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(13.07.2020) Mit einem Enthüllungsbericht hat die britische Sonntagszeitung "Mail on Sunday" am Wochenende für Wirbel gesorgt. Für die Olympischen Spielen 2012 sollen einheimische UK-Sportler mit einer Art Wunderdroge experimentiert haben. Finanziert und organisiert vom Sport-Dachverband UK Sport. Auch Schwimmer sollen darunter gewesen sein.

Laut des Berichts, der sich auf geheime Dokumente des Verteidigungsministeriums beruft, hätten insgesamt 91 namentlich nicht genannte britische Sportler bei den Olympischen Spielen an einem Geheimprogramm von UK Sports teilgenommen, im Rahmen dessen sie mit einem energiesteigernden Drink namens "DeltaG" versorgt wurden. Dieser wurde ursprünglich für das US-Amerikanische Militär entwickelt und befand sich damals in der Testphase am Menschen.

Die geheime Zutat des vermeintlichen Wunderdrinks: Keton Ester. Ketone entstehen normalerweise in unserem Körper ganz natürlich beim Fettabbau, wenn die Kohlenhydratspeicher bereits aufgebraucht sind, und dienen indirekt als Energiequelle. Diesen Effekt will man sich mit extern aufgenommenen Keton Estern künstlich zunutze machen, indem die Ketone, grob gesagt, parallel zur Glukose als Energielieferant zur Verfügung stehen. 

Mittlerweile sind Keton-Drinks ganz offen im Leistungssport angekommen, so zum Beispiel bei den Langstrecken-Radlern der Tour de France. Auch in unserem swimsportMagazine haben wir bereits in der Winterausgabe 2018 darüber berichtet (mehr dazu hier: Keton-Drinks: Das neue Superfood für die Sport-Ernährung?) Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat künstliche Ketone nicht auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt.

Worin besteht nun also das Problem, wenn die britischen Sportler bereits 2012 damit experimentierten? Kritisch zu betrachten ist vor allem die Art und Weise, wie dies geschehen sein soll. Die Mail on Sunday spricht in ihrem Bericht von Athleten, die als Versuchskarnickel missbraucht worden sein. Mehr als 40 Prozent von ihnen hätten über Nebenwirkungen geklagt. Mehrere Sportverbände haben die Vorgänge auf Anfrage der Mail on Sunday bereits bestätigt. So teilt der britische Leichtathletikverband mit, Keton Ester seine zwar legale Nahrungsergänzungsmittel. Damals habe man sich aber in einer "Grauzone" bewegt. 

Alle Sportler, darunter auch Schwimmer, sollen Dokumente unterschrieben haben, die sie zur absoluten Geheimhaltung verpflichteten. Darin erwähnt UK Sports ausdrücklich, man könne nicht garantieren, "dass die Verwendung von Keton-Estern mit dem Welt-Anti-Doping-Code absolut konform ist und schließt daher jede Verantwortung für die Verwendung aus." Wäre die Nutzung also entdeckt und als nicht zulässig eingestuft worden, hätten die betroffenen Sportler allein in der Schusslinie gestanden. Die Verantwortung wurde beim schwächsten Glied der auf Medaillenerfolge fixierten Kette abgeliefert. 

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