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(23.08.2020) Jeder kennt das Sprichwort „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ und besonders in unserem Sport könnte das kaum zutreffender sein. Egal, wie viel Talent ein Schwimmer mitbringt, um am Ende auch ganz vor mitmischen zu können, braucht es Training und eine zielgerichtete Entwicklung. Das bestätigt auch der Spitzentrainer Sergio Lopez. Der Spanier formte als Nachwuchscoach spätere Olympiasieger wie Joseph Schooling, Ryan Murphy oder auch Caeleb Dressel und gilt weltweit als angesehener Schwimmexperte. Wir haben mit ihm für das kommende swimsportMagazine über die langfristige Leistungsentwicklung und die Rolle des Techniktrainings bei Schwimmern gesprochen.

Dabei macht Sergio deutlich: Ein gutes Fundament im Nachwuchsalter ist nur schwer zu ersetzen. "Alles, was Schwimmer im jungen Alter an Technik lernen können, kommt ihnen im Laufe ihrer Entwicklung zu Gute", erklärt der Olympiadritte über die 200m Brust von 1988. Wichtig sei vor allem, den Kids ein Gefühl für das Wasser zu vermitteln. "Sie sind dann viel besser in der Lage, ihren eigenen Stil anzupassen, wenn es notwendig wird. Denn der Körper verändert sich und damit müssen sie umgehen können."

Es ist also Flexibilität gefragt, denn starre Technikbilder lassen sich im Lauf der eigenen Entwicklung nur selten zu 100 Prozent beibehalten - auch aus Sicht des Coaches. "Als Trainer lernt man von den Athleten, die man um sich hat", meint Sergio so zum Beispiel. "Das gilt besonders bei der Schwimmtechnik. Nicht immer, wenn wir als Trainer beim Sportler etwas ändern wollen, wird er dadurch besser." Daher lohne es sich besonders im jungen Alter noch zu experimentieren und Sachen ausprobieren. "Wenn wir eine Technik umstellen und das funktioniert nicht, dann ändern wir das eben wieder zurück." Später sei das nicht mehr so problemlos möglich.

"Es geht darum, die Athleten sehr breit auszubilden, um ihnen im weiteren Verlauf ihrer Karriere die Möglichkeit zu bieten, sich zu spezialisieren." Im dem Zusammenhang betont der 52-Jährige zudem, dass man die spätere Entwicklung nicht opfern solle, um ein paar Medaillen im Jugendbereich einzufahren. "Wenn wir sehr früh jeden Tag zweimal trainieren, kann das natürlich zu schnellen Erfolgen führen, aber die Sportler auch verbrennen", erklärt er und nennt dabei das Beispiel seines einstigen Schützlings und späteren Weltrekordhalters Ryan Murphy.

Schon 2012 hatte dieser als erst 16-Jähriger die Chance, sich für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren. Murphy trainierte zu dieser Zeit unter Sergio Lopez an der renommierten Bolles Highschool in Florida. Statt bei dem Jungtalent aber alle Reserven schon auszuschöpfen, verzichtete der Coach damals auf Elemente wie zum Beispiel intensives Krafttraining. "Wären wir diesen Schritt gegangen, hätte er es vielleicht schon 2012 zu Olympia geschafft. Aber das haben wir nicht gemacht, auch wenn es keine einfache Entscheidung war", so Sergio Lopez. "Langfristig aber war es richtig." In der Tat: Vier Jahre später holte Ryan Murphy bei den Spielen in Rio drei Goldmedaillen und ist aktuell der schnellste Schwimmer aller Zeiten über die 100m Rücken.

Das komplette vierseitige Interview mit Sergio Lopez gibt es in der kommenden Herbstausgabe des swimsportMagazine. Das Heft ist ab September in Handel und kann dann auf www.swimsportmagazine.de bestellt werden.

Bild: Virginia Tech Hokies