiden mitgliederstärksten Landesverbände (NRW & Bayern) an. Ein Umstand, der für die Wahl im November entscheidend sein könnte, denn stimmberechtigt sind Vertreter der Landesverbände, die in Abhängigkeit von ihrer Größe Delegierte zur DSV-Mitgliederversammlung entsenden können.

Dementsprechend gut stehen auch die Aussichten von Troll, Boßmann, Walter und Rupieper, zumal es nach aktuellem Stand, drei Wochen vor dem Wahltermin, keine Gegenkandidaten gibt. Zuletzt erklärte der aktuelle DSV-Vizepräsident Uwe Brinkmann nicht mehr für Aufgaben im DSV zur Verfügung zu stehen.

Im Hintergrund hat sich die Gruppe um Troll in den zurückliegenden Wochen auf gemeinsame Ziele für ihre Amtszeit verständigt. "Im Falle unserer Wahl übernehmen wir die Verantwortung für die Sport- und Verbandsentwicklung durch Einbindung aller vorhandenen Kompetenzen im DSV (Mitgliedsverbände und Personen), um den Spitzenverband zu entwickeln", erklären sie in einem Positionspapier. Wie Troll gegenüber der Badischen Zeitung verlauten ließ, soll der Fokus dabei weniger auf Veränderungen im Leistungssport liegen. Hier sei die Struktur u.a. mit den Bundesstützpunkten sehr gut ausgebaut. Stattdessen solle der Bereich des Ehrenamts sowie des nicht-lizenzierten Sports gestärkt werden. Auch die "Entwicklung neuer Wettkampfformen" steht im Positionspapier, das zudem Punkte wie eine "Schwimmausbildungsinitiative" und die "Thematisierung der Wasserflächenproblematik" beinhaltet. Und: "Der DSV soll zu einer Marke im deutschen Sportgeschehen werden", so die Präsidiumskandidaten.

Inmitten von Lockdown und Corona-Pandemie werden die Aufgaben für die DSV-Spitze nicht gerade weniger. Seit dem Rücktritt von Gabi Dörries als Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes im Dezember 2018 ist die höchste Position beim DSV unbesetzt. Geführt wurde der Verband nun schon fast zwei Jahre lang vom Vorstand aktuell bestehend aus Brinkmann, den weiteren Vize-Präsidenten Wolfgang Hein (Verbandsentwicklung) und Kai Morgenroth (kommis. Finanzen) sowie Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen. Ende November soll diese Dauer-Übergangslösung also abgelöst werden, doch die Entscheidung darüber liegt in den Händen der Delegierten bei der DSV-Mitgliederversammlung. Und wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, sind diese immer mal wieder für eine Überraschung gut.

Die Entwicklung an der DSV-Spitze seit Ende 2016:

03.10.2019 - aktuell Präsident/in  - unbesetzt -
  Vize-Präsident (Entw.) Wolfgang Hein
  Vize-Präsident (Recht) Uwe Brinkmann
  Vize-Präsident (Finanzen) Kai Morgenroth
     
08.12.2018 - 03.10.2019 Präsident/in - unbesetzt -
  Vize-Präsident (Entw.) Wolfgang Hein
  Vize-Präsident (Recht) Uwe Brinkmann
  Vize-Präsident/in (Finanzen) - unbesetzt -
     
April 2017 - 08.12.2018 Präsidentin Gabi Dörries
  Vize-Präsident (Entw.) Wolfgang Hein
  Vize-Präsident (Recht) Uwe Brinkmann
  Vize-Präsidentin (Finanzen) Andrea Thielenhaus
     
01.01.2017 - April 2017 Präsidentin Gabi Dörries
  Vize-Präsident (Entw.) Wolfgang Hein
  Vize-Präsident (Recht)  - unbesetzt - 
  Vize-Präsidentin (Finanzen) Andrea Thielenhaus
     
05.11.2016 - 01.01.2017 Präsidentin Gabi Dörries
  Vize-Präsident (Entw.) Wolfgang Hein
  Vize-Präsident (Recht) Clemens Stewing
  Vize-Präsidentin (Finanzen) Andrea Thielenhaus

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Bild rechts: privat